Lätare-Spende

Virtuelle Grüße von den Ehrengästen

Das Verdener Traditionsereignis findet in diesem Jahr in digitaler Form statt. Brot und Heringe gibt es für einen bestimmten Empfängerkreis aber dennoch.
01.03.2021, 16:56
Lesedauer: 3 Min
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Virtuelle Grüße von den Ehrengästen
Von Jörn Dirk Zweibrock

Zum zweiten Mal in Folge fällt die Verdener Lätare-Spende schon Pandemie-bedingt aus. Auf das öffentliche Schauspiel mit dem Auftritt Störtebekers, die launigen Grußworte der politischen Ehrengäste sowie die Verteilung von Brot und Heringen auf dem Rathausplatz verzichtet die Stadt Verden in diesem Jahr zwar, die Tradition wird aber dennoch gepflegt, und zwar in virtueller Form. „Das Schauspiel und die Grußworte gibt es nun eben digital“, sagt Organisatorin Angelika Revermann. Dafür wurde in den vergangenen Tagen rund ums Rathaus ein Kurzfilm gedreht. „Am Montag nach Lätare, also am 15. März, an dem die Spende eigentlich regulär stattgefunden hätte, veröffentlichen wir den Film auf der Internetseite der Stadt“, kündigt Revermann an. Interessierte finden den Streifen unter folgendem Link: www.verden.de/laetare2021.

Störtebeker plaudert im Film über seine Erlebnisse in Corona-Zeiten, warum er auf dem menschenleeren Rathausplatz steht und das Publikum und die politischen Ehrengäste dort nicht auf ihn warten. „Bernd Maas als bekannter Störtebeker-Darsteller und Hans König, Drehbuch-Autor der vergangenen Jahre und Regisseur der Verdener Domfestspiele, sind ein eingespieltes Team, wenn es darum geht, Störtebeker jedes Jahr zur Lätare-Spende zum Leben zu erwecken und ihm das eine oder andere wahre, manchmal etwas respektlose und auch launige Wort in den Mund zu legen“, weiß Revermann. Bei den Dreharbeiten wurden sie vom erfahrenen Kameramann Sandro Giampetro und den Liekedeelern unterstützt.

Für die Rolle des Seeräubers lässt sich Schauspieler Bernd Maas aus Kirchlinteln stets einen Bart wachsen. Weil Störtebeker nun einmal kein Dunkelblondschopf, sondern vielmehr ein Rotbart gewesen sein soll, färbt sich der Mime seinen „Gesichtspullover“ eben für die Lätare-Spende in Rot ein.

Auch auf die Grußworte der politischen Ehrengäste aus Bremen, Hannover und Berlin brauchen die Verdener nicht zu verzichten. Digitale Grüße an die Aller senden Kristina Vogt (Linke), Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa im Senat Bovenschulte, Anke Pörksen (SPD), Staatssekretärin und Sprecherin der niedersächsischen Landesregierung, sowie Norbert Brackmann (CDU), Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft. Das Trio sollte im vergangenen Jahr eigentlich schon die Gummihandschuhe anziehen und die in Salzlake eingelegten Heringe live und in Farbe unter das Volk bringen.

„Anstelle der öffentlichen Verteilung von Brot und Heringen auf dem Verdener Rathausplatz spenden wir den Fisch symbolisch an die Seniorenheime“, sagt Revermann. In allen Verdener Einrichtungen werde daher am 15. März ein Fischgericht serviert. „Leckeres wie Matjesfilet nach Hausfrauenart mit Bratkartoffeln, Lachs in Weißweinsoße mit Bandnudeln und Spinat, gebratene Stinte mit Bratkartoffeln, Atlantikzungenröllchen mit Wirsing oder Schollenfilet Finkenwerder Art stehen dann auf dem Speiseplan.“

Auf die Störtebeker-Steven dürfen sich wie 2020 die Kunden der Tafel freuen. Bäckermeister Christoph Baalk und seine Mannschaft stellen das Schwarzbrot für die Lätare-Spende eigens in ihrer Verdener „Seeräuber-Backstube“ her. Doch was macht dieses rund 700 Gramm schwere Roggenmischbrot eigentlich aus? „Es ist eben ein Brot mit Ecken und Kanten“, findet Baalk. Raue Schale, weicher Kern – diese Charaktereigenschaften träfen sowohl auf Störtebeker als auch auf das Schrotbrot zu.

Die Lätare-Spende, traditionell drei Wochen vor Ostern, geht der Legende nach auf Störtebekers Vermächtnis zurück. Kurz vor seiner Hinrichtung 1401 soll der berühmte Seeräuber bestimmt haben, dass jährlich 530 Brote und 1600 Heringe an die Verdener Bevölkerung verteilt werden. Zur Verbüßung der sieben Todsünden – Hochmut, Geiz, Wollust, Völlerei, Neid, Zorn und Trägheit des Herzens – soll der Rotbart dem Verdener Dom darüber hinaus auch noch sieben Kirchenfenster gestiftet haben.

Bei der bislang letzten Lätare-Spende vor Publikum gaben sich 2019 der damalige Bremer Bürgermeister Carsten Sieling (SPD), Birgit Honé (SPD), niedersächsische Ministerin für Bundes- und Europa-Angelegenheiten, sowie Hendrik Hoppenstedt CDU), Staatsminister bei der Bundeskanzlerin, in Verden die Ehre.

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