Neujahrsempfang

Mit Skepsis und Zuversicht ins neue Jahr

Für Rüdiger Dürr war es in diesem Jahr der letzte Neujahrsempfang der CDU als deren Vorsitzender. Geladen hatte die Partei als Gastredner den Polizeigewerkschafter Rainer Wendt.
06.01.2019, 18:31
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Von Gisela Enders
Mit Skepsis und Zuversicht ins neue Jahr

Rüdiger Dürr, Isabel Gottschewsky und Adrian Mohr begrüßen den Gastredner Rainer Wendt (2. von rechts) beim Neujahrsempfang.

Hake

„Es ist noch neu, das Jahr, und wir wissen nicht, was es uns bringen wird“. Sowohl Skepsis als auch Zuversicht ließ Rüdiger Dürr erkennen, als er am Sonntagvormittag den Neujahrsempfang der Achimer CDU eröffnete. Vollbesetzt war der Saal des Gasthauses zur Linde, als der CDU-Vorsitzende seine Gäste willkommen hieß und sie dazu aufforderte, den Tag zu leben und ihn sinnvoll zu füllen. „Carpe Diem“, habe Horaz den Menschen einst geraten, „nutze den Tag, genieße den Augenblick“.

Die Medien mit ihren Bildern und Meldungen aus aller Welt beeinflussen unser Handeln. Alltägliche Wunder würden kaum noch wahrgenommen, gab der scheidende Politiker zu bedenken, der in diesem Jahr, wie berichtet, nach über 25 Jahren das Amt des CDU-Vorsitzenden abgeben wird. Für Dürr war der diesjährige CDU-Neujahrsempfang somit der letzte als Vorsitzender. „Behandeln wir es gut, das neue Jahr, machen wir das Beste aus allem und verschenken wir keinen einzigen Tag", forderte Dürr die Gäste fast schon pathetisch auf. Adrian Mohr, Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Verden, bedankte sich bei seinem Vorredner für 28 Jahre Parteiarbeit und auch dafür, dass Dürr der Achimer CDU einen deutlich spürbaren kulturellen Stempel aufgedrückt habe.

In Kürze werde das Land Niedersachsen ein neues Polizeigesetz erhalten, kündigte Mohr im Anschluss dann den geladenen Hauptredner des Tages an. Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der zweitgrößten deutschen Polizeigewerkschaft DPolG, übernahm schließlich das Mikrofon und wandte sich zu Beginn seiner Ansprache dem Cyberangriff auf deutsche Politiker zu, der zum Ende der vergangenen Woche publik geworden war. Er sei fast beleidigt, nicht zu den Geschädigten zu gehören, frotzelte der 62-Jährige, und zeichnete ein nicht gerade positives Bild der aktuellen Lage in Deutschland. Es reiche nicht, sich mit sich selbst zu befassen, forderte er die Parteien auf, aus ihrer Lähmung zu erwachen und sich stattdessen Sachfragen und der Lösung aktueller Aufgaben und Probleme zuzuwenden.

So wie jüngst der Angriff auf die persönlichen Daten von Prominenten, Politikern und Journalisten sei nach Ansicht Wendts in Zukunft auch eine Attacke auf die Infrastruktur in Deutschland denkbar; eine Gefahr, der höchste Aufmerksamkeit entgegengebracht werden müsse. „Stellen Sie sich einen Anschlag auf die Stromversorgung vor, der innerhalb einer Woche eine Million Tote zur Folge haben würde“, warnte Wendt vor der Unberechenbarkeit von Terroristen. Noch viel mehr Aufmerksamkeit und Kompetenz seien erforderlich, um sensible Daten in der Zukunft besser zu schützen. Auch die Weihnachtsmärkte seien aus seiner Sicht ein beliebtes Ziel von Terrorgruppen und zunehmend zahlreichen Einzeltätern. „Ein Albtraum, der Polizei und Nachrichtendienste auf den Plan ruft, um Großveranstaltungen, Menschen und Gebäude wirksam zu schützen", sagte Rainer Wendt.

Bund und Länder würden sich mit aller Kraft der Bekämpfung der organisierten Kriminalität widmen, setzte der Gewerkschafter seine Betrachtung der aktuellen Lage fort. Er ging dabei auch auf kriminelle Clans ein, die seinen Angaben zufolge in Parallelgesellschaften lebten und ihre eigenen Gesetze hätten. „Für Banden aus dem Osten Europas ist Deutschland ein lukrativer Markt“, sagte Rainer Wendt. In Bezug auf kriminelle Verfehlungen von Zuwanderern sei die Erregungskurve in Deutschland derzeit hoch, prognostizierte Wendt. Die Stimmung in der Bevölkerung sei gespalten zwischen Sorge und Wut.

Er sei ein "Mann der klaren Worte“, resümierte Dürr nach dem Vortrag und ließ im Anschluss noch die katholischen Sternsinger mit Lied und Text zu Wort kommen. „Wir gehören zusammen, in Peru und weltweit“, lautet das Motto der diesjährigen Aktion. Der Erlös der Sammlung kommt behinderten Kindern in dem Anden-Staat zugute.

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