Fracking-Gegner beraten nächste Schritte

Letzte Hoffnung Widerstand

Es sieht nicht gut aus für die Forderungen der Bürgerinitiativen gegen Fracking: Sie sind gegen diese Fördermethode - und dagegen, das anfallende Lagerstättenwasser im Boden zu verpressen.
12.02.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Marius Merle
Letzte Hoffnung Widerstand

Beim Objekt des Ärgers auf den weiteren Widerstand einstimmen: Der Bundestagsabgeordnete Herbert Behrens (in dunkelbrauner Jacke) diskutiert bei einer Ortsbegehung mit Mitgliedern der Bürgerinitiativen.

Focke Strangmann

Es sieht nicht gut aus für die Forderungen der Bürgerinitiativen gegen Fracking: Sie sind nicht nur gegen diese Fördermethode an sich, sondern auch dagegen, dass das anfallende Lagerstättenwasser wieder zurück in den Boden verpresst wird.

In dem Entwurf zur gesetzlichen Neuregelung dieser Themen, der zeitnah im Bundestag beschlossen werden soll, wird keines dieser Probleme gelöst. Das befindet zumindest Bundestagsabgeordneter Herbert Behrens (Die Linke) und bezeichnet das Vorgehen mit dieser hochsensiblen Thematik als einen „Eiertanz“.

Umso wichtiger sei es, sich mit den Mitgliedern der Bürgerinitiativen, für die nächsten Schritte im Widerstand abzustimmen. Hierfür traf er sich gestern zu einer Ortsbegehung mit Mitgliedern der Bürgerinitiativen aus Langwedel, Völkersen und Intschede.

Und der Ort bei der Förderstelle Völkersen Nord Z3 war dafür nicht willkürlich gewählt. Denn die Zukunft dieser Stelle hängt massiv mit der Gesamtzukunft für die Verpressung von Lagerstättenwasser zusammen. „Die Bohrstelle Z3 ist ausgefördert, und das betreibende Unternehmen RWE Dea hat Ende des vergangenen Jahres einen Antrag für eine Umwidmung zur Verpressbohrstelle gestellt“, erklärt Behrens.

Lagerstättenwasser würde zentral verpresst

Das Resultat wäre: Das mit Benzol, Schwermetallen und eventuell auch Frack-Chemikalien verunreinigte Lagerstättenwasser aus allen Förderstellen der RWE Dea im Umkreis von 80 Kilometern würde zu dieser Lagerstätte transportiert und dort wieder 5.000 Meter in die Erde gepresst.

Die Entscheidung darüber fällt das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), das solche Pläne laut Behrens schon lange nicht mehr genehmigt habe. Doch auch nur, weil das LBEG auf eindeutige Regelungen durch das Bundesgesetz wartet.

Und das könnte durch die Bundesregierung dann bald geschehen. „Die Art des Fracken in Sandstein, wie in Niedersachsen betrieben, wird in der Neuregelung erlaubt bleiben“, sagt David Amri, wissenschaftlicher Mitarbeiter von Behrens angesichts des bisherigen Entwurfes.

Z3 könnte Vorbild abgeben

Ebenso werde damit zu rechnen sein, dass die Verpressung erlaubt bleibt und das LBEG dann die Zustimmung für die neue Versenkbohrstelle Z3 in Völkersen geben wird. Damit könnte der Startschuss für eine ganze Reihe weiterer ähnlicher Erlaubnisse fallen. „Andere Erdgasförder-Unternehmen wie Wintershall und Exxon halten derzeit nur die Füße still, da die RWE in der Verpressungsfrage die Vorreiterrolle spielen soll“, sagt Behrens.

„Gesetzlich werden Grundlagen geschaffen, die dafür sorgen, dass so weiter gemacht werden darf wie bisher – und das auch alles gesetzlich abgesichert“, fasst Amri seine Befürchtung zusammen. Um eventuell doch was zu verändern, müsse „noch mehr Druck von den Bürgerinitiativen kommen“, fordert Behrens. Und auch Amri betont: „Der Widerstand vor Ort ist elementar und vielleicht die einzige Chance etwas zu erreichen.“

Bürgerinitiativen wollen weiter kämpfen

Und die Mitglieder der Langwedeler Bürgerinitiativen haben sich fest vorgenommen, weiter zu kämpfen, wie sie bei der Ortsbegehung mit Behrens deutlich machten. Insbesondere, wie die RWE Dea mit dem Lagerstättenwasser umgehen will, stößt bei den Mitgliedern auf großes Unverständnis. Schon häufiger hatten die Initiativen gefordert, dass dieses oberirdisch zunächst so aufbereitet werden muss, bis die giftigen Stoffe im zurückgeführten Wasser nicht mehr enthalten sind.

Die Begründung der RWE Dea, dass das Lagerstättenwasser nur dahin zurückgebracht werde, wo es herkomme, sieht Sigrid Meyer-Klein von der Bürgerinitiative „Flecken Langwedel gegen Gasbohren“, als reine „Augenwischerei“. „Wo geht das Wasser denn genau hin? Wer weiß denn, was in 5.000 Metern Tiefe ist? Was ist, wenn es dann wieder Erdbeben gibt?“

Nur drei von vielen Fragen, die Sigrid Meyer-Klein an die RWE Dea hat. Und sie wird weiter Fragen und Widerstand leisten, solange es noch Hoffnung darauf gibt, dass die Forderungen der Bürgerinitiativen auch in der Politik in einem noch größeren Umfang Beachtung finden.

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