Achimer Livestream-Festival

Ein Kulturspektakel der besonderen Art

Ein erfolgreiches Debüt haben Liedermacher Till Simon und Dennis Meinken vom Achimer Kulturzentrum Kasch als Organisatoren des Achimer Livestream-Festivals gegeben. Das Publikum verfolgte das Event im Internet.
01.06.2020, 16:12
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Ein Kulturspektakel der besonderen Art
Von Jürgen Juschkat
Ein Kulturspektakel der besonderen Art

Weil Publikum beim Achimer Livestream-Festival wegen Corona nicht erlaubt war, musste es die Technik richten.

Björn Hake

Vor leeren Rängen, aber trotzdem vor Publikum haben sechs Bands am Pfingstwochenende im Achimer Kasch gespielt. Um trotz der Corona-Beschränkungen ein wenig Kultur zu vermitteln, hatte die Kultureinrichtung per Kasch-TV ein Livestream-Festival der besonderen Art gestartet. Die Initiative für die musikalische Veranstaltung der besonderen Art hatten der Musiker Till Simon sowie Dennis Meinken vom Leitungsteam des Kulturhauses Alter Schützenhof ergriffen. Ein Sofa, mehrere Sessel, zwei Stehlampen und ein bunter Teppich bildeten bei diesem Event die Bühnen-Dekoration.Liedermacher Simon moderierte derweil das Geschehen, stellte die Darsteller vor und ließ sie zu Wort kommen.

„Es ist eine Art Benefizkonzert. Wir wollen das Kasch unterstützen, den Schalter umlegen, weil alle etwas im Netz machen. Wir wollen etwas technisch Hochwertiges machen, das unterhaltsam anspricht“, erklärt Simon den Charakter der Veranstaltung. Meinken geht sogar noch weiter und denkt bereits an die nächste Zeit mit Corona-Beschränkungen. „Wir wollen das Kasch nach draußen tragen. Die Leute kommen nicht zu uns, wir kommen zu ihnen“, bringt er den Serienstart auf einen Punkt. Poetry Slam und Kabarett sind mögliche weitere Angebote, die auf diesem Weg gemacht werden könnten – etwa im Zwei-Wochen-Rhythmus. Für den 13. Juni laufen laut Meinken bereits Planungen.

Das Programm des ersten Abends war abwechslungsreich. Angefangen bei Simon selbst, der als Sänger mit Gitarre Lieder aus seinen Alben zum Besten gab. So wie das Lied „Gib mir ein bisschen Zeit“ aus der Sammlung „Von Innen nach Außen“. Und Beifall durfte er dabei auch genießen, denn den spendeten die pausierenden Musikerkollegen. Mit gekonnten Überblendungen und geschickter Kameraführung gefiel der Auftritt wohl den meisten Zuschauern am heimischen Bildschirm. Zuständig waren dafür der Morsumer Peter Müller von Audio-Visual-Worx und die beiden Kasch-Mitarbeiter Luca Tietje und Matti Bank. „Mit Cello ist es gleich eine ganz andere Nummer“, urteilte Simon, als Bojana Tadic den Interpreten mit der lockigen Haarpracht musikalisch unterstützte.

Im weiteren Verlauf des Sonnabends waren zwei unterschiedliche Bands mit Auszügen aus ihrem Repertoire zu hören. Don Mendo um den Bremer Gitarrenvirtuosen Tim Schikoré ließ modernen Flamenco mit anderen Genres zu einem spanischen Extra verschmelzen. Nur in kleiner Besetzung trat die Pop-Gruppe We are Riot auf. Bei diesem Trio – statt Quintett – überzeugte Jennifer Bothe mit ihrer Stimme ebenso wie Yannik Waßmann und Kim von Salzen mit ihren Gitarrenklängen. „Es ist schon etwas merkwürdig“, erklärte von Salzen nach der Frage zur Atmosphäre ohne Publikum. Alle drei waren sich einig: „Es fehlt der direkte Kontakt, aber man muss in dieser Zeit neue Wege gehen.“

Der Bremer Liedermacher Marno Howald brachte derweil am Sonntag die Dinge musikalisch und textlich auf den Punkt. Teilweise ironisch-humorvoll, aber auch kritisch und frech. „Da in der Arbeit auf der Bühne das Seelenheil des Künstlers in der Interaktion mit dem Publikum liegt, wird dem Künstler und dem Publikum ein Teil des Zaubers genommen und kann nicht durch ein Livestream-Konzert ersetzt werden. Dennoch sind die getroffenen Maßnahmen absolut verständlich sowie notwendig. Ich freue mich aber, das Kasch als wunderbaren Spielort unterstützen zu können, denn dieser Livestream dient nicht nur der Unterhaltung, sondern vielmehr der erforderlichen Rettung einer zwingend zu erhaltenen Kulturstätte Achims“, erklärt Howald. Eingängige Melodien mit energiegeladenem Pop-Rock verband die Band Meilentaucher durch die Musik von Hendrik Schumacher, Julian Marz, Sebastian Mayer und Jannis Klettke. Auch die Achimer Gruppe Koala, die akustische Gitarren, Cajon sowie Bassdrum einsetzt und mit zweistimmigem Gesang ergänzt, überzeugte wieder einmal. „Jeden Abend haben jeweils knapp 300 User den Stream angeschaut“, stellte Dennis Meinken zufrieden fest.

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