Richter in Elternzeit löst dreimonatige Verhandlungspause aus Justitia nimmt in Achim Erziehungsurlaub

Achim. Weil ein Richter in Achim einen dreimonatigen Erziehungsurlaub antritt, haben Strafsachen dort ein Vierteljahr Verhandlungspause. Eigentlich sollen Mitarbeiter in Elternzeit ersetzt werden - aber grau ist alle Theorie.
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Justitia nimmt in Achim Erziehungsurlaub
Von Ralf Michel

Achim. Im Hause eines Justizmitarbeiters in Achim hat es Nachwuchs gegeben. Was naturgemäß für viel Freude sorgt. In erster Linie natürlich beim frischgebackenen Vater und seiner Frau, aber ebenso in ihrer Familie, im Freundes- und Bekanntenkreis sowie bei den Kollegen. Dass die Freude in diesem Fall aber noch einen weit größeren Personenkreis umfasst, nämlich die gesamte Ganovenschaft in Achim und umzu, liegt am Beruf des Mannes. Er ist nämlich Richter am Amtsgericht in Achim.

Und hat sich gerade dafür entschieden, drei Monate lang Gerichtssaal und Gesetzbücher gegen Kinderzimmer und Windeln zu tauschen. Sehr zur Freude all derer, die dem Richter sonst an dessen Arbeitsplatz begegnet wären. Denn so lange er in Elternzeit ist, haben Strafsachen am Amtsgericht Achim Verhandlungspause.

Theoretisch sollten Väter und Mütter, die Erziehungsurlaub nehmen, an ihrem Arbeitsplatz ersetzt werden. Doch grau ist alle Theorie, wenn es um den klammen Haushalt des Landes Niedersachsen geht. „Um solche Vakanzen zu überbrücken, haben wir kein Personal“, erklärt Katharina Krützfeldt, Pressesprecherin am Landgericht Verden, und hebt auf die vergleichsweise kurze Elternzeit ab: Drei Monate seien ein Zeitraum, der im Zuge der allgemeinen Sparmaßnahmen intern überbrückt werden müsse.

Eben dies geschehe in Achim, habe aber Grenzen, erklärt hierzu Amtsgerichtsdirektorin Sabine Reinecke. Alle eingehenden Angelegenheiten im Zuständigkeitsbereich des abwesenden Richters seien unter seinen fünf Kollegen aufgeteilt worden, würden ordnungsgemäß bearbeitet und so weit wie möglich in Gang gehalten. Das Ende der (personellen) Fahnenstange sei aber erreicht, wenn es um die Sitzungsvertretung gehe. Die sei mit fünf Richtern nicht zu schaffen. Schließlich hätte jeder von ihnen ein eigenes Dezernat inklusive eines gut gefüllten Terminkalenders.

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