Friderike und Marcus Piehl berichten von Erfahrungen in Tansania

"In unserer Welt diskutieren wir sehr oft Luxusprobleme"

Oyten-Bassen. An sich ist Tansania ein reiches Land: Der größte freistehende Berg, der Kilimandscharo, thront im Nordosten des Landes, in den Weiten der Serengeti leben Millionen von Tieren, die Strände Sansibars zählen zu den schönsten Afrikas. Dennoch: "In Tansania geht es immer noch sehr oft ums nackte Überleben. In unserer westlichen Welt diskutieren wir sehr oft Luxusprobleme", sagt Pastor Marcus Piehl. Korruption, Bürgerkriege und falsche Entwicklungshilfe dämpfen die Entwicklung Tansanias dramatisch. Marcus und Friderike Piehl lebten zwei Jahre in dem ostafrikanischen Staat. Pastor Piehl bewarb sich auf eine Missionsstelle und arbeitete als Schülerpfarrer. "Die verschiedenen religiösen Strömungen müssen den Religionsunterricht selbst organisieren und personell besetzen", erzählt er. Seine Ehefrau Friderike, eine Pädagogin, arbeitete ehrenamtlich in einem Waisenheim und unterstützte den Bau einer Behinderteneinrichtung.
30.05.2012, 05:00
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Von David Rosengart
"In unserer Welt diskutieren wir sehr oft Luxusprobleme"

Friderike und Marcus Piehl berichteten im Bassener Gemeindezentrum von ihren Erfahrungen in Tansania. Zu diesem Anlass hatte das Ehepaar farbenprächtige afrikanische Gewänder angezogen.

David Rosengart

Oyten-Bassen. An sich ist Tansania ein reiches Land: Der größte freistehende Berg, der Kilimandscharo, thront im Nordosten des Landes, in den Weiten der Serengeti leben Millionen von Tieren, die Strände Sansibars zählen zu den schönsten Afrikas. Dennoch: "In Tansania geht es immer noch sehr oft ums nackte Überleben. In unserer westlichen Welt diskutieren wir sehr oft Luxusprobleme", sagt Pastor Marcus Piehl. Korruption, Bürgerkriege und falsche Entwicklungshilfe dämpfen die Entwicklung Tansanias dramatisch. Marcus und Friderike Piehl lebten zwei Jahre in dem ostafrikanischen Staat. Pastor Piehl bewarb sich auf eine Missionsstelle und arbeitete als Schülerpfarrer. "Die verschiedenen religiösen Strömungen müssen den Religionsunterricht selbst organisieren und personell besetzen", erzählt er. Seine Ehefrau Friderike, eine Pädagogin, arbeitete ehrenamtlich in einem Waisenheim und unterstützte den Bau einer Behinderteneinrichtung.

Im Rahmen der Festwoche zum 150. Jubiläum der Oytener St.-Petri-Kirchengemeinde hatte das Ehepaar Piehl ins Gemeindezentrum Bassen zu einem afrikanischen Abend eingeladen. Schnitzereien, afrikanische Tücher und Usambaraveilchen, die aus einem Gebirge Tansanias stammen, schufen eine authentische Atmosphäre. Friderike und Marcus Piehl trugen außerdem afrikanische Gewänder. Auf Suaheli, der Amtssprache der ehemaligen deutschen Kolonie, begrüßten die Teilzeitafrikaner die zahlreichen Gäste. "Der viermonatige Sprachkursus zu Beginn unseres Abenteuers war zunächst wirklich hart – ungewöhnlich, wieder die Schulbank zu drücken", erinnerte sich Friderike Piehl.

Durch zahlreiche Fotos nahm Pastor Piehl das Publikum mit auf eine Reise durch das Land der Massai, des mächtigen Kilimandscharo und einer atemberaubenden Flora und Fauna. "Wir waren bei der Einweihung einer Massai-Kirche dabei. Das war ein sehr beeindruckendes Ereignis. Gerade unsere kleine Tochter sorgte für große Aufregung – ein hellhäutiges Baby ist in so kleinen Dörfern äußerst selten", berichtet Afrika-Freund Piehl. Am Ende eines Lebensabschnitts in einem von Korruption und Armut geplagten Land bleibe vor allem eines: ein anderer Blick auf die eigene Kultur und Gesellschaft. "Wir meckern wirklich auf hohem Niveau." Die Entwicklungshilfe der westlichen Staaten verfehle oft das Ziel. "Auf der einen Seite wird Geld in die Länder gepumpt, auf der anderen Seite dürfen die Staaten nicht am Weltmarkt partizipieren. Die Bananen der EU-Länder kommen zum Beispiel immer noch aus dem französischen Überseedépartement Französisch-Guayana", kritisierte Piehl.

Als Europäer werde man in Afrika immer als potenzieller Arbeitgeber gesehen, berichtete der Seelsorger. Familie Piehl lebte in einem sehr westlich gestalteten Haus und beschäftigte einige Hausangestellte. "Das kam uns zunächst komisch vor, aber so gaben wir einigen Afrikanern Arbeit für einen adäquaten Lohn." Gebannt lauschte das Publikum den lebhaften Ausführungen. Besonderes Interesse erregte ein Besucher aus Deutschland: "Eines Tages kam ein gewisser Pedro zu uns. Der Deutsche reiste von Europa aus durch die Sahara durch ganz Afrika, und das ausschließlich mit dem Fahrrad. Und, wie das Schicksal so will, kam der Mann aus Ottersberg – so klein ist die Welt."

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