Beim Melkwettbewerb in Haberloh stellten 14 Azubis ihr praktisches und theoretisches Wissen rund ums Thema Kuh unter Beweis Lieber sorgfältig und tiergerecht als schnell

Landkreis Verden. Ein paar beruhigende Worte, einige Streicheleinheiten – erst dann beginnt Lars Tremel das Euter der Kuh, die vor ihm steht, zu reinigen, um anschließend mit dem Melken zu beginnen. Unter anderem die Milch zweier Kühe müssen er und seine 13 Mitstreiter gewinnen, um erfolgreich beim Melkwettbewerb der Landwirtschaftskammer Niedersachsen teilnehmen zu können.
27.11.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Ina Friebel

Ein paar beruhigende Worte, einige Streicheleinheiten – erst dann beginnt Lars Tremel das Euter der Kuh, die vor ihm steht, zu reinigen, um anschließend mit dem Melken zu beginnen. Unter anderem die Milch zweier Kühe müssen er und seine 13 Mitstreiter gewinnen, um erfolgreich beim Melkwettbewerb der Landwirtschaftskammer Niedersachsen teilnehmen zu können. Das zweite Tier lässt die Prozedur nicht so einfach über sich ergehen. Die Kuh reagiert zunächst unruhig auf den 21-jährigen Azubi. Dieser hält jedoch unbeirrt an seiner Strategie fest und kann nach kurzer Zeit auch dieser Kuh die Melkmaschine anlegen. All das geschieht unter den kritischen Augen von vier Richtern.

„Ich habe versucht, sauber an- und auszumelken, sodass kein Dreck hineinkommt“, erklärt Tremel hinterher. „Außerdem achte ich darauf, nicht zu lange zu melken, damit das Euter nicht zu sehr beansprucht wird und sich nicht zu viele Zellen lösen.“ Wann er aufhören müsse, erkenne er am Milchfluss. „Zuerst war ich aufgeregt, aber ich bin zufrieden mit meiner Leistung“, sagt Tremel, der auf einem Bauernhof groß geworden ist. „Ich interessiere mich schon von klein auf für Kühe.“

Während Lars Tremel mit dem Melken beschäftigt ist, nimmt Martin Ulferts an zwei anderen Kühen einen sogenannten Milchzelltest vor – ebenfalls Bestandteil der Prüfung. Auf ein kleines Tablett, das in vier Fächer – eines für jede Zitze – unterteilt ist, gibt er etwas Milch und eine Indikatorlösung. „Ich schaue nach, ob es Ausflockungen gibt und wie die Flüssigkeit fließt“, erläutert er. „Es sieht alles gut aus.“ Mit dem Milchzellentest ermitteln die Azubis, ob die Milch und die Eutergesundheit in Ordnung sind. Zudem gibt der Test Hinweise auf die Gesundheit der gesamten Herde. „Dass das Euter Zellen abstößt, ist normal. Wenn es aber zu viele sind, ist etwas nicht in Ordnung“, erklärt Bernd Helms, Ausbildungsberater der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Bevor es an den Praxisteil ging, mussten die 14 Auszubildenden von den Berufsbildenden Schulen Verden einen schriftlichen Test ablegen. Auch hierbei drehte sich in 15 Fragen alles rund ums Thema Kuh und Melken.

Um Schnelligkeit geht es nicht beim Melkwettbewerb. „Uns ist wichtig, dass es sorgfältig und tiergerecht gemacht wird“, betont Helms. „Das Tier braucht genügend Zeit, um sich vorzubereiten und die richtigen Hormone auszuschütten. Das ist schonend für die Kuh und trägt zur Eutergesundheit bei.“ Auf der Checkliste der Richter stehen aber auch Punkte wie Bekleidung oder Zeiteinteilung.

Die Auszubildenden, die am Melkwettbewerb teilnehmen, sind alle im dritten Ausbildungsjahr. „Der Wettbewerb ist relevant für die Abschlussprüfung, weil sie dann eventuell eine ähnliche Aufgabe bekommen. Außerdem lernen sie die Prüfungssituation kennen“, berichtet Helms. Ebenfalls ein wichtiger Aspekt: „Der sachgerechte Umgang mit Lebensmitteln an der Basis.“ Die Möglichkeit ihr Können zu beweisen, boten den Azubis Helmut und Hannes Warncke – Vater und Sohn führen ihren Hof mit 140 Kühen in Haberloh. „Heute wird schon viel mit Robotern gemolken. Wer aber nicht per Hand melken kann, kann es auch nicht mit dem Roboter“, weiß Helmut Warncke aus Erfahrung zu berichten. „Derjenige, der melkt, hat einen großen Einfluss darauf, ob die Milch keimarm und zellniedrig ist.“ Das diene nicht nur dem Wohl der Tiere: „Die Molkerei stellt hohe Anforderungen“, betont Warncke. „Schon im Tankwagen werden Proben genommen.“

Trotz Nervosität bewiesen die angehenden Landwirte, dass sie bereits Routine im Umgang mit Kühen haben. Wer gewonnen hat, wird allerdings erst am 15. Dezember beim Deutschen Milchkontor (DMK) in Zeven bekannt gegeben. Dann kommen die insgesamt 90 Teilnehmer zusammen. Gekürt werden die Sieger aus allen Kreisen sowie der Gesamtsieger. Für den geht es dann weiter zum Landes- und eventuell auch zum Bundesentscheid.

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