Fischerhuder Otto-Modersohn-Museum ergänzt große Vogeler-Schau aus Worpswede mit Märchenbildern

Modersohns romantischer Wesenszug

Das Otto-Modersohn-Museum in Fischerhude reiht sich ein in den Worpsweder Ausstellungsreigen anlässlich des 140. Geburts- und 70. Todesjahres Heinrich Vogelers. In der neuen Ausstellung des Museums mit dem Titel "Es wird einmal sein..." sind Märchenmotive von Otto Modersohn und Heinrich Vogeler zu sehen. Außerdem werden drei Werke von Paula Modersohn-Becker gezeigt. Von Heinrich Vogeler sind hauptsächlich Radierungen vertreten, da wichtige Bilder dieses Themas derzeit im Haus im Schluh in Worpswede präsentiert werden und eine gelungene Ergänzung zur Ausstellung im Otto-Modersohn-Museum darstellen.
16.06.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Modersohns romantischer Wesenszug
Von Uwe Dammann

Das Otto-Modersohn-Museum in Fischerhude reiht sich ein in den Worpsweder Ausstellungsreigen anlässlich des 140. Geburts- und 70. Todesjahres Heinrich Vogelers. In der neuen Ausstellung des Museums mit dem Titel "Es wird einmal sein..." sind Märchenmotive von Otto Modersohn und Heinrich Vogeler zu sehen. Außerdem werden drei Werke von Paula Modersohn-Becker gezeigt. Von Heinrich Vogeler sind hauptsächlich Radierungen vertreten, da wichtige Bilder dieses Themas derzeit im Haus im Schluh in Worpswede präsentiert werden und eine gelungene Ergänzung zur Ausstellung im Otto-Modersohn-Museum darstellen.

Fischerhude. Die Märchenbilder Otto Modersohns sind ein eher selten gezeigter Aspekt im Werk des Landschaftsmalers und stehen dennoch stellvertretend für ein Genre, das Modersohn wesentlich mit Vogelers Werk verbindet.

"Die Märchendarstellungen sind bei Vogeler und Modersohn Ausdruck eines romantischen Grundzuges ihres Wesens, der in beider Schaffen auch später wechselnde Facetten offenbart. Sie nehmen allerdings bei beiden Künstlern nur in einer begrenzten Werkphase Raum ein", sagt Rainer Noeres vom Otto-Modersohn-Museum. Noeres übernimmt zur Eröffnung der Bilderschau am Sonntag, 24. Juni um 11.30 Uhr die Einführung in das Thema.

Märchen als künstlerische Anregung

Otto Modersohns Interesse für Geschichte, Sagen und Märchen war in frühester Jugend bereits geweckt, betont Noeres. Die Stammbäume der europäischen Herrscherhäuser wurden von ihm in Alben erstellt. Zeichen- und Malbücher füllte schon der Knabe mit Darstellungen von Königen, Kaisern und Illustrationen historischer Begebenheiten. Die Vorstellungswelt des Märchens wirkte auf seine künstlerische Begabung und Anlage in besonderer Weise anregend, so Noeres.

Rainer Maria Rilke gibt Otto Modersohns Kindheitseindrücken in der berühmten 1903 erschienenen Worpswede-Monographie eine weitreichende Bedeutung: "Das Gefühl für Sage und Märchen, das sich in Otto Modersohn und in seiner Kunst später so wundervoll entwickelt hat, ist aus diesen Eindrücken geboren worden; denn was sind Sagen anderes als Vergangenheiten, die sich in der Natur aufgelöst haben," schreibt Rilke. Otto Modersohn, der sich grundsätzlich von Rilke als Maler verstanden fühlte, relativierte seine zuvor durchaus positive Bewertung der Monographie (wohl auch unter dem Eindruck der etwas kritischen Bewertung durch Paula Modersohn-Becker in ihrem Brief vom 23. Februar aus Paris) am 2. März 1903 in seinem Tagebuch: "Rilkes Buch ist sehr fein, ohne Frage – es hat natürlich allerlei Schiefes. Bei mir betont er eigentlich nur den Märchenmaler – ich bin aber mehr", kritisiert Modersohn den Text des Dichters. Die geringe Anzahl der Märchenbilder im Zusammenhang seines Werkes und die zeitliche Begrenzung der künstlerischen Beschäftigung mit diesem Thema hatten seither eine nachträgliche kunsthistorische Auseinandersetzung in den Hintergrund geschoben.

So ist es nicht verwunderlich, dass diese Bilder und Zeichnungen seit der Ausstellung der Märchenmotive Otto Modersohns im Fischerhuder Museum im Juni 2003 wieder etwas stärker ins Blickfeld gerückt werden und mit ihnen auch das künstlerische, manchmal kritische, aber immer freundschaftliche Verhältnis zwischen Otto Modersohn und Heinrich Vogeler neue Beachtung findet. Unzweifelhaft hat die Märchenwelt der Bilder und Radierungen Heinrich Vogelers auf die Thematik der Zeichnungen und Bilder Otto Modersohns eingewirkt, gerade in der Zeit des intensivsten Austausches, in den Jahren 1900 und 1901. Auch Paula Modersohn-Becker hat sich in wenigen Bildern mit dem Märchenthema auseinandergesetzt.

Die Ausstellung wird am Sonntag, 24. Juni, 11.30 Uhr, im neuen Erweiterungsbau des Museums, In der Bredenau, eröffnet und ist bis zum 23. September täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen.

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