IGS Achim

Kritik an Landrat-Votum gegen die Oberstufe

In einer Stellungnahme hatte Landrat Peter Bohlmann sich deutlich gegen eine Oberstufe an der IGS Achim ausgesprochen. Die Schulleiterin kritisiert nun, dass er zum Teil auf falsche Schülerzahlen zurückgreift.
20.04.2021, 14:48
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Kritik an Landrat-Votum gegen die Oberstufe
Von Elina Hoepken
Kritik an Landrat-Votum gegen die Oberstufe

Das klare Votum des Landrates gegen ein Oberstufe an der IGS hat für viel Wirbel gesorgt.

Björn Hake

Achim. Deutliche Worte hatte der Verdener Landrat Peter Bohlmann in seiner Stellungnahme zur möglichen Einrichtung einer Oberstufe an der IGS in Achim gefunden. Von einer nicht hinnehmbaren Ballung des Bildungsangebotes im Nordkreis sprach Bohlmann darin ebenso wie von unrealistischen Prognosen der Schülerzahlen und einer dadurch nicht zu rechtfertigenden Erweiterung der IGS (wir berichteten). Doch so deutlich wie die Worte des Landrates waren auch die Reaktionen darauf in der Sitzung des Achimer Schulausschusses am Montagabend.

Silke Thomas (Grüne) sprach etwa von einem „schrecklichen Brief von Bohlmann“, Dorothee Danèl, Schulelternratsvorsitzende der IGS, zeigte sich „entsetzt, dass so ein Brief von einem SPD-Mitglied kommt“ und Paul Brandt (SPD) sah sich gezwungen zu betonen, dass „der Brief, der viele Emotionen aufwirbelt, nicht die Meinung der SPD-Ratsfraktion widerspiegelt“. Obwohl persönlich nicht anwesend, sorgte Peter Bohlmann also am Montagabend für viel Gesprächsstoff. Denn immerhin ist seine Stellungnahme ein Baustein auf dem Weg hin zur möglichen Beantragung einer Oberstufe für die IGS.

Ein weiterer sind Schülerzahlenprognosen, die aktuell von der Verwaltung erarbeitet werden, und eine bereits stattgefundene Befragung der Eltern, die, wie berichtet, ein deutliches Votum für die Oberstufe zeigte. Von insgesamt 489 stimmberechtigten Eltern hatten 394 an der Befragung teilgenommen. 358 von ihnen stimmten für die Erweiterung der IGS um eine gymnasiale Oberstufe.

Rückschlüsse aus der Befragung

So sehr sich Vertreter der Schule und politische Befürworter der Erweiterung über dieses positive Ergebnis freuten, so zog diese Befragung aber durchaus auch negative Stimmen nach sich. „Wir müssen uns schon fragen, welche Rückschlüsse wir nun daraus ziehen können“, gab Christoph Pein (FDP) zu bedenken. Immerhin seien die Eltern zu diesem Thema exklusiv von der IGS beraten worden, was die Entscheidung möglicherweise beeinflusst habe. Zudem habe es nur zwei Auswahlmöglichkeiten gegeben. „Eltern, die noch unschlüssig sind, haben vermutlich für die Oberstufe gestimmt.“

Das wollte Silke Thomas allerdings nicht als Argument gelten lassen. „Genau das ist es doch, was die IGS ausmacht und zu ihrem Konzept gehört: Die Eltern können sich alles offenhalten.“ Eine IGS sei allerdings nur vollwertig, wenn die Möglichkeit bestehe, alle Abschlüsse zu machen und dazu gehöre auch das Abitur. „Ich bin mir relativ sicher, dass die Prognose ergeben wird, dass die Schülerzahlen dafür ausreichen würden“, sagte Thomas.

Falsche Zahlen

Das hatte Peter Bohlmann in seiner Stellungnahme allerdings bezweifelt. Er schrieb, dass „eine schwache Vierzügigkeit in der fünften Klasse“ wie an der IGS Achim keine Oberstufe rechtfertige. Diese Ausführungen sorgten aber etwa bei der Schulleiterin Kerstin Albes-Bielenberg für Kopfschütteln. Sie seien nämlich schlichtweg falsch. Der aktuelle fünfte Jahrgang an der Achimer IGS sei fünfzügig. „Wir wissen nicht, auf welcher Grundlage Herr Bohlmann diese Zahlen eruiert hat. Mit uns hat er auf jeden Fall nicht gesprochen“, kritisierte Albes-Bielenberg. „Generell missfällt mir an dem Brief, dass nur über Zahlen und nicht über Menschen geredet wird.“

Jeder Schulwechsel sei für Kinder ein Bildungsbruch und daher nachteilig. Das gelte dann auch für den möglichen Wechsel von der IGS Achim zur Oberstufe an der IGS Oyten. Unterstützung bekam sie auch von Paul Brandt. „Natürlich gibt es einige Schulangebote, die in der Peripherie angesiedelt sind, aber ich verstehe nicht, warum das gegen ein zentrales Angebot in Achim spricht“, sagte er mit Blick auf Bohlmanns Brief.

Trotz zahlreicher kritischer Stimmen gab es aber auch Verständnis für Bohlmanns Stellungnahme. „Es ist seine Aufgabe, den gesamten Landkreis zu betrachten und das hat er getan“, erklärte Isabel Gottschewsky (CDU). Es sei aus ihrer Sicht zudem sehr borniert, Oyten als Peripherie zu bezeichnen. Eine Entfernung von acht Kilometern zwischen Achim und Oyten könne man 16-jährigen Schülern schon zumuten. „Die IGS ersetzt die Sek-I-Schulen und gerade mit Blick auf den Fachkräftemangel liegt das Heil nicht darin, noch mehr Abiturienten zu generieren“, ist Gottschewsky überzeugt.

Einvernehmliche Entscheidung

Unsicherheit herrschte bei allen letztlich allerdings darüber, inwieweit das Votum von Peter Bohlmann gegen die Einrichtung einer Oberstufe nun für den weiteren Prozess gewertet werden muss. Die zuständige Fachbereichsleiterin Katja Luschei erklärte, man sei lediglich verpflichtet, eine Stellungnahme einzuholen. Zur Sicherheit wolle sie aber noch einmal prüfen, inwieweit das Votum bindend ist. „Rechtlich bindend ist die Stellungnahme meines Wissens nach nicht“, erklärte dann Cornelia Schneider-Pungs (SPD). „Es sollte aber natürlich in unserem Interesse sein, die Entscheidung einvernehmlich zu treffen.“ Auch ihr Parteikollege Paul Brandt rief dazu auf, zusammenzuhalten. „Wir sollten uns durch so einen Brief nicht auseinanderdividieren, sondern unseren Antrag für die Einrichtung einer Oberstufe weiter verfolgen. Wir haben starke Argumente.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+