75 Jahre Radio- und Fernsehgeschichte Mende-Museum in Uphusen macht dicht

Uphusen. Lange hat Hermann Rebers mit sich gerungen. Jetzt steht es fest: Das Uphuser Mende-Nordmende-Museum macht im Herbst dicht. Aus Altersgründen, wie Hermann Rebers sagt.
21.07.2010, 05:20
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Mende-Museum in Uphusen macht dicht
Von Antje Stürmann

Uphusen. Lange hat Hermann Rebers mit sich gerungen. Jetzt steht es fest: Das Uphuser Mende-Nordmende-Museum macht im Herbst dicht. Aus Altersgründen, wie Hermann Rebers sagt.

In den vergangenen zwölf Jahren hat der Gründer des privaten Museums so ziemlich alle Radio-Modelle gesammelt, die im Funkwerk Dresden und bei Nordmende in Bremen hergestellt wurden. Einen Großteil seiner über 400 mitunter 'technisch-historisch hoch interessanten' Exponate will er nun verkaufen. Rund 1200 Besucher haben bis heute die Sammlung des 81-jährigen Uphusers gesehen und bestaunt. Und das, obwohl das Mende-Museum nur an zwölf Tagen im Jahr geöffnet hat. Privatleute, Gruppen, Vereine und ehemalige Mitarbeiter der Mende- und Nordmende-Werke sind bei Hermann Rebers in die Welt des Radios eingetaucht. Der ehemalige Studiendirektor und Radiobauer begleitete sie auf dem Weg in seine Welt aus alten formschönen Holzkästen, Röhren, stoffbezogenen Lautsprechern und vergilbten Tasten. Ihre Fragen beantwortet er fachlich versiert, aber immer auch so, dass jeder Laie die technischen Feinheiten kapiert.

Angefangen hat alles, als Hermann Rebers zehn Jahre jung war. 'Unser Nachbar hatte sich ein Radio gekauft und ich durfte mal am Knopf drehen', erzählt er. 'Danach war ich Feuer und Flamme.' Mit zwölf Jahren stand Rebers? Berufswunsch fest: 'Ich wollte Radiokonstrukteur werden.' Sein damaliges Lieblingsstück: ein Zweikreis-Radio aus dem Hause Mende.

Das Glück seines Lebens

Nach dem Abitur studierte er und arbeitete während des Studiums dreieinhalb Jahre bei Nordmende in Hemelingen. Dass sich die Fabrik nur sieben Kilometer vom elterlichen Hof entfernt befand, ist für ihn 'das Glück seines Lebens', wie er sagt. Bei Nordmende absolvierte Rebers eine Art Gesellenprüfung und war zuletzt Werkmeister im Bereich Material- und Qualitätssicherung. Den damaligen Chef Martin Mende lernte er persönlich kennen - 'ein Genie sowohl kaufmännisch als auch technisch', meint Rebers, 'ein richtiger Patriarch'. Sein Ziel, Radiokonstrukteur zu werden, erreichte er nicht ganz. 'In den 60er Jahren haben die Berufsschulen dringend Lehrkräfte gesucht', erzählt er, 'da habe ich eine Stelle als Berufsschullehrer angenommen im Bereich Hochfrequenz- und Niederfrequenztechnik, später auch Fernsehen und Elektronik'. Der dreifache Vater eröffnete außerdem in Uphusen ein Radio- und Elektrogeschäft und baute die Uphuser Windmühle zum Wohnhaus aus.

1990 schließlich ging Hermann Rebers in Pension und langweilte sich zuhause. 'Da habe ich ernsthaft angefangen Radios zu sammeln.' Schnell platzten die Räume im Nebengebäude der Mühle aus alle Nähten. 1998 baute Rebers an und eröffnete sein Mende-Nordmende-Museum.

Dort stehen heute noch Radios, die in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg bei Mende in Dresden - der damals größten Radiofabrik Deutschlands - hergestellt worden sind. 'Darunter eines der ersten Radios, die mit Röhre gebaut wurden', sagt Rebers. In den Regalen reihen sich Empfänger der Nachfolgefirmen EMW und RFT Funkwerk Dresden aneinander - fein säuberlich mit Jahreszahlen und Erläuterungen in Form von alten Prospekten versehen. Rebers zeigt Nordmende Röhren- und Transistorgeräte und Nordmende Transistor-Kofferradios. Zu seiner Sammlung gehören außerdem Dual- und PE-Plattenspieler, Werbeschilder, alte Schaltpläne, Ersatzteile und Radiobauteile.

Bis Oktober können sich Interessenten für die Ausstellungsstücke aus der Zeit zwischen 1923 und 1998 vormerken lassen. Behalten möchte Rebers ein Radio Tannhäuser, Baujahr 1954, 'weil ich dieses Radio bei Nordmende mitentwickelt habe', sagt er. In seinen eigenen vier Wänden bleibt auch ein Apparat mit Holzgehäuse aus dem Jahr 1932, weil dieses Radio 'richtig Zeitgeschichte vermittelt'. Sein 'Renommierstück' jedoch, ein Nordmende Fernseher 'Kuba Antik' mit barock verziertem Gehäuse aus Nussbaumholz von 1957, hat Rebers dem Kuba-Museum in Wolfenbüttel versprochen.

Das private Museum hat geöffnet an den Sonntagen 1. August, 5. September und letztmalig am 3. Oktober jeweils von 10 bis 17 Uhr. Anmeldung bei Hermann Rebers unter der Telefonnummer 04202/ 1650.

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