Fußball Oberliga

Mehr Action neben als auf dem Platz

Der Heeslinger SC gewinnt das Derby gegen den TB Uphusen mit 1:0. Die Partie ging zudem noch in die „dritte Halbzeit“.
01.12.2019, 20:08
Lesedauer: 3 Min
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Mehr Action neben als auf dem Platz
Von Patrick Hilmes
Mehr Action neben als auf dem Platz

Hielt (fast) alles gegen Heeslingen: Uphusens Keeper Christian Ahlers-Ceglarek.

Björn Hake

Heeslingen. Was bedarf es bei einem guten Fußball-Derby? Rassige Zweikämpfe, eine hitzige Atmosphäre, Spannung und nicht zu vergessen: guten Fußball. Letzteres blieb in dem Oberliga-Derby zwischen dem gastgebenden Heeslinger SC und dem TB Uphusen aus, alles andere war hingegen reichlich vorhanden. Das bessere Ende hatte dabei der HSC für sich, der die Partie mit 1:0 (0:0) gewann.

Das Ende ging in dieser Begegnung aber nicht mit dem Schlusspfiff einher, denn die „dritte Halbzeit“ war eine ereignisreiche. Noch auf dem Platz wurde hitzig diskutiert. Und lediglich bei Worten blieb es nicht. Im Kabinentrakt ging es chaotisch zu, Uphuser und Heeslinger gerieten aneinander, Spieler wie auch Verantwortliche. Mittendrin vor allem Uphusens Youness Buduar und Heeslingens Torwart-Trainer Björn Müller.

Zurückzuführen waren die Rangeleien auf die Szenen in den Minuten 63 bis 67. Zunächst beging an der Uphuser Torauslinie Heeslingens Edison Mazreku ein Foul an Buduar und sah dafür die Gelbe Karte. Schiedsrichter Maximilian Stargardt hatte jedoch vergessen, dass Mazreku bereits in Minute 55 Gelb aufgrund eines absichtlichen Handspiels gesehen hatte. Daran erinnerten ihn die Uphuser sowie einer seiner Linienrichter. Mazreku sah doch noch Gelb-Rot und Buduar schritt anschließend direkt an der HSC-Bank vorbei. Dabei soll der Uphuser „Idiot“ zu Björn Müller gesagt haben. Der Linienrichter, der in unmittelbarer Nähe stand, teilte dies dem Spielleiter mit und Buduar flog mit Rot vom Platz. Was folgte war eine Rudelbildung mit reichlich Geschubse. „Ich habe das nicht gesagt, dass war einer der Heeslinger, der das zu jemand anderes gesagt hat“, betonte ein äußerst aufgebrachter Buduar später. Heeslingens Müller sah zudem die Gelbe Karte.

Das war aber noch nicht alles während der laufenden Begegnung. Kurz vor Schluss wurde auch TBU-Coach Achim Hollerieth des Platzes verwiesen. Aufgrund der ganzen Hektik abseits des Feldes zog Hollerieth, der sich nach dem Abpfiff erst mal rar machte und von den Turbulenzen im Kabinentrakt nichts mitbekam, auch zwei verschiedene Fazite: „Trotz aller sportlicher Rivalität muss man immer versuchen, den Respekt zu wahren. Aber wenn Spieler von uns dann beschimpft werden – ich sag nicht was – dann weiß man, dass die südländischen Spieler sehr temperamentvoll sind. Das darf natürlich nicht sein, unser Spieler muss sich im Griff haben, ganz klar. Aber es dürfen dann auch nicht von Verantwortlichen solche Beschimpfungen kommen, das muss und darf nicht sein. Auch kurz vor Schluss muss man nicht die Spieler beschimpfen, das mag ich nicht. Dann mache ich den Schiedsrichter darauf aufmerksam und frage ihn: 'Hast du es gehört?' Er sagt dann ja, aber ich müsste es ihm nicht immer sagen. Das ist schon komisch: Er hört die Beleidigungen von drüben, aber macht nichts, sondern sagt, dass ich runter soll.“

Es war ein unrühmliches Ende eines aus fußballerischer Sicht ebenso unrühmlichen Spiels. Das führt zum zweiten Fazit von Achim Hollerieth: „Man muss ehrlich sagen, dass es ein verdienter Sieg für Heeslingen war. Zecke hat uns ein paar Mal mit wirklich sensationellen Paraden im Spiel gehalten. Trotzdem ist es schade, wenn man dann per Standard das Gegentor bekommt, denn ruhende Bälle sind eigentlich am besten zu verteidigen.“ Die von Hollerieth angesprochene Szene ereignete sich in Minute 76. Zunächst hatte TBU-Keeper Christian Ahlers-Ceglarek einmal mehr an diesem Tag für Verzweiflung beim HSC gesorgt, indem er den Schuss aus kurzer Distanz von Marco Sobolweski zur Ecke klärte. Der folgende Standard jedoch führte zum 1:0. Ein Heeslinger köpfte Burak Yigit an und der Ball fiel vor die Füße von Kevin Rehling, der quasi aus Versehen den Ball am zweiten Pfosten über die Linie drückte.

Dieser Treffer musste ein solch kurioser sein, denn ansonsten wäre Christian Ahlers-Ceglarek wohl an diesem Tag nicht bezwungen worden. Denn in den Minuten 29, 37, 50 sowie in der bereits geschilderten 75. Minute parierte Uphusens Schlussmann glänzend. Ansonsten war das spielerische Niveau auf dem Platz in Heeslingen, der das Prädikat Acker verdiente, ein äußerst geringes. Was beide Mannschaften anboten, war mehr Gebolze als Oberliga-Fußball. Und das galt für den TBU noch mehr als für den HSC. Tormöglichkeiten für die Gäste konnten nicht notiert werden, weil es schlichtweg keine gab. „Offensiv haben wir heute nicht stattgefunden. Das war zu wenig. Dass es ein Kampfspiel werden würde, war klar. Aber mir hat die Bewegung im Offensivbereich gefehlt. Und – das alte Thema seitdem ich hier bin – nicht einmal wurde ein Eins-gegen-eins versucht, immer wieder wurde abgebrochen.“ Im Vorwärtsgang entschieden sich die Arenkampkicker immer wieder für die sichere Variante hinten rum. Doch auch diese Sicherheitspässe wurden nicht immer ihrem Namen gerecht, oftmals landeten diese beim Gegner.

So trübe die Sicht bei leichtem Nebel war, so trübe ist die Sicht für den TB Uphusen auch beim Blick auf die Tabelle, steht er doch wieder auf einem Abstiegsplatz. Bleibt für Hollerieth und Co. die Hoffnung, dass es im nächsten Spiel am Sonnabend gegen Tündern wieder aufwärts geht – und die Rangeleien im Kabinentrakt nicht weitere Konsequenzen nach sich ziehen.

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