Ottersberg

Krähenkolonie nervt die Anwohner

Ottersberg. Krähen bauen im Flecken Ottersberg fleißig Nester. Sie sind sehr kommunikationsfreudig und rauben einigen Anwohnern mit ihren Lauten den letzten Nerv.
14.04.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Krähenkolonie nervt die Anwohner
Von Uwe Dammann

Ottersberg. Als sozial lebende Art ist die Saatkrähe sehr ruffreudig und verfügt über eine Vielzahl von Lautäußerungen. Häufigster Laut ist das "Kah" oder "Krah", das recht variabel klingen kann; häufig wird es beim rituellen Verbeugen sich begrüßender Partner eingesetzt. So liest sich die fachliche Beschreibung für die Saatkrähe, die nun auch im Flecken Ottersberg fleißig Nester baut und einigen Anwohnern den letzten Nerv raubt.

Die Saatkrähen und die Probleme mit Anwohnern, sind nicht nur in Achim ein Dauerthema, sondern entwickeln sich auch in Ottersberg immer mehr zum Ärgernis. "In aggressiven Situationen ist dieser Laut der Saatkrähen länger und höher: "krääääh", erfährt der Leser eines Bionachschlagewerkes. Auch die Jungvögel und Nestlinge rufen sehr laut, sie quietschen hörbar. Später hört man von ihnen ein durchdringendes "Rrrah". Diese Beschreibung können die Anwohner der rund 20 Nester am Ottersberger Gymnasium in der Nähe der Wümme nur bestätigen.

Laut ist es hier in der Tat, wenn die Rabenvögel zumeist eine Stunde vor Sonnenaufgang damit beginnen, ihre Nester zu bauen oder Nahrung herbeizuschaffen. Feierabend machen die Vögel erst spät am Abend. Da sie obendrein sehr gesellig sind und ihre Nacht gemeinsam auf den Schlafbäumen verbringen, ist hier bis in den Abend eine Menge los, berichtet Karlheinz Flau, der von seinem Fenster aus die Saatkrähenkolonie genau im Blick hat. "Im Frühjahr vor einem Jahr waren es fünf Nester, jetzt sind es 20", sagt Flau und befürchtet, dass sich die Saatkrähen weiter rasant ausbreiten. Einige Anlieger haben sich bei der Gemeinde beschwert und hoffen auf Hilfe. "Aber uns sind da die Hände gebunden. Wir können da nichts machen, da die Saatkrähen unter Schutz stehen", sagt Amtsleiter Ralf Schack. Er habe zwar Verständnis für die Probleme der Anwohner, aber so ohne Weiteres dürfe man die Vögel nicht vertreiben, "auch wenn der Krach und der ätzende Kot wirklich eine Zumutung sind", so Schack. Er verweist auf die Erfahrungen und langanhaltenden Auseinandersetzungen bei der Vertreibung der Krähen, die in Achim gemacht wurden.

Hier ist die Thematik ein Dauerbrenner: Wie mehrfach berichtet, hatten sich rund 100 Anwohner der Verdener Straße in Achim beim Landkreis Verden um eine Ausnahmegenehmigung bemüht, um zumindest einige der Vögel aus ihrer Nachbarschaft verscheuchen zu dürfen. In der Klage der Anlieger ging es darum, das Verbot, die Krähen zu vergrämen (vertreiben), für bestimmte Bereiche zu lockern. Da die lokale Population der Krähen insgesamt in der Stadt Achim nicht beeinträchtigt war, durften hier einige Anwohner zur Selbsthilfe greifen. Ob das allerdings in Ottersberg auch möglich ist, bleibt abzuwarten. Anwohner Karlheinz Flau würde sich eine spontane "Vergrämungsaktion" wünschen. "Ansonsten haben wir hier im nächsten Jahr 40 Nester", befürchtet Flau.

Ministerium verweist auf Einzelfälle

Das Niedersächsische Umweltministerium hat indes den zuständigen Unteren Naturschutzbehörden empfohlen, eine entsprechende Befreiuung von dem Verbot zu erteilen, wenn die Saatkrähen im Einzelfall wegen des Lärms und der Verschmutzung eine unzumutbare Belastung für die Bevölkerung darstellen. "Im Rahmen dieser Befreiung soll dem Antragsteller erlaubt werden, die Bevölkerung belastender Teilkolonien vor Beginn der Brutzeit zu beseitigen. Technisch ist das durch mehrfach zu wiederholendes Ausspritzen der Nester möglich", schreibt Heinz Düttmann in einer schriftlichen Stellungnahme des Ministeriums an die Unterne Naturschutzbehörde im Landkreis Verden und bezieht sich damit auf die Brutkolonie Am Oertel in Achim. Hier sei die Population insgesamt nicht gefährdet. "Die Vögel werden lediglich gezwungen, sich an weniger sensiblen Stellen anzusiedeln", so Düetmann.

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