Fachstelle Sucht und Suchtprävention

Eltern sorgen sich um Kinder

Internetsucht, vor allem bei Kindern, war schon vor der Pandemie mit ihren Beschränkungen ein zunehmendes Problem. Insbesondere Eltern suchten die Fachstelle Sucht im Jahr 2019 auf, heißt es im Jahresbericht.
20.12.2020, 16:11
Lesedauer: 2 Min
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Eltern sorgen sich um Kinder
Von Kai Purschke

Auch die Fachstelle Sucht und Suchtprävention des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Verden mit ihren Standorten in Achim und Verden musste sich in diesem Jahr auf veränderte Arbeitsbedingungen einstellen, die die Corona-Pandemie mit sich gebracht hat. Dazu gehört auch die verstärkte und in vielen Bereich kaum zu ersetzende Nutzung der digitalen Medien. Aber: „Da wird die digitale Welt so raumgreifend im Leben eines Menschen, dass sie alles andere zurückdrängt“, schreibt Fulko Steinhausen, Superintendent im Kirchenkreis Verden, in seinem Vorwort zum neuen Jahresbericht der Fachstelle. Und: „Gut, dass sich unsere Fachstelle frühzeitig auch auf diese relativ junge Form der Sucht eingestellt hat. Jenseits von Verteufelung und Heilserwartung bekommen Betroffene und Angehörige hier Beratung und Hilfe“.

Und auch Fachstellenleiterin Heike Gronewold weiß, dass die Internetsucht schon vor Corona einen immer breiteren Raum eingenommen hat. „Die große Frage ist, wie wir dieses neue Medium nutzen können, ohne die Grenzen zu verlieren, einen Kontrollverlust zu haben, die Dosis zu steigern oder andere Dinge zu vernachlässigen“, sagt sie. Während eine geschützte Beratung von Betroffenen per E-Mail vorher nicht möglich gewesen sei, gibt es nun über die Internetseite www.deinesuchtexperten.de die Chance der anonymen Beratung – auch zu Alkohol und illegalen Drogen. Die Vorbereitungen für dieses Onlineangebot liefen im Jahr 2019, seit Anfang dieses Jahres gibt es die Homepage. Die Zahlen zum exzessiven Medienkonsum waren im Berichtsjahr 2019 wieder mal angestiegen, wie die Auswertung des niedersachsenweiten Projektes „Reset“ laut Fachstelle zeigt.

Über Hundert Beratungskontakte seien gezählt worden – viele Ratsuchende waren von anderen Institutionen im Landkreis Verden an die Fachstelle vermittelt worden. Deutlichster Unterschied zur gewöhnlichen Suchtberatung: „Die hohe Anzahl an Angehörigen, die eine Beratung wünschen“. Denn mehr als ein Drittel aller Ratsuchenden kamen als Angehörige, zumeist kamen Eltern, die sich um die Mediennutzung ihrer Kinder sorgen, in die Reset-Beratung. „Knapp die Hälfte der Beratenden waren selbst Betroffene – mehr als 80 Prozent aller Betroffenen sind unter 30 Jahre alt“, erläutert die Fachstelle Sucht. Die Zielgruppe sei somit deutlich jünger als die Betroffenen, die normalerweise (etwa mit Alkohol-, Drogen- oder Spielsucht) die Beratungsstelle aufsuchen. Die geht ohnehin davon aus, dass der Bedarf an Medienberatung in den nächsten Jahren weiter zunehmen wird. Daher sei auch ein Gruppenangebot für Betroffene von exzessiver Mediennutzung denkbar. Seit November des Jahres 2019 gibt es in Achim eine neue Gruppe für anonyme Angehörige von Alkoholikern, die sich regelmäßig trifft. Was notwendig erscheint, denn auch im Jahr 2019 war Alkohol mit einem Beratungsanteil von 70 Prozent wieder der Spitzenreiter bei den Süchten. Um illegale Drogen ging es in knapp 20 Prozent der Fälle.

Abseits der Beratungen und diverser Präventionsveranstaltungen, die die Fachstelle geleistet hat, stand das vergangene Jahr für die Fachstelle in Achim aber auch unter der Überschrift „Umbau“. Denn ein geplanter Umzug hatte sich, wie berichtet zerschlagen, sodass es räumliche Veränderungen an Ort und Stelle an der Feldstraße gab. Das zweite Obergeschoss wurde aufgegeben, das Erdgeschoss umgestaltet und vergrößert, da die Räume einer ehemaligen Pizzeria an die Fachstelle gingen. Dort entstand ein großer, barrierefreier Gruppenraum.

Neue Büroräume kamen nach einem Durchbruch zur ehemaligen Nachbarwohnung im ersten Obergeschoss hinzu und auch die Bäder wurden komplett erneuert sowie vieles weitere. „Trotz sehr hoher Belastungen durch Baulärm, Staub und räumliche Enge ist es uns gut gelungen, den Arbeitsalltag aufrecht zu erhalten“, bilanzieren Karoline Kurscheid und Silke Bosse-Hoffmann von der Fachstelle.

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