Jugendfußball

Ein gebeutelter Jahrgang

Durch die coronabedingte Zwangspause könnten Jugendspieler auf dem Weg in den Herrenbereich Probleme bekommen. Zwei A-Jugendtrainer aus der Region sorgen sich um die fehlende Spielpraxis und die Körperlichkeit.
11.04.2021, 17:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Niklas Johannson
Ein gebeutelter Jahrgang

Während für die U19 des JFV Verden/Brunsbrock das Training unter strengen Hygienemaßnahmen wieder erlaubt ist, müssen sich die A-Junioren der SG Baden/Etelsen weiterhin gedulden.

Björn Hake

Es ist schon kurios. Während die U19 der JSG Baden/Etelsen weiterhin sehnsüchtig darauf wartet, in irgendeiner Form wieder Fußball spielen zu können, sieht es bei den A-Junioren des JFV Verden/Brunsbrock ganz anders aus. Die Mannschaft von Trainer Justin Perschon steht nämlich schon seit einigen Wochen wieder auf dem Trainingsplatz – wenn auch unter strengen Hygienevorschriften. „Wir sind heilfroh, endlich wieder trainieren zu dürfen. Die Jungs haben auf diesen Moment so lange hingefiebert“, ist Perschon erleichtert.

Die Auflagen seien aber ziemlich streng. Pro Trainingseinheit dürfen nur maximal zehn Spieler auf dem Platz stehen, die Perschon dann auch noch in fünf Felder aufteilen muss. „Es können immer nur zwei Spieler miteinander spielen, die während der Einheit nicht gewechselt werden“, erklärt Perschon und fügt an: „Außerdem müssen wir alle mit Masken auf den Platz gehen. Natürlich hält sich der Spaß dadurch in Grenzen.“ Nichtsdestotrotz sei diese Form des Trainings immer noch besser, als einsame Workouts in den eigenen vier Wänden zu bewältigen. „Immerhin haben sich die Jungs über die Workouts von Pamela Reif gefreut. Auf dem Trainingsplatz kommt derzeit Fußballtennis bestens an“, scherzt Perschon.

Aufgrund der strengen Hygienemaßnahmen bietet der Nachwuchstrainer des JFV Verden/Brunsbrock montags und donnerstags zwei Trainingseinheiten an, sodass jeder Spieler einmal wöchentlich trainieren kann. Das sei immerhin etwas, damit die Jungs das Gefühl und den Spaß am Fußballspielen zurückbekommen, sagt Perschon. Dennoch fehlt den Nachwuchsspielern natürlich weiterhin das Zweikampfverhalten und die Wettkampfpraxis. Das letzte Spiel haben die A-Junioren des JFV Verden/Brunsbrock am 3. Oktober 2020 gegen die SV Drochtersen/Assel bestritten – also vor mehr als einem halben Jahr, und ein kurzfristiges Ende scheint derzeit nicht in Sicht zu sein. Durch diese langanhaltende Zwangspause könnten für viele A-Jugendspieler – insbesondere so kurz vor dem Sprung in den Herrenbereich – Probleme entstehen.

Vor allem die Spielpraxis im Herrenbereich dürfte den Nachwuchsspielern an allen Ecken und Enden fehlen, weil Trainingseinheiten und Testspiele im Seniorenbereich auf der Strecke geblieben sind. In normalen Zeiten findet bei der JSG Baden/Etelsen in der Rückrunde stets ein fließender Übergang vom A-Jugendteam in die Herrenmannschaft statt, damit sich die jungen Kicker schnellstmöglich an das Tempo und die Zweikampfhärte bei den Älteren gewöhnen können. Dieser Übergang kann derzeit wegen der Corona-Pandemie schlichtweg nicht stattfinden. „Die fehlende Spielpraxis wird aber allgemein ein Problem sein. Für meine Jungs könnte ich mir vorstellen, dass der körperbetonte Fußball im Herrenbereich schwierig werden könnte“, sagt Patrick Thiel, U19-Trainer der JSG Baden/Etelsen, und führt fort: „Aufgrund der fehlenden Körperlichkeit müssen sie dann eben mit Technik statt Kraft dagegenhalten.“

Wie schwer der Übergang in den Herrenbereich schon in normalen Zeiten gewesen ist, kann Thiel aus eigener Erfahrung berichten: „Für mich ging es damals aus der Junioren-Landesliga in die Kreisliga der Männer. Während bei den Junioren relativ schneller Fußball gespielt wurde, hieß es bei den Männern eher Kick and Rush. Damit hatte ich große Schwierigkeiten. Aber da muss jeder selbst mit klarkommen. Einige haben damit auch überhaupt keine Probleme, andere schon eher.“ Um bei den A-Junioren wenigstens den konditionellen Grundstein für die neue Saison im Herrenbereich zu legen, verlangt Thiel seinen Spielern läuferisch einiges ab. „Im März sollten die Jungs eigenständig 80 bis 100 Kilometer joggen. Das überprüfe ich über eine Running-App“, erklärt Thiel und betont: „Die Jungs wollen Landesliga spielen, dann müssen sie dafür auch was tun. Und wenn ich im Monat 100 Kilometer laufen kann, können sie das auch.“

Fussball A-junioren Niedersachsenliga

Justin Perschon.

Foto: FOCKE STRANGMANN

Mit Mika Jungmann hat Thiel einen Spieler, der den Sprung in die erste Herrenmannschaft des TSV Etelsen bereits geschafft hat. „Zwei weitere Spieler klopfen an. Die meisten wollen aber gerne in die zweite Herren gehen“, verriet Thiel. Auch aus dem A-Jugendteam des JFV Verden/Brunsbrock werden wohl zwei Talente versuchen, Erst-Herrentrainer Frank Neubarth von ihren Qualitäten zu überzeugen. Das sind laut Perschon Flügelspieler Marc Torben Rodel sowie Mittelfeldspieler Eugen Hardt. „Das ist noch nicht endgültig geplant, es steht aber aktuell im Raum, dass sie dort spielen werden“, erklärt Perschon. Die beiden werden sich dann trotz eines verpassten Spieljahres im Jugendbereich direkt in der Herren-Landesliga behaupten müssen. „Sie müssen sich physisch auf ein anderes Level einstellen und von der Fitness her aufholen“, vermutet Perschon, der zudem denkt, dass insbesondere der 2003er Jahrgang ein gebeutelter sei. „Als jüngerer Jahrgang waren sie in der vergangenen Saison noch eher Rotationsspieler, während sie in dieser Spielzeit eigentlich hätten Verantwortung übernehmen sollten, es aber leider nicht durften. Dadurch könnte es bei den Herren demnächst schwierig werden.“

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