Biologisches Bestattungsfeld

Letzte Ruhe im Wäldchen

Auf den Friedhöfen am Achimer Rathauspark und in Bierden gibt es ab sofort die Möglichkeit, sich auf einem biologischen Bestattungsfeld beerdigen zu lassen – naturnah und ohne Pflegeaufwand.
11.08.2020, 16:12
Lesedauer: 2 Min
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Letzte Ruhe im Wäldchen
Von Elina Hoepken
Letzte Ruhe im Wäldchen

Friedhofsgärtner Andreas Noltemeyer und Steinmetz Jens Spieler (vorne von links) haben das biologische Bestattungsfeld mit Unterstützung der Träger der Friedhöfe in den vergangenen Monaten errichtet.

FOCKE STRANGMANN

Achim. Auf dem Boden liegen Wurzeln, Bäume ragen in die Höhe und spenden Schatten und verschiedenste Stauden sprießen aus dem Boden: Hier ist man unverkennbar mitten in der Natur. Erst wenn man den Blick schweifen lässt, erkennt man ein Stückchen weiter die übrigen Grabstellen. Denn das, was wie ein kleines Wäldchen anmutet, ist eigentlich Teil einer neuen Bestattungsform, die nun in Achim auf dem Friedhof am Rathauspark und in Bierden angeboten wird.

Die Anlage ist ein neu errichtetes ökologisches Bestattungsfeld, das Platz für mehrere Grabstellen bietet. „Wir merken schon seit längerer Zeit eine Veränderung der Bestattungskultur hin zu mehr Urnengräbern, die nicht so viel Arbeit machen“, erklärt Friedhofsgärtner Andreas Noltemeyer. Parallel gebe es auch ein großes Bestreben, den ökologischen Wert einer Grabstelle etwa durch insektenfreundliche Bepflanzung zu erhöhen. Mit dem sogenannten Natur-Ruh-Areal könne man beide Strömungen verbinden. „Wir können die Natur auf die Friedhöfe zurückholen“, sagt Noltemeyer.

Premiere in Niedersachsen

Die Idee für das Konzept stammt vom Bund deutscher Friedhofsgärtner und wird nun in Achim niedersachsenweit das erste Mal umgesetzt. Eingerichtet wurden die beiden Areale in Achim und Bierden von einer Arbeitsgruppe bestehend aus dem Friedhofsgärtner Andreas Noltemeyer, dem Steinmetz Jens Spieler und den Trägern der jeweiligen Friedhöfe – also der Stadt Achim und der Laurentius-Gemeinde. Die Idee hinter der neuen Grabform: Die Hinterbliebenen kaufen sich einen Teil der Grabanlage und teilen sich so mit anderen die Pflegekosten. Auf der Anlage in Bierden ist Platz für 50 Einzelurnen- und 35 Partnerurnengräber. Das etwa kleinere Areal auf dem Friedhof am Rathauspark bietet Platz für insgesamt 52 Urnengräber.

Ökologische Grabfelder auf dem Friedhof Achim

Das Areal auf dem Friedhof am Rathauspark ist etwa 70 Quadratmeter groß.

Foto: fst

„Anders als beispielsweise im Friedwald dürfen hier auch Blumen und Kerzen an der Grabstelle niedergelegt werden“, berichtet Spieler. Und auch bei den Grabmalen haben die Hinterbliebenen verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten. In Bierden gibt es eine Sandsteinstele, auf der auf einem Buchenblatt aus Bronze die Namen verewigt werden sollen. Wichtig ist allen Beteiligten allerdings auch hervorzuheben, dass das neue Natur-Ruh-Areal keine Konkurrenz zu normalen Familiengräbern sein soll. „Wir wollen lediglich eine weitere Alternative anbieten und so die Vielfalt auf den Friedhöfen erhöhen“, sagt Noltemeyer. „Wir alle müssen mit dem Wandel der Friedhofskultur gemeinsam kreativ umgehen.“ Aus diesem Grund gibt es seit einiger Zeit auch eine Arbeitsgruppe mit Vertretern von Stadt, Kirche, Bestattungsunternehmen, Steinmetz und Friedhofsgärtner, die sich regelmäßig Gedanken über die Zukunft der Achimer Friedhöfe macht.

Noch viel ungenutztes Potenzial

Hilke von Mach-Eickhorst, Geschäftsführerin des Bestattungsinstitutes Wellborg, ist Teil dieser Arbeitsgruppe. Und sie sieht auf den Friedhöfen noch viel ungenutztes Potenzial. „Eigentlich ist ein Friedhof doch ein Naherholungsgebiet in der Stadt“, sagt sie. „Aus diesem Grund muss er auch attraktiver werden.“ Das könne man mit Angeboten wie dem Natur-Ruh-Areal erreichen.

Anfang Januar haben sich die Verantwortlichen das erste Mal auf dem Friedhof in Bierden getroffen, um die Idee eines solchen Areals für Achim in Angriff zu nehmen. Mitte Mai war die Anlage fertig, rund sechs Wochen später folgte das biologische Bestattungsfeld auf dem Friedhof am Rathauspark. „Perspektivisch kann man natürlich darüber nachdenken, ein solches Angebot auf allen Achimer Friedhöfen zu errichten“, sagt Noltemeyer. „Wir wollen nun allerdings erst einmal abwarten, wie die Nachfrage sich entwickelt.“

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