Fußball Oberliga

„Junge Keeper geben zu früh auf“

Christian Ahlers-Ceglarek, Keeper des TB Uphusen, spricht im Interview über Konkurrenz im Tor, den neuen Trainer Achim Hollerieth sowie über die Bedeutung des Umfelds am Arenkamp.
31.01.2020, 18:41
Lesedauer: 4 Min
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„Junge Keeper geben zu früh auf“
Von Patrick Hilmes
„Junge Keeper geben zu früh auf“

Gilt als einer der besten Torhüter der Oberliga: Christian Ahlers-Ceglarek. Am liebsten hat er langweilige Spiele und dafür drei Punkte.

Björn Hake
Herr Ahlers-Ceglarek, Achim Hollerieht ist nun seit Mitte Oktober beim TB Uphusen tätig. Welchen Eindruck haben Sie vom neuen Coach?

Christian Ahlers-Ceglarek: Er ist sehr professionell, hat selbst hoch gespielt und bringt daher eine gewisse Einstellung mit, die er auch von allen anderen verlangt. Ich glaube, dass das langsam alles anfängt Früchte zu tragen. Wir haben eine klare Spielidee und wollen eindeutig über die Physis kommen. Wir haben in den letzten Wochen hart gearbeitet. Wir wollen nicht unbedingt anders Fußball spielen, wollen aber physisch stärker werden, um da unten mit aller Kraft rauszukommen.

Inwiefern unterscheidet er sich von Vorgänger Fabrizio Muzzicato?

Der größte Unterschied ist seine Ansprache, sie ist ein bisschen härter. Das ist auch mal ganz gut, wenn man einen zwischen die Hörner bekommt. Das schadet nicht und auch bei der heutigen Generation ist das mal angebracht (lacht).

Es wurde ein Trainer gesucht, der die Spieler nicht kennt, einer, der nach Leistung und nicht nach persönlichen Beziehungen aufstellt...

Es ist nicht so, dass bei Fabrizio nun alles schlecht war, weil wir uns seit zehn Jahren kennen. Mit vielen Jungs spiele ich schon lange zusammen. Ist das gut, ist das nicht gut? Das weiß man immer erst hinterher. Nun ist die Distanz da und das ist normal, da Achim von außerhalb kommt – das ist auch okay so. Irgendwo sollte immer die Distanz gewahrt werden. Er ist ja auch unser Chef, da ist nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen, das ist normal.

Normal ist beinahe schon auch ein Umbruch beim TBU zur Winterpause. War der jetzige aus Ihrer Sicht vonnöten?

Wir mussten zwangsläufig etwas tun, auch weil wir die letzten Spiele mit zwölf, 13 Feldspielern bestritten haben. Das ist für eine Oberliga-Mannschaft nicht würdig. Uns sind nun mal mit Sebastian Kmiec, Dennis Janssen und Kerem Saham sowie im Winter Rilind Neziri Spieler weggebrochen, die weh tun. Daher war es schon irgendwo vonnöten.

Ist eine Art Aufbruchstimmung zu verspüren?

Die Stimmung ist gut. Es sind viele junge Leute dabei, die ordentlich Gas geben. Jetzt gehen wir in die Feinabstimmung und sind guter Dinge für die restliche Saison.

Der TBU befindet sich wieder einmal im Abstiegskampf. Hatten Sie vor der Saison damit gerechnet?

Es ist immer schwierig in dieser Liga. Das zeigt auch, wie eng die Tabelle wieder ist. Gewinnen wir das letzte Spiel in Tündern, schließen wir die Hinrunde auf Platz neun ab und alle sagen: Haken dran, super Hinrunde. Aber auch das hätte getrübt. Es gibt keine Laufkundschaft, die Konstanz ist halt wichtig.

Und die wird in Uphusen vergeblich gesucht. Nicht einmal gelangen zwei Siege in Folge. Ist die Mannschaft zu schnell zufrieden?

Wir haben das schon oft besprochen. Es ist einfach ein Phänomen. Es ist einfach gesagt, dass wir denken würden, wir wären die Geilsten. Aber das kann ich so nicht stehen lassen, das ist nicht so.

Es heißt, der Kader sei eigentlich zu gut für den Abstiegskampf. Doch das heißt es bereits seit zwei Jahren...

Es steht außer Frage, dass wir alle kicken können. Ich sage aber, oftmals schlägt Mentalität Qualität. Dann sind wir wieder bei dem Thema, ob wir nach einem Sieg zu satt sind. Ich glaube einfach, dass es mittlerweile alle verstanden haben, dass es nirgendwo in dieser Liga so geht. Die Qualität ist aber definitiv vorhanden.

Kommen wir zu Ihnen: Im Spiel gegen den Heeslinger SC Anfang Dezember standen Sie quasi alleine auf dem Feld. Machen solche Spiele besonders Spaß oder fühlt man sich als Torwart von seinen Vorderleuten im Stich gelassen?

Das ist mein Job und wenn es mal so gut klappt wie in Heeslingen, ist das cool. Aber am Ende verlieren wir durch so ein Eier-Ding 0:1. Da friere ich lieber 90 Minuten und wir gewinnen 1:0. Da habe ich mehr von. Ich habe gerne einen langweiligen Tag und wir holen drei Punkte.

Spielt für Sie das Umfeld eine Rolle bezüglich Vereinsgefühl, Motivation et cetera? Bei Vereinen wie Atlas Delmenhorst wird das Umfeld immer wieder in den Vordergrund gerückt.

Für mich spielt das überhaupt keine Rolle. Wenn ich spiele, will ich gewinnen. Dann ist mir egal, ob da 1000, 2000, 8000 oder 100 Zuschauer stehen. Letztendlich sind wir auch selbst dafür verantwortlich, wie viele nach Uphusen kommen. Ich glaube, wenn wir mal vier, fünf, sechs, sieben Spiele in Folge gewinnen und was Gutes anbieten, dann kommen die Leute von alleine. Und wenn man Kack-Spiele abliefert, dann muss man damit rechnen, dass die Leute sich für das nächste Wochenende was anderes aussuchen.

Sie sind mittlerweile 35 Jahre. Was sind Ihre Zukunftspläne?

Ich schaue nach der Saison, was der Körper sagt. Im Moment ist alles gut. Aber wir haben eine schulpflichtige Tochter und einen etwas jüngeren Sohn. Irgendwann sind wir auf die Schulferien angewiesen und ich bin nicht der Typ, der zweimal mitten in der Saison in Urlaub fährt. Das habe ich seit 30 Jahren nicht einmal gemacht. Meine Familie muss eh schon auf viel verzichten, irgendwann muss man auch selbst mal zurückstecken.

Reizt Sie eventuell nochmal die Regionalliga?

Um Gottes Willen (lacht). Nein, das ist utopisch. Da muss schon einiges passieren, dass ich so etwas noch mal mache. Das wäre sicherlich eine reizvolle Aufgabe, aber das ist unrealistisch.

In den zwei Jahren beim TBU haben sich zwei junge Keeper verabschiedet, die nicht an Ihnen vorbeikamen. Was raten sie Torhütern in solchen Situationen?

Sie geben zu früh auf. Auf der Bank sitzt man nur einmal am Wochenende, aber man hat drei- viermal richtig ordentliches, intensives Training. Das bringt einen weiter, als in einer unteren Klasse immer zu spielen. Man muss sich nur Sven Ulreich anschauen. Bei Stuttgart war er lange nicht so stark wie jetzt, obwohl er zwei Jahre nur trainiert hat. Aber wenn du ständig bei einer Mannschaft wie Bayern mit so eine hohen Qualität trainierst, dann wirst du automatisch besser. Das ist wie mit Ex-Profis, die irgendwann in die Kreisliga gehen – irgendwann haben die sich angepasst.

Ihr jetziger Trainer war ebenfalls kein schlechter Keeper. Hat er Ihnen Tipps gegeben?

Noch nicht, kann er mir aber gerne mal geben (lacht).

Das Interview führte Patrick Hilmes.

Info

Zur Person

Christian Ahlers-Ceglarek (35)

ist seit nun zwei Jahren Keeper des Fußball-Oberligisten TB Uphusen und gilt als einer der besten Torhüter der Liga. Zuvor spielte „Zecke“ für den Bremer SV, BSV Rehden, FC Oberneuland und Brinkumer SV.

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