Kinderhaus Embsen

Kita statt Wohnung

Die zum Kinderhaus Embsen gehörende Wohnung steht seit geraumer Zeit leer. Die SPD/Mindermann-Gruppe regt daher an, die Räume zukünftig als Kita zu nutzen. Die Verwaltung rät davon allerdings ab.
13.02.2020, 05:31
Lesedauer: 2 Min
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Kita statt Wohnung
Von Elina Hoepken
Kita statt Wohnung

Um die Wohnung über dem Kinderhaus Embsen als Kita nutzen zu können, wären laut Verwaltung erhebliche Umbaumaßnahmen notwendig.

Björn Hake

Eine komplette Kernsanierung hat die zum Kinderhaus an der Breiten Straße in Embsen gehörende Wohnung hinter sich – inklusive eines neuen Bodens, einer neuen Heizung, einer neuen Küche und eines neuen Anstrichs. Dennoch steht die Wohnung, die sich im Besitz der Stadt Achim befindet, seit geraumer Zeit leer. Das wiederum hat die Achimer SPD-Fraktion auf den Plan gerufen und zu der Idee veranlasst, die Räumlichkeiten zu nutzen, um dort eine zusätzliche Krippe einzurichten.

„Aufgrund der mangelnden und nicht befriedigenden Rechtsansprüche im Kitabreich sieht die SPD/Mindermann Gruppe die Chance, diese freistehende Wohnung für weitere Kitagruppen umzunutzen und somit weitere Kitaplätze zu schaffen“, schreibt die Gruppe in einer Anfrage an die Verwaltung. Diese sollte demnach prüfen, ob die Räume dafür geeignet sind, wie viele Gruppen dadurch geschaffen werden könnten und welche Kosten mit einem nötigen Umbau einhergehen würden.

Ernüchterndes Ergebnis

Die Prüfung der Verwaltung für das Vorhaben ist allerdings eher ernüchternd. Diese rät nämlich von einer Nutzung der Räume als Kita ab. „Die Prüfung, ob in der Wohnung Breite Straße 7 in Embsen eine Krippe eingerichtet werden kann, hat ergeben, dass diese Wohnung ungeeignet ist“, schreibt die Verwaltung in ihrer Antwort ganz deutlich. Diese Einschätzung wiederholte die zuständige Fachbereichsleiterin Wiltrud Ysker auch in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses noch einmal. „Wir ringen natürlich alle um Möglichkeiten für zusätzliche Kitaplätze“, sagte sie. Die Wohnung erstrecke sich jedoch über zwei Etagen und sei daher keine sinnvolle Alternative.

Die Funktionsräume befinden sich demnach aktuell im Erdgeschoss und die Wohnräume im Obergeschoss. „Um eine Betriebsgenehmigung erlangen zu können, müssten zwingend ein Sanitärbereich mit Wickelmöglichkeit, ein Gruppenraum mit mindestens 45 Quadratmetern, ein Schlafraum, Küche, Büro mit Mitarbeiterecke sowie eine zweite Fluchttreppe vorgehalten werden“, zählt die Verwaltung auf. Nur mit erheblichem Aufwand könne die Wohnung also so umgebaut werden, dass sie für eine Krippengruppe genehmigungsfähig wäre. Zu viel Aufwand, wie die Verwaltung, aber auch Teile der Politik finden. „Wir würden hier ein Fass ohne Boden aufmachen“, prognostizierte Karl Heinz Lichter.

Kontingent für Obdachlose

Neben den notwendigen Umbauarbeiten gibt es aus Sicht der Verwaltung allerdings auch noch ein weiteres Problem. Die Wohnung stehe derzeit zwar leer, aber sie sei Teil eines gesetzlich vorgeschriebenen Kontingents, das die Stadt für Katastrophen- oder Brandopfer, Aussiedler, Obdachlose oder Zugewanderte, die ihre Familien im Rahmen des Familiennachzuges nachziehen lassen und von Obdachlosigkeit bedroht sind, vorhalten muss. „Grundsätzlich verfügt die Stadt Achim über wenig räumliche Möglichkeiten, Obdach zu gewähren. Besonders für Familien fehlen entsprechende Wohnungen“, teilt die Verwaltung mit. „Sind Kinder betroffen, hat die Stadt eine besondere Verantwortung. Für diese besondere Zielgruppe wurde diese Wohnung hergerichtet und wird dafür vorgehalten.“

Ganz zufrieden zeigte die SPD/Mindermann-Gruppe in der Sozialausschusssitzung mit den Ausführungen der Verwaltung allerdings nicht. „Wir brauchen noch mehr Substanz“, forderte Paul Brandt. „Bisher haben wir noch keine Zahlen, was der Umbau tatsächlich kosten würde und wie unverhältnismäßig es wirklich wäre.“ Die Verwaltung sagte daraufhin zu, eine grobe Kosteneinschätzung nachzureichen.

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