Aus Eifersucht verprügelt ein Mann seine Frau mit einem Besenstiel / Neun Monate auf Bewährung Kuchen ist Anlass für Misshandlungen

Weil er seine Ehefrau mit einem Besenstiel geschlagen und sie auch eingesperrt haben soll, musste sich jetzt ein Mann aus Achim-Baden vor dem Amtsgericht in Achim verantworten. Das Gericht sah am Ende der Verhandlung die Tat als erwiesen an und verurteilte den Mann zu neun Monaten Freiheitsstrafe, die zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt wird. Zudem muss der Täter eine Geldsumme an das SOS-Mütterzentrum zahlen.
27.03.2013, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Weil er seine Ehefrau mit einem Besenstiel geschlagen und sie auch eingesperrt haben soll, musste sich jetzt ein Mann aus Achim-Baden vor dem Amtsgericht in Achim verantworten. Das Gericht sah am Ende der Verhandlung die Tat als erwiesen an und verurteilte den Mann zu neun Monaten Freiheitsstrafe, die zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt wird. Zudem muss der Täter eine Geldsumme an das SOS-Mütterzentrum zahlen.

VON IMKE MOLKEWEHRUM

Achim. Dem 52-jährigen Angeklagten wurde zur Last gelegt, im November 2012 seine 27-jährige Ehefrau über einen Zeitraum von fünf Tagen körperlich misshandelt und eingesperrt zu haben. Die Mutter zweier Kinder habe dabei an den Oberschenkeln Hämatome davongetragen.

Darüber hinaus – so hieß es in der Anklageschrift – habe der gebürtige Türke seine Frau und seine Kinder in der Wohnung eingeschlossen und ihr das Handy weggenommen, so dass sie keine Hilfe habe rufen können.

Den Text des Schriftstücks der Staatsanwaltschaft las ein Übersetzer dem Angeklagten auf Türkisch vor, bevor der dazu Stellung nahm. Mit einer Entschuldigung bei seiner Ehefrau leitete der 52-Jährige seine Aussage ein und gestand, dass er seine Partnerin tatsächlich mit einem Besenstiel angegangen sei. Hintergrund hierfür sei gewesen, dass sie die zwei- und vierjährigen Kinder des Paares wiederholt geschlagen habe.

Zudem habe sie – auch über das Internet – Beziehungen zu mehreren Männern gepflegt und sei untreu gewesen. Er selbst sei am 5. November am Telefon "von einem Typen beschuldigt worden, Potenzprobleme zu haben". Seine Frau sei damals mit den Kindern im Schlafzimmer gewesen und "hat versucht, ein Kind zu würgen", um es zur Ruhe zu bringen. Er habe daraufhin mit dem Besenstiel auf die Oberschenkel seiner Frau eingehauen. Der Stiel sei aber an der Stuhllehne zerborsten – nicht auf dem Körper. "Sie hat mich dazu provoziert, aber ich weiß, dass man kein Recht hat, jemandem weh zu tun – das ist mir bewusst." Ins Gesicht habe er sie nicht geschlagen, und er habe sich hinterher "für seinen Fehler entschuldigt, weil ich mich schuldig gefühlt habe".

Angeklagter streitet Tat ab

Eingesperrt habe er die Familie aber zu keinem Zeitpunkt, versicherte der Angeklagte. "Das ist eine große Lüge." Schließlich habe seine Gattin auch die Kinder in den Kindergarten gebracht und später wieder abgeholt. "Da kann man ja nachfragen." Er habe seiner Frau lediglich das internetfähige Handy weggenommen. Zudem sei er fünf Tage nach der Tat sogar mit ihr gemeinsam einkaufen gegangen. Dabei sei es allerdings erneut zum Streit gekommen, räumte der Beschuldigte ein. Bei der Hochzeit habe sie 60 Kilogramm gewogen, jetzt wiege sie dagegen 100 Kilo. "Ich habe sie immer ermahnt abzunehmen, sie hat trotzdem einen Käse mit zu viel Fett kaufen wollen, und darüber haben wir uns gestritten." Den Käse habe die Ehefrau daraufhin weggeschleudert und sei aus dem Geschäft gelaufen. Als er schließlich nach Hause gekommen sei, "kam ich nicht mehr in die Wohnung, und dann kam auch schon die Polizei".

Die Geschädigte "hatte sich von innen eingeschlossen" und habe ins Frauenhaus gewollt, erklärte eine Polizeibeamtin im Zeugenstand. Man habe sie dann auf die Wache mitgenommen und Aufnahmen von den Hämatomen erstellt.

Im Lauf der Verhandlung kristallisierte sich heraus, dass der 52-jährige Angeklagte seine Frau zwar misshandelt, die Familie aber offensichtlich nicht in der Wohnung eingesperrt hat. Auch seine Partnerin bestätigte, dass sie zum Kindergarten gehen konnte. Sie habe sich letztlich aber mit den Kindern in der Wohnung verbarrikadiert und die Polizei gerufen, weil ihr Mann sie nach dem Einkauf auf offener Straße habe schlagen wollen, erklärte die Geschädigte.

Den Tathergang am 5. November schilderte sie anders als ihr Mann. Anlass für die Misshandlung mit dem Besenstiel sei gewesen, dass ein Nachbar, dem sie einen Kuchen gebracht hatte, gegen 23 Uhr den Teller zurückgegeben hat. "Darüber hat er sich aufgeregt" und ihr eine Ohrfeige gegeben.

Sie habe dann die Tochter in eine anderes Zimmer gebracht und mit ihm am Tisch geredet. Er habe sie angeschrien, nach dem Besen gegriffen und auf sie eingeschlagen. Selbst als der Stiel abgebrochen sei, habe er weitergemacht. Danach habe sie sich im Bad eingeschlossen. Der Angeklagte habe sich später entschuldigt und reden wollen, so das Opfer.

Mutter hat Kinder geschlagen

Sie selbst habe ihre Kinder tatsächlich oft geschlagen und wegen Überforderung das Jugendamt aufgesucht, räumte die 27-Jährige ein, an diesem Tag habe sie ihr Kind aber nicht gewürgt. "Das war nicht der Ablauf des Tages." "Der Grund war der Kuchen?", fragte Richter Heiko Halbfas. "Ja", erwiderte die Gattin.

Der Angeklagte versuchte noch, dem Richter Briefe seiner Frau zu übergeben, in denen sie angeblich ihre Aggressionen und mangelnde Liebe zu den Kinder schildert. Der Strafrichter blockte das aber vehement ab: "Ich werde diese Briefe jetzt nicht entgegen nehmen. Die Sache ist aus meiner Sicht jetzt geklärt."

Verurteilt wurde der Angeklagte schließlich zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt ist. Zudem muss er 300 Euro in zehn Raten an das SOS-Mütterzentrum Bremen zahlen. "Die Sozialprognose sei positiv, da das Opfer und der Beschuldigte schon nicht mehr zusammenleben und der Angeklagte "in der Tat kein Krimineller ist", so der Richter. Eifersucht wegen eines zurückgegebenen Kuchentellers könne aber kein Grund sein, seine Frau zu schlagen, betonte Halbfas. Dadurch kuriere man auch mitnichten die Gewalt der Frau gegen die Kinder.

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