Kirchenführung

Entdeckungen in alten Mauern – unter diesem Motto waren Achimer Kinder eingeladen, einen Vormittag lang die St.-Laurentius-Kirche zu besuchen. Pastorin Marina Kortjohann zeigte den Lütten den Altar und erzählte spannende Geschichten über die Kanzel und das historische Taufbecken. Letzteres stand für viele Jahre in der Kirche Oyten. Außerdem waren die Mädchen und Jungen zum Orgelspielen eingeladen und durften, was sonst nur der Küster darf: über steile hölzerne Treppen den Turm besteigen und die Glocken aus nächster Nähe betrachten.VON CHRISTIAN BUTT
04.08.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Entdeckungen in alten Mauern – unter diesem Motto waren Achimer Kinder eingeladen, einen Vormittag lang die St.-Laurentius-Kirche zu besuchen. Pastorin Marina Kortjohann zeigte den Lütten den Altar und erzählte spannende Geschichten über die Kanzel und das historische Taufbecken. Letzteres stand für viele Jahre in der Kirche Oyten. Außerdem waren die Mädchen und Jungen zum Orgelspielen eingeladen und durften, was sonst nur der Küster darf: über steile hölzerne Treppen den Turm besteigen und die Glocken aus nächster Nähe betrachten.VON CHRISTIAN BUTT

Achim. Erstaunlich, welch spannenden Geschichten es während eines Rundgangs durch die St.-Laurentius-Kirche zu hören gibt. Das mag sich so mancher von neuen Teilnehmern einer Ferienspaß-Führung gedacht haben. Kein Wunder, der Kirchenbau ist das älteste Gebäude der Stadt Achim und wurde vor über 750 Jahren erstmals urkundlich erwähnt.

Mit Kerzen in den Händen und einen Kanon singend zogen die Kinder, angeführt von Pastorin Marina Kortjohann, im Pilgerschritt langsam durch die Bankreihen in die Kirche ein. Erst vor dem Altar kam die Gruppe zum Stehen. Hier bildeten sie einen Sitzkreis mit den Betreuern.

Während Namensschilder gebastelt wurden, erzählten die Kinder über ihren Bezug zur Kirche. Den Anfang machte aber die Pastorin: "Ich arbeite hier in der Kirche, bei Gottesdiensten, Taufen und Hochzeiten", erzählte die 56-Jährige. Auch ihr Privatleben ist Eng mit der Gemeinde verbunden. "Hier in St.-Laurentius habe ich meinen Mann geheiratet und mein Kind wurde hier getauft", so Marina Kortjohann. In dem Achimer Gotteshaus wurde Eynn aus Uesen getauft. Jolina ist auch schon oft in der Kirche gewesen, "denn ich war schon oft zum Singen hier", erzählt die Achtjährige. "Ich bin hier getauft. Bei Frau Pop singe ich im Kinderchor und beim Krippenspiel und einem Musical habe ich auch schon mitgemacht", listet die siebenjährige Emma auf.

Dann führte die Pastorin die Lütten durch das Kirchenschiff. "Wir sprechen von einem Kirchenschiff, weil man sich hier so geborgen fühlt, wie in einem Schiff auf hoher See", sagt Marina Kortjohann. Sie führte die Kinder zu einer Statue im Seitenschiff. "Das ist St. Laurentius, nach ihm ist unsere Gemeinde benannt", so die Pastorin. Der Legende nach war Laurentius in Rom für die Verwaltung des Kirchenvermögens zuständig. Ein Bote forderte ihn auf, binnen drei Tagen die Kirchenschätze dem Kaiser zu überlassen. Daraufhin verteilte Laurentius das Vermögen an die armen und kranken Mitglieder der Gemeinde und präsentierte sie als den wahren Reichtum der Kirche dem Kaiser. Dieser ließ Laurentius foltern und qualvoll hinrichten.

Über steile Treppen auf Glockenturm

Eine Geschichte konnte die Pastorin auch zum Taufbecken – eigentlich ist es sogar ein Taufstein– erzählen. "Früher war sie Kirche immer sehr voll. Deshalb meinten die Kirchgänger irgendwann, dass der Taufstein im Weg ist und haben ihn nach Draußen vor das Küsterhaus gestellt und die Pferde haben manchmal aus ihm getrunken", erzählte Kortjohann. Dann wurde in Oyten eine neue Kirche errichtet. und die Achimer haben ihren Taufstein an die neue Gemeinde verschenkt. "Doch dann vor über 80 Jahren haben sich die Achimer gedacht, "was waren wir dumm, jetzt haben wir unser bestes Stück nach Oyten gegeben. Den der Taufstein ist älter als das Mauerwerk Drumherum", so die Pastorin. Nach ihren berichten haben die Achimer in Oyten angefragt, ob sie das historische Stück wieder zurück bekommen könnten. Gegen ein neues Taufbecken, das 1933 erworben wurde, kam das Taufbecken dann wieder zurück an den ursprünglichen Ort.

Anschließend wollte Marina Kortjohann von den Kindern wissen, was es mit der Kanzel auf sich hat. "Da oben wird die Predigt gehalten", wusste Emma. "Früher gab es keine Mikrofone, deswegen musste der Pastor höher als alle anderen sein, damit ihn alle verstehen können", erklärt die Pastorin. Die bunt verzierte Kanzel stammt übrigens nicht aus der Zeit des Kirchenbaus. "Im 30-jährigen Krieg übernachteten Soldaten in der Kirche. Sie zertrümmerten nicht nur die Bänke, sondern auch die Kanzel. Diese wurde als Brennholz benutzt. "Wohlhabende Achimer schenkten im Jahr 1631, trotz Kriegswirren und großer Armut, der Gemeinde eine neue Kanzel.

Nach dieser Geschichtsstunde konnten die Kinder anschließend die Orgel unter die Lupe nehmen. Zum Abschluss durften sie in den Glockenturm steigen. Dazu musste die Gruppe über steile und enge Treppen nach oben steigen. In luftiger Höhe angekommen, zeigten sich die Kinder fasziniert von den tonnenschweren Glocken, die durch die schmalen Luftschlitze von unten recht klein wirken.

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