Achimer Tafel Im Dienste bedürftiger Mitbürger

Die Achimer Tafel hat beim Tag der offenen Tür ihre Arbeit und die Verschwendung von Lebensmitteln informiert.
22.09.2019, 15:44
Lesedauer: 2 Min
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Von Gisela Enders

Mehr als elf Millionen Tonnen wertvoller Lebensmittel landen in Deutschland pro Jahr im Müll. „Verursacht wird dieser Wahnsinn zum Teil durch Überproduktionen, von denen wir jedoch profitieren“, erklärte Bruno Kroehn die Herkunft der Waren, die später bundesweit gegen geringes Entgelt an Bedürftige abgegeben werden. Gleichzeitig verwies der 2. Vorsitzende der Achimer Tafel anlässlich eines Tages der Offenen Tür jedoch auch auf Verschwendung im privaten Bereich, die etwa 40 Prozent des Gesamtvolumens ausmache und durch sinnvolleres Einkaufen durchaus vermieden werden könne.

„Wir leben in großen Teiles Europas auf einer Insel der Glückseligkeit“, beschrieb Kroehn den hohen Lebensstandard, gerade auch in Deutschland. Äpfel und Birnen aus Chile, Spargel und Heidelbeeren aus Peru, Zwiebeln und Nüsse aus Neuseeland seien jederzeit verfügbar und würden gekauft, obwohl heimisches Obst und Gemüse den Vitamin- und Nährstoffbedarf der Menschen zweifelsohne ebenfalls decken würden. Angesichts knackiger und exotischer Früchte würde jedoch gerne mal darüber hinweggesehen, dass lange Transportwege der Umwelt immensen Schaden zufügten.

„Die Dinge sind nun einmal da, und wir nehmen natürlich gerne alles“, beschrieb Kroehn das Sortiment, das in zwei modernen Kühlfahrzeugen täglich von ehrenamtlichen Fahrern in die Unterstraße gebracht wird. Wichtig sei es ihm darauf hinzuweisen, dass die Supermärkte in der Region sich ohne Ausnahme an der Bereitstellung nicht mehr verkaufsfähiger Ware beteiligen würden.

„Dazu gehört zum Beispiel auch verpacktes Frischgemüse“, sagte Elisabeth Almgard, seit acht Jahren im Sortierteam tätig. Sei davon auch nur eine Tomate ungenießbar, gelange die komplette Einheit nicht mehr in den Verkauf. Genauso werde mit anderen Artikeln verfahren, die dem verwöhnten Blick des Kunden eventuell nicht standhalten könnten. „Dosen mit kleinen Dellen, eingerissene Tüten mit beschädigten Etiketten kommen gar nicht erst in die Regale und damit uns zugute."

Nutznießer des Angebotes sind vielfach alleinerziehende Mütter, ausländische Mitbürger und ältere Menschen mit geringem Einkommen. Zweimal wöchentlich haben sie die Möglichkeit, sich in der Achimer Unterstraße mit allem Notwendigen zu versorgen. Die Zweigstellen in Lunsen und Bassen hingegen sind nur einmal pro Woche geöffnet.

Er glaube, dass es gerade unter den Rentnern eine Vielzahl Bedürftiger gebe, die die Möglichkeit eines kostengünstigen Einkaufs in der Tafel nicht nutzen würden, befürchtet Bruno Kroehn. Da blieben die Menschen aus Scham zu Hause oder auch, weil sie es von jeher gewohnt seien, mit dem Nötigsten auszukommen. Gleichzeitig kritisierte der 70-Jährige das Konsumverhalten vieler Bürger und die Politik der westlichen Länder, die in hohem Maße dazu beitrügen, dass die Not der Menschen in der dritten Welt eher zu- als abnähme. Das treibe die Flüchtlingszahlen in die Höhe und falle damit auf uns zurück.

Zusätzlich zu den Dingen des täglichen Bedarfs bringen häufig verschiedene Pizzas, Kuchen und Blumen ein wenig Glanz in das Leben der Tafel-Kunden, war aus dem Team zu hören. Auch gelegentliche finanzielle Zuwendungen fielen auf fruchtbaren Boden und würden letztendlich dabei helfen, dort Gutes zu tun, wo es vonnöten sei. Das herzliche Miteinander, das in den drei Ausgabestellen herrsche, trage zudem zu einem lockeren Verhältnis zwischen Kunden und Ehrenamtlichen bei.

Obwohl sich etwa 100 Frauen und Männer in den Dienst der Tafel stellen, freut sich der Verein über Neumitglieder; besonders Fahrer werden gesucht. Auch Jugendliche, die nach Abschluss ihrer Schulausbildung nicht wissen, wie es weitergehen solle, könnten an der Unterstraße als „Bufdi“ anheuern, warb Bruno Kroehn. Willkommen seien auch passive Mitglieder, die für einen jährlichen Beitrag in Höhe von 30 Euro aufgenommen würden.

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