Veränderte Rahmenbedingungen

Kunstrasenplatz auf dem Prüfstand

Die Debatten um ein mögliches Verbot von Plätzen mit Gummigranulat schlagen hohe Wellen. In Achim beeinflussen sie die Planungen des neuen Allwetterplatzes. Erste Alternativen sind schon gefunden worden.
01.08.2019, 06:29
Lesedauer: 3 Min
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Von Nico Brunetti
Kunstrasenplatz auf dem Prüfstand

Da ein mögliches EU-Verbot von Gummigranulat auf Kunstrasenplätzen im Raum steht, bemüht sich die Stadt Achim um Alternativen.

Fredrik von Erichsen/dpa

Seit Längerem ist klar: Der Kunstrasenplatz in Achim soll kommen – für insgesamt 950 000 Euro, die in der Haushaltsplanung für die Jahre 2019 und 2020 eingestellt worden sind. Der bereits beschlossene Bau wird nun aber doch noch einmal zwangsläufig Thema für die Politiker, wenn am 30. September ab 17 Uhr der Sport- und Kulturausschuss der Stadt Achim öffentlich im Rathaus tagt.

Hintergrund sind die aktuell auf höchster Ebene geführten Diskussionen, die zur Folge haben könnten, dass Kunstrasenplätze mit Gummigranulat aus Umweltschutzgründen von der Kommission der Europäischen Union in der Zukunft verboten werden. Deutschlandweit wären davon rund 5000 Plätze betroffen. Im Gespräch ist ein Verbot ab 2022, eventuell mit einer Übergangsfrist bis 2028.

Bisher Mikroplastik vorgesehen

Und weil der ursprünglich angedachte Allwetterplatz in Achim das sogenannte Mikroplastik enthalten sollte, sind nun also neue Rahmenbedingungen gegeben. Inwiefern die Auswirkungen auf den Beschluss von November 2018 haben könnten, ist noch nicht ganz geklärt. Wenn es nach Steffen Zorn, Fachbereichsleiter Bauen und Stadtentwicklung der Stadt Achim, geht, wird daran aber nicht mehr gerüttelt.

„Wir haben schon noch vor, das Projekt zu realisieren und wollen im nächsten Jahr baulich tätig werden. Ich hoffe aus Sicht des Sports, dass wir trotzdem noch das Go bekommen“, sagt er. Dabei versichert Zorn, sich den Diskussionen übers verwendete Material zu stellen. „Wir wären schlecht beraten, das bei unseren Überlegungen blind zu ignorieren. Wir stehen vor einer ewigen Investitionsentscheidung und müssen verantwortungsvoll mit den Geldern umgehen.“

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Im Umkehrschluss bedeutet das ein Verwerfen des bisherigen Planes, was die Materialwahl angeht. Denn eine schnelle und verlässliche Aussage bei dieser Thematik ist nicht zu erwarten, haben sich zuletzt doch auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Europäische Fußball-Union (UEFA) eingeschaltet.

Die Verbände fordern Untersuchungen hinsichtlich der Bewertung des Gummigranulats. Aus ihrer Sicht gebe es derzeit nicht ausreichend Beweise für Gefahren dieser Substanzen für die Umwelt. Mutmaßlich wird es endgültige Entscheidungen in naher Zukunft also kaum geben können. Das haben die Planer der Stadt Achim mit Blick auf den gewünschten Kunstrasenplatz natürlich im Hinterkopf.

Alternativen gefunden

„Wir versuchen, die berechtigten Interessen des Umwelt- und Ressourcenschutzes mit den sportlichen Interessen in Einklang zu bringen. Deshalb gilt es, Alternativen zu suchen“, betont Zorn. Das sei auch „glücklicherweise“ (Zorn) ohne Weiteres möglich, denn mitten im Planungsprozess käme das Thema „spät, aber gerade noch rechtzeitig“ auf den Tisch. Erste Ideen sind auch schon gesammelt worden. „Sand oder Kork?“ statt Mikroplastik sei demzufolge momentan eine der zentralen Fragen. „Meine persönliche Meinung geht Richtung Sand“, erklärt Zorn.

Welche der in Betracht gezogenen Varianten letztlich aber das Rennen macht, hängt aber sicherlich von der Analyse der Alternativen ab. „Kosten sowie Vor- und Nachteile“ sollen unbedingt zeitnah geklärt werden. Die Ergebnisse dürften in der Sitzung des Sport- und Kulturausschusses am 30. September eine große Rolle spielen. Ein Spielfeld mit Mikroplastik wird in Achim mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit demnach nicht gebaut werden. Dafür scheint das Risiko eines zukünftigen Verbotes von Kunstrasenplätzen mit Gummigranulat einfach zu hoch.

Info

Zur Sache

Untersuchungen der EU

Die Europäische Chemikalienagentur (Echa) ist eine Behörde der EU, die die Bewertung und Zulassung von Chemikalien regelt. Sie prüft derzeit, wie die Menge an umweltschädlichem Mikroplastik in der Umwelt verringert werden kann und welche Auswirkungen eine mögliche Beschränkung des Einsatzes von Mikroplastikgranulat hätte, das auch als Füllmaterial für Kunstrasen genutzt wird. Im Frühjahr 2020 soll die Echa ihre Ergebnisse vorlegen. Parallel läuft auch eine umfassende Folgenabschätzung der Europäischen Kommission. Die Kommission will prüfen, ob die Bedingungen für eine Beschränkung für Mikroplastik erfüllt sind – eine Beschränkung kann ein Verbot sein oder aus anderen Vorgaben bestehen.

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