Tanzen

In der Weltspitze angekommen

Svenja Stolz hat kürzlich bei den Irish-Dance-Weltmeisterschaften in Eindhoven die Silbermedaille gewonnen. Bei den nächsten Titelkämpfen soll für die 25-Jährige die Goldmedaille herausspringen.
09.05.2019, 18:29
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Niklas Johannson
In der Weltspitze angekommen

Die Sprünge technisch sauber ausführen ist für Svenja Stolz Grundvoraussetzung für erfolgreiche Leistungen.

Jonas Kako

Die Anspannung vor dem wichtigsten Wettkampf des Jahres ist bei Svenja Stolz riesengroß, denn vor den strengen Augen der fünf Kampfrichter muss alles sitzen - der Takt, das Timing, die Technik sowie die Ausführung der Sprünge. Die Choreografie für die World Championships of Irish Dance im niederländischen Eindhoven hat die zierliche und wortgewandte Blondine nach monatelanger Vorbereitung bis ins kleinste Detail einstudiert. Nur die Musik darf sie sich nicht aussuchen, die wird vor jedem Wettkampf zufällig von der Jury ausgewählt.

Nachdem Svenja Stolz bei den vorherigen Weltmeisterschaften in Killaney (Vorrunden-Aus), Brighton (10.) und Maastricht (6.) das Podest noch knapp verpasst hatte, fuhr sie mit größeren Erwartungen gemeinsam mit ihrer Familie nach Eindhoven. An Tag eins standen zuerst zwei Team-Wettbewerbe auf dem Programm, bei denen vier Tänzer pro Team gemeinsam auf der Bühne stehen. Stolz tanzt seit Jahren für die Duisburger Tanzschule Scoil Rince Celtus, denn in Norddeutschland ist Irish Dance nicht wirklich präsent. „Hier gibt es keine Schule, die Irish Dance wettkampfmäßig betreibt. Deshalb fahre ich vor den Wettkämpfen immer runter nach Duisburg, um mit der Mannschaft zu trainieren. Und ansonsten trainiere ich fast täglich in der Halle des TSV Achim“, erklärt Stolz. Die Strapazen haben sich gelohnt, denn die Achimerin gewann in beiden Team-Wettkämpfen je eine WM-Bronzemedaille.

Nach dem Ruhetag am Sonnabend stieg mit dem Solowettbewerb am Sonntag das Hauptevent des Wochenendes. Knapp 1000 Zuschauer waren in die Halle geströmt, um die Tänze zu sehen. 34 Teilnehmer kämpften um die WM-Krone. Nach drei Durchgängen flog die Hälfte vor dem sogenannten „Recall“ raus. Stolz zeigte sehenswerte und fast fehlerfreie Tänze und zog souverän ins große Finale ein. Sie hielt der Anspannung stand. „Mein Trainer hat mir gesagt, dass ich nach den ersten drei Runden sogar Erste war“, erinnert sich Stolz, die damit vor dem letzten Tanz die besten Karten in der Hand hielt, da die Punkte der vier Aufführungen am Ende zusammengerechnet werden.

In der Gesamtabrechnung verlor Stolz den ersten Platz dann aber an Tatjana Nesterenko. „Mein letzter Tanz war gut, aber leider nicht perfekt. Die Russin war etwas besser“, betonte die 25-Jährige und ergänzte: „Ich habe kurz über diese verpasste Chance nachgedacht, aber enttäuscht war ich überhaupt nicht. Denn mein Traum war es, unter die ersten fünf zu kommen, deshalb ist die Vizemeisterschaft schon cool.“

Für die kommenden Weltmeisterschaften, die vermutlich wieder in den Niederlanden stattfinden, bläst Stolz bereits zur Attacke: „Nächstes Mal möchte ich Weltmeister werden.“ Im November stehen aber erst noch die Deutschen Meisterschaften in Bonn an, wo sie die Topfavoritin ist.

Um dieser Rolle gerecht zu werden, wird Stolz in den kommenden Monaten wieder viele Trainingseinheiten mit Mutter Birgit absolvieren müssen. „Das Tanzen nimmt schon sehr viel Zeit in Anspruch und ist sehr anstrengend, aber es macht mir viel Spaß“, sagt Stolz, deren Liebe zum irischen Tanz übrigens nach Besuchen der Shows Riverdance und Lord of the Dance 2004 in der Bremer Stadthalle begann. „Von da an waren meine Mutter und ich infiziert“, lacht die ehrgeizige Studentin für Lehramt. „Oft passt das Studium mit dem Training ganz gut zusammen, denn vor den wichtigen Meisterschaften habe ich meistens Semesterferien“, betont sie.

Ein berufliches Standbein ist für Stolz zudem von großer Bedeutung, denn beim Irish Dance verdient sie keinen einzigen Cent und muss derzeit auch alles aus eigener Tasche bezahlen. „Es gibt kein Preisgeld, dafür fehlen uns die Medien. Mir geht es einzig und allein um den WM-Titel.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+