Weniger Bestattungen und der Trend zur Urne bereiten der Achimer Stadtverwaltung Sorgen

Leere Friedhöfe

Achim. „Gestorben wird immer“, heißt es in der Redewendung. Das stimmt zwar zunächst einmal durchaus.
11.01.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Tina Hayessen

Achim. „Gestorben wird immer“, heißt es in der Redewendung. Das stimmt zwar zunächst einmal durchaus. Auch in Achim sind die Menschen nicht unsterblich. Doch das bedeutet nicht, dass Friedhöfe niemals in Bedrängnis kommen. In der Stadt hat man inzwischen einen klaren Trend zum leereren Friedhof festgestellt. „Wir haben eine rückläufige Bestattung, das hat mich aufhorchen lassen“, hält Steffen Zorn, Chef der städtischen Grundstücks- und Gebäudeverwaltung, fest.

Die Verantwortlichen haben einen deutlichen Trend zur Urnenbestattung ausgemacht. Diese Grabstellen sind kleiner, leichter zu pflegen und kosten auch weniger. Die Kommune, die neben der evangelischen Kirche für die meisten Friedhöfe in Achim verantwortlich ist, sieht sich in einem Minus-Geschäft. Das sei mit Blick auf die städtischen Finanzen nicht nur ärgerlich, sondern könne Achim irgendwann in Gesetzeskonflikte bringen. „Das niedersächsische Kommunalgesetz will Richtung 100 Prozent“, sagt Zorn über die Kostendeckung von Friedhöfen.

Ärgerlich für die Stadt sei zudem, dass die Leere auf dem Friedhof auch ein Mehr an Arbeit für den Bauhof bedeute, ergänzt Bürgermeister Rainer Ditzfeld. „Wenn Lücken entstehen, muss man mit dem Rasenmäher ja trotzdem da ran. Man will ja nicht, dass das zuwächst“, verdeutlicht er das Problem. Dabei habe er durchaus Verständnis für den Wunsch vieler Angehöriger, eher kleine Grabstellen zu mieten und diese auch möglichst früh wieder freizugeben. Sie hätten oft weniger Zeit für die Grabpflege, würden zum Teil nicht einmal mehr in der Stadt wohnen und gäben deshalb sogar Familiengrabstellen nach langer Nutzung auf. „Wenn die Grabstelle ohnehin ausläuft, sagen die Kinder: ,Nein, das verlängern wir jetzt nicht mehr.‘“

Die Gebühren zu erhöhen sei natürlich eine Möglichkeit, auf die Beerdigungsflaute zu reagieren, sagt Zorn, doch das berge auch seine Gefahren: „Man kann das nicht endlos teurer machen, schon deshalb, weil die Leute über Google einfach nach der günstigsten Beerdigung suchen.“ Zwar bestehen viele Menschen darauf, ihre Liebsten in der Heimat zu beerdigen, doch es gebe durchaus auch Angehörige, die sich im gesamten Norddeutschen Raum nach einer günstigen Bestattungsmöglichkeit umschauen. Könne man hier nicht mit der Konkurrenz mithalten, so die Befürchtung, werde es noch schneller noch leerer auf den städtischen Friedhöfen. Das momentane Ziel in Achim besteht darin, einen Deckungsgrad von 75 Prozent zu erreichen, sprich: Dreiviertel des Platzes auf den Friedhöfen mit Grabstellen zu belegen.

Die Tendenz zur Urne beobachtet man auch bei der evangelischen St.-Laurentius-Gemeinde. Sie ist verantwortlich für den Friedhof direkt an der Kirche und für den am Rathauspark. „Das hat sich in diese Richtung einfach entwickelt“, sagt Pastor Dietrich Hoffmann über die gefragten Urnenbestattungen. „Warum das so ist, kann ich nicht wirklich sagen, kann sein, dass das etwas mit der Grabpflege zu tun hat, aber das ist eine reine Vermutung.“ Einen Unterschied zu städtischen Friedhöfen gibt es übrigens: „Anonyme Bestattungen führen wir gar nicht durch.“

„Xxxx xxx xxx xxxxx xxxxx xxxx xxxx xxxx xxxxx.“ xx xxxxxxxx
Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+