Notwendigkeit des geplantes Sportzentrums betont Jetzige Zustände "unhygienisch und nicht zumutbar"

Achim-Uesen. Am Holzzaun beim Vereinsheim hängt ein Schild: "Rasen bitte nicht betreten." Damit will der Vorstand des TSV Uesen das Grün schützen. Nicht seine Sportler. Es könnte aber auch umgekehrt sein.
10.07.2010, 04:33
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Jetzige Zustände
Von Antje Stürmann

Achim-Uesen. Am Holzzaun beim Vereinsheim hängt ein Schild: 'Rasen bitte nicht betreten.' Damit will der Vorstand des TSV Uesen das Grün schützen. Nicht seine Sportler. Es könnte aber auch umgekehrt sein. Denn das kaputt gekickte Spielfeld besteht auch nach der Sommerpause hauptsächlich aus Büscheln, Löchern und schlecht aufgegangenem Jungrasen.

'Darauf zu spielen ist eine Zumutung', meint Abteilungsleiter Hans-Jürgen Behnken. Die Fußballer benötigten schnell einen Ausweichplatz. Bleibt es beim Nein der Investoren, auf dem ehemaligen Kasernengelände ein Sportzentrum mit drei Plätzen zu bauen, wären vor allem die Fußballer und die Turner die Leidtragenden.

Sogar Altbürgermeister und Fußballfan Christoph Rippich soll bereits sein Mitleid mit den Spielern des TSV Uesen geäußert haben. Abteilungsleiter Hans-Jürgen Behnke pflichtet ihm bei: 'Rasen ist was anderes. Das hier sind Grasbüschel.'

Die Ursache für den katastrophalen Zustand der beiden Sportplätze ist klar: 'Unsere Plätze sind seit Jahren über die Maßen belegt und beansprucht', erklärt Behnken. 150 Jugendliche zwischen 5 und 18 Jahren trainieren jeweils zweimal in der Woche auf dem Rasen, zusätzlich zwei Herrenmannschaften mit je 40 Spielern. Zwei- bis dreimal die Woche bereiten sie sich auf ihre Punktspiele vor. 'Die Plätze sind mittlerweile so ruiniert, dass hier was Grundlegendes passieren muss', grollt Behnken und schließt das Tor zum Spielfeld auf.

Seit Ende Mai hat hier niemand gekickt. Sechs Wochen Sommerpause, in denen sich der Rasen regenerieren sollte. Doch das Grün sieht nach wie vor malträtiert aus. Zu kurz war die Zeit, um sich von den unzähligen Stollenschlägen zu erholen. Zu wenig Kraft hat das, was vom Rasen übrig ist oder neu gewachsen ist. An den besonders beanspruchten Stellen klaffen Löcher. 'Da fragt man sich, warum hier überhaupt was gemacht worden ist', sagt Behnken zerknirscht. Er ist überzeugt: In wenigen Tagen wird die Neuansaat wieder kaputtgespielt sein - trotz der guten Pflege durch die Mitarbeiter des Bauhofs.

'Wir brauchen endlich mehr Platz', schlussfolgert Hans-Jürgen Behnken. Fast ein Jahrzehnt haben er und seine Sportskollegen auf den dritten Platz, ein Ganzjahresspielfeld, gewartet. 'Unsere Geduld ist allmählich am Ende', grollt Behnken. Schon vor Jahren habe die Stadt die Not des TSV Uesen anerkannt. Ein zusätzlicher Kunstrasenplatz war schon im Bebauungsplan festgeschrieben, ist aber nicht realisiert worden. Grund waren die Proteste zahlreicher Anwohner der Worpsweder Straße. Sie befürchteten zusätzlichen Lärm. Drei von ihnen legten beim Landkreis Verden Widerspruch gegen dessen Genehmigung ein. Seither liegen die Eingaben dort 'auf Eis', wie der stellvertretende Fachdienstleiter Bauen, Rolf Thies, sagt.

Dafür kam 2009 der Plan auf, die alte Bundeswehrsporthalle zu sanieren und zum Sportzentrum umzubauen. Ein Plan, der auch die Mitglieder der Abteilung Turnen jubeln ließ. Seit einiger Zeit schon dürfen sie keine neuen Mitglieder mehr aufnehmen. Abteilungsleiter Herbert Eckhoff wüsste nicht, wann und wo er die Neulinge üben lassen könnte. Im Belegungsplan der Turnhalle reiht sich Montag bis Freitag von 14 oder 15 bis 22 Uhr eine Trainingsstunde an die andere - ohne eine Minute Pause dazwischen. Selbst am Sonnabend und Sonntag wird die Halle insgesamt zehneinhalb Stunden genutzt.

Hinzu kommt das Platzproblem. Weil die Grundschulhalle fürs Training zu klein ist, hat sich vor zwei Jahren die Rhönradabteilung des TSV Uesen aufgelöst. Seitdem stehen die bis zu 1500 Euro teuren Sportgeräte in der Ecke und setzen Rost an. Die Profis trainieren jetzt bei Vereinen in Walsrode und Kirchweyhe. Eine Ehemalige wurde dort sogar Weltmeisterin.

Handlungsbedarf

Handlungsbedarf besteht nach den Worten von Abteilungsleiter Herbert Eckhoff zudem bei der Technik in den Sanitärräumen. 'Diese erfüllt die hygienischen Anforderungen nicht', begründet er. Außerdem habe die Heizung schon etliche Jahre auf den inzwischen rostigen Rippen. Die dicken Glasbausteine sind vielfach kaputt und in einer der Sperrholztüren mit Plastikklinke klafft ein Loch. Mal ganz abgesehen von den unmodernen, senffarbenen Fliesen und den 'Waschtrögen'.

Wie Behnken verbindet auch Eckhoff mit den Plänen fürs neue Sportzentrum auf dem ehemaligen Kasernengelände große Hoffnung. 'In der größeren Halle könnten zwei Gruppen parallel trainieren. Wir könnten neue Angebote schaffen und eingestampfte wiederbeleben', glaubt er.

Die aktuelle Mitteilung der Investoren von der Gesellschaft 'Achimer Stadtwald', sie wollten das Sportzentrum nun doch nicht bauen, hat Hans-Jürgen Behnken auf die Palme gebracht und Eckhoff verunsichert. 'Wenn es bei der Absage bleibt, haben wir hier wieder den Status Quo mit zwei Rasenplätzen', erklärt Behnken. Die alten Pläne für ein zusätzliches Ganzjahresspielfeld auf dem jetzigen Gelände aufzuwärmen, würde womöglich erneute Anwohner-Proteste bedeuten.

Behnken und Eckhoff wollen nicht nur darauf vertrauen, dass die Stadt im Sinne der TSV-Sportler eine Lösung findet. 'Wir bemühen uns, dass das jetzige Ergebnis nicht endgültig ist', sagt Behnken und appelliert an den Bürgermeister, die Politiker und an die Investoren: 'Im Verein haben sich viele ehrenamtlich tätige Leute lange mit den Planungen fürs Sportzentrum befasst. Die würden sich veralbert fühlen, wenn das Projekt platzt.'

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