Bürgermeisterwahl Langwedel Ihr bisher größtes Projekt

Der Impuls, bei der Bürgermeisterwahl anzutreten, kam im Grunde von den Bürgern selbst. Diese hatten Bijanka Müller darauf angesprochen. Nun versucht es die 50-Jährige als parteilose Kandidatin.
22.08.2017, 15:42
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Ihr bisher größtes Projekt
Von Marius Merle

Langwedel-Haberloh. Mit Projekten kennt Bijanka Müller sich aus. Neben jenen auf der Arbeit wäre da etwa der Bürgerwindpark Völkersen-Haberloh, der „Tag des offenen Hofes“, der „Größte Adventskranz im Landkreis Verden“, die Teilnahme beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ der Ortschaften Völkersen und Haberloh oder nun die Vorplanungen für den Bürgerbus Langwedel. Überall hat oder hatte die 50-Jährige federführend ihre Finger mit im Spiel. „Ich bin einfach jemand, der gerne Ziele formuliert und dann umsetzt“, sagt sie. Ihr bisher wohl größtes Projekt läuft aber aktuell: Denn Müller tritt als parteilose Kandidatin bei der Langwedeler Bürgermeisterwahl an. Das Ziel ist dabei klar, ob es aber auch hier letztlich zur Umsetzung kommt, hängt dieses Mal einzig und alleine von dem Willen der Bürger ab.

Diese seien es jedoch in nicht kleiner Zahl gewesen, die sie überhaupt erst zu dieser Entscheidung motiviert hätten. „Die Bürger haben mitbekommen, was ich auf die Beine gestellt habe. Denn ich sage nichts einfach nur, ich mache es auch“, erzählt Müller und in dem Zusammenhang sei sie von den Menschen gefragt worden, ob sie sich eine Kandidatur vorstellen könnte.

Auch von den Parteien sei sie diesbezüglich angesprochen worden. Letztlich ist es nun die FDP, die Müller unterstützt. Über die Liste der CDU war sie allerdings bei der Kommunalwahl im vergangenen Jahr in den Gemeinderat eingezogen. Ein Parteieintritt habe für die Ortsvorsteherin von Haberloh aber nie zur Debatte gestanden. Das sieht sie auch als Vorteil, falls ihr der Sprung ins Langwedeler Rathaus gelingen sollte. „Als Parteilose kann man am Allerbesten mit allen Parteien zusammenarbeiten“, glaubt sie.

Bürger besser informieren

Das Ziel für Langwedel müsse klar sein: „Wir dürfen nicht stehen bleiben, sonst verschlafen wir die Zukunft.“ Dafür hat Müller in vielen Bereichen schon genaue Vorstellungen. Grundsätzlich ist es ihr wichtig, die Bürger besser einzubeziehen und zu informieren. Mehr Öffentlichkeitsarbeit sei hier das Stichwort. „Ich könnte mir dafür etwa einen ,Gemeindeboten' vorstellen, der an die Bürger verteilt wird“, erzählt Müller. Um noch mehr über die Bedürfnisse der Menschen in den einzelnen Ortschaften des Fleckens zu erfahren, findet sie es zudem denkbar, eine Befragung, wie sie aktuell im Rahmen von „Unser Dorf hat Zukunft“ in Völkersen läuft (wir berichten), im gesamten Gemeindegebiet durchzuführen.

Besonders am Herzen liegt der 50-Jährigen als zweite Vorsitzende beim Touristik-Verein Langwedel natürlich auch der Tourismus. „Ich würde gerne ein komplettes Tourismuskonzept aufstellen“, betont sie. Denn Langwedel habe das Potenzial, noch mehr Touristen anzuziehen – besonders Radfahrer. In ihrer Freizeit ist Bijanka Müller gerne selbst auf zwei Rädern in der Gegend unterwegs. „Durch die neuen Rundwege lernt man dabei jede schöne Ecke im Flecken kennen“, kann sie das bereits bestehende Angebot nur empfehlen. Zu ihren weiteren Freizeitaktivitäten zählt die parteilose Kandidatin Yoga oder Treffen mit dem Freundeskreis.

Seit rund 30 Jahren arbeitet die gebürtige Bothelerin bei den Stadtwerken Rotenburg. Energieberatung und Einsparung von CO2 seien dabei ihr Tagesgeschäft. Ein Konzept würde Müller daher in Langwedel auch im Bereich Klimaschutz als nötig erachten. „In diese Richtung müssen wir uns ausrichten“, befindet sie und sieht die Gemeinde in der Pflicht, die regenerativen Energien auszubauen. Weiter auseinandersetzen müsse man sich diesbezüglich natürlich auch mit der Erdgasförderung im Flecken und den Folgen. „Das Thema verfolge ich sehr intensiv.“

Und dann wäre da für das erklärte Oberziel „Zukunft gestalten“ natürlich noch der demografische Wandel zu berücksichtigen. „Die Leute möchten in ihrem Dorf alt werden“, weiß Müller aus ihrer Erfahrung zu berichten. Und dies müsse ihnen auch außerhalb der Zentren ermöglicht werden. Die Schaffung von Seniorenwohngemeinschaften nennt sie in diesem Zusammenhang als eine Idee. Auch Themen wie die Förderung des Ehrenamts, die Familienfreundlichkeit oder das Zusammenspiel der Verwaltung mit den Selbstständigen würde sie gerne angehen.

Seit 30 Jahren in Haberloh

„Die Verwaltungs- und Politikarbeit ist mir nicht fremd“, will Müller betont haben, angesichts der Tatsache, dass sie in Langwedel erst auf wenige Monate Erfahrung als Ratsmitglied zurückblicken kann. Aber schließlich seien die Stadtwerke Rotenburg ja ein kommunales Versorgungsunternehmen der Stadt Rotenburg und besonders als Geschäftsführerin des Bürgerwindparks Völkersen/Haberloh habe sie viele Gespräche mit der Politik und Verwaltung geführt und auch zahlreiche politische Sitzungen besucht.

Ruhe findet Müller im beschaulichen Haberloh. Seit rund 30 Jahren wohnt sie dort mit ihrem Mann auf der alten Hofstelle seiner Familie. Seit dem vergangenen Jahr ist sie die dortige Ortsvorsteherin und vertritt damit offiziell die Belange von etwas mehr als drei Dutzend Menschen. Die Anzahl derer würde bei einer erfolgreich verlaufenden Bürgermeisterwahl schlagartig ansteigen – auf das rund 400-Fache. Bedenken, mit der Aufgabe als Gemeindeoberhaupt überfordert sein zu können, habe sie jedoch nicht: „Ich bin eine Person, die sich sehr schnell in neue Abläufe und Themen einarbeiten kann.“


Bijanka
Müller stellt sich ebenso wie ihre Kontrahenten ums Langwedeler Bürgermeisteramt, Andreas Brandt und Imke Thielker , bei der Weser-Kurier-Podiumsdiskussion am Dienstag, 19. September, den Fragen der Redaktion sowie der interessierten Bürger. Beginn der Veranstaltung, die etwa 60 bis 75 Minuten dauern wird, ist um 19 Uhr im Gasthaus Klenke .

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+