Lesung

Im Zeichen des Bösen

Der bekannte Profiler Axel Petermann hat im Kasch aus seinen ersten Roman gelesen. Die Geschichte beruht dabei auf einem wahren Fall, mit dem sich Petermann einst auseinandersetzen musste.
07.10.2018, 17:30
Lesedauer: 2 Min
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Von Lukas Warnecke
Im Zeichen des Bösen

Axel Petermann präsentierte bei der Lesung insgesamt fünf Stellen aus seinem Roman.

Björn Hake

Gespannte Stille herrschte am Freitagabend im blauen Saal des Achimer Kasch. Das ganze Publikum folgte gebannt der Lesung von Axel Petermann, der auf Einladung der Buchhandlung Hoffmann bereits zum dritten Mal für eine Lesung in die Weserstadt gekommen war. Der gebürtige Bremer gilt europaweit immer noch als einer der wichtigsten Profiler. Vier Jahre nach seiner Pensionierung hat er nun zusammen mit Claus Cornelius Fischer seinen ersten Roman veröffentlicht. Damit erfüllte sich Petermann nach eigener Aussage einen lang gehegten Wunsch. Das Buch „Die Elemente des Todes“ handelt von einer Reihe mysteriöser Todesfälle, die sich zwischen 1994 und 1996 in Bremen abgespielt haben. Bei der Geschichte handelt es sich um eine „True Crime Story“, die also auf einem echten Fall aus Petermanns Vergangenheit basiert. Namen, Orte und Dialoge wurden dabei abgeändert, um sie mehr dem Korsett eines Romans anzupassen. „Die eisige Kälte des Bösen ist jedoch geblieben“ wie Petermann es selbst ausdrückt. Die im Roman dargestellten Ermittlungsmethoden und Tatabläufe seien auch alle echt.

Nicht alle Gäste kamen nur wegen des bekannten ehemaligen Profilers ins Kasch. Das Genre der „True Crime“ Krimis ist zuletzt immer populärer geworden „Es ist interessant, von den Abgründen mancher Menschen zu lesen“, erklärte beispielsweise eine Gruppe von Freunden ihren Besuch der Lesung. Besonders dann natürlich, wenn diese Schilderungen von einem „Fachmann“ wie Petermann kommen. „Ich bin kein Mörder, ich kann Menschen verschwinden lassen“ begann dieser die erste Textprobe. Insgesamt fünf Stellen aus seinem Roman präsentierte er an diesem Abend. In diesen gab er Einblicke in die Figur des Mörders, die beschriebenen Profilingmethoden und die Gedankenwelt des erfundenen Kommissars Kiefer Larsen, der nicht auf ihm selbst beruhe, wie Petermann erklärte. Trotzdem gebe es Ähnlichkeiten zwischen ihm und seiner Hauptfigur. So hätte sich auch Petermann, genauso wie Larsen, bei schwierigen Ermittlungen an private Orte ohne seine Familie zurückgezogen. „Zum Schutz vor dem Bösen“, wie er selbst sagte.

Den Täter Daniel Becker und seinen Komplizen Moritz Vogel hat es jedoch auch im realen Leben gegeben. Die Motive für ihre Taten haben laut Petermann von Fremdenfeindlichkeit bis zu verletzten Egos variiert. Zwischen den Textproben erklärte der Profiler die Details seines ehemaligen Berufes. „Ich versuche, die Spur hinter der Spur zu finden“, beschrieb er seinen Job. Profiler würden sich viel mit den Motiven von Tätern auseinandersetzen. Zu diesem Zweck müssen etwa manchmal ganze Tatorte nachgestellt werden, um einen besseren Einblick in die Beweggründe eines Mörders zu finden. Manchmal unterbrach sich Petermann während des Lesens, um den Realismus der Handlung zu verdeutlichen. So ging er etwa auf die verhältnismäßig geringen Schutzvorkehrungen an Tatorten in den 90er-Jahren ein. Heute in Zeiten der DNA-Analyse könne Kiefer Larsen nicht mehr so einfach einen Tatort betreten.

Trotz des hohen Spannungsgehaltes lockerte Petermann die Atmosphäre immer wieder durch trockenen Humor auf. Am Ende zeigten sich die Anwesenden zufrieden mit der Veranstaltung. Mit dem Satz „Die Lesung ist keine Arbeit, sondern Belohnung“ beendete Petermann die Lesung, nicht aber den Abend. Denn wie auch schon vor der Lesung, so nahm sich der in Oyten lebende Autor viel Zeit dafür, Bücher von Besuchern zu signieren.

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