Kreis Verden: Mitglieder treffen sich weiter

Brigitte Bode hat die Leitung der MS-Selbsthilfegruppe abgegeben

20 Jahre lang hat Brigitte Bode aus Achim-Baden die Multiple-Sklerose-Selbsthilfegruppe im Kreis Verden geleitet, nun hat sie damit aufgehört. Und auch die Gruppe hat sich aus dem Landesverband verabschiedet.
13.04.2021, 17:45
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Brigitte Bode hat die Leitung der MS-Selbsthilfegruppe abgegeben
Von Jürgen Juschkat
Brigitte Bode hat die Leitung der MS-Selbsthilfegruppe abgegeben

Brigitte Bode hat die Leitung der MS-Gruppe im Landkreis Verden abgegeben. Die Gruppe ist nun auch kein Mitglied des Landesverbandes mehr, trifft sich aber weiterhin.

Björn Hake

Achim. Das Bewusstsein, dass man nicht allein ist, kann ein beruhigendes, Mut machendes Gefühl sein. Das war vor der Corona-Pandemie auch in der Multiple-Sklerose-Gruppe im Kreis Verden zu spüren. 20 Jahre lang leitete die Achimerin Brigitte Bode diese Gemeinschaft, doch Anfang des Jahres war nun für sie Schluss, nicht aber für die Gruppe, die sich lediglich als Mitglied des Landesverbandes Niedersachsen der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) verabschiedet hat.

Rund 70 Mitglieder – 30 kamen kontinuierlich zusammen – gehörten der Kontaktgruppe des Kreises Verden an, die nicht nur zu sechs besonderen Veranstaltungen im Jahr zusammengekommen ist. „Die an MS erkrankten Mitglieder wollen sich auch nach dieser Zeit treffen. Für mich war die Zeit reif“, sagt Brigitte Bode, die die seit 40 Jahren bestehende Gruppe mittlerweile nicht mehr leitet.

Nachfolge fehlt

Ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin konnte nicht gefunden werden. „Das wird mir zu viel“ oder „Ich schaffe das kräftemäßig nicht“ waren Antworten, die sie zu hören bekam. Verständlich, denn die Krankheit MS habe "viele Gesichter“ und sei unberechenbar, wenn wieder ein neuer Schub kommt. Als sie die Diagnose MS bekommen hatte, suchte Brigitte eine Selbsthilfegruppe und fand diese auch. „Dabei wusste ich nicht einmal, wie man das schreibt“, gesteht die Badenerin. Vor 20 Jahren wurde sie von der Leiterin Anneliese Laborius zur Nachfolgerin ausgewählt. Zusammen mit ihrem Mann packte sie die neue Aufgabe an.

„Viel geändert hat sich durchs Internet. Viele lesen sich dort krank“, glaubt Brigitte Bode. Die Verdener MS-Gruppe hatte sich vor 40 Jahren dazu entschlossen, korrekte Informationen weiterzugeben. Fachreferenten wurden eingeladen und betrieben Aufklärung. Außerdem standen vor der Corona-Pause unter anderem ein Kohl-Roll-Gang, bei dem einige auch im Krankenstuhl mitrollten, Muttertags-Tour, Sommertreffen und ein Besuch im Obstparadies Schuback in Jork im Alten Land auf dem Programm.

„Warum tue ich mir das an?“

Althergebrachte Gesellschaftsspiele wurden bei einzelnen Treffen gemeinschaftlich genutzt. „Ohne MS wäre ich diesen Weg nicht gegangen, hätte aber auch nicht so viele nette Leute kennengelernt“, sagt die Ex-Gruppenleiterin, die seit 30 Jahren weiß, dass auch sie diese Krankheit hat. „Ich bin gut durch die Zeit gekommen, was bei MS ein Geschenk ist“, urteilt Brigitte Bode. Wie unterschiedlich der Krankheitsverlauf ist, beschreibt sie mit einem Beispiel: „Einmal kommt jemand mit Rollator, nächstes Mal geht er am Stock.“

Die Leitung der MS-Gruppe im Kreis Verden beschreibt Brigitte Bode als „einen Großteil meines Lebens“. Sie hat gerne organisiert. Dann habe ich mich schon mal gefragt: „Warum tue ich mir das an?“ Wenn es dann jedoch gut gelaufen ist, dann war es für sie wieder gut. Die ehemalige Zahnarzt-Helferin, die in einem schmucken Einfamilienhaus in Baden wohnt, kümmerte sich als Gruppenleiterin um die Internet-Seite und stellte Kontakte her. „Ich hatte viel Spaß mit meinem Mann“, dankt sie im Nachhinein ihrem vor fünf Jahren verstorbenen Ehepartner.

Verbandsmitglied geblieben

Zur erfolglosen Nachfolger-Suche sagt Brigitte Bode: „Die Zeit hat sich gewandelt.“ Sie glaubt, dass man neu anfangen müsse, wenn es mal wieder weitergehen sollte. Doch treffen kann sich die MS-Gruppe zurzeit wegen Corona ohnehin nicht. Für die ehemalige Leiterin ist es ein privater Lockdown. Kontakt gibt es derzeit vor allem über die einzelnen WhatsApp-Gruppen. Brigitte Bode denkt gerne an die Unterstützung durch unzählige Sponsoren, durch ihren Ehemann und den späteren Partner zurück.

Als Einzelperson ist die Badenerin Mitglied im DMSG-Verband geblieben. Stolz zeigt sie Erinnerungen an die Gruppenzeit. So ein großes Bild der Künstlerin Sundari unter dem Titel „Katzenhimmel“, das als Vorlage des Logos der MS-Gruppe Landkreis Verden gedient hat. „Ich möchte mal wegfahren“, antwortet die Badenerin spontan auf die Frage, was sie denn nunmehr plane. Und sie fügt an: „Zum Beispiel zu meinen Kindern in die Schweiz.“ Sie befinde sich noch in der Findungsphase, erklärt die Ex-Gruppenleiterin, die gerne walkt und sich im Grunde immer gerne draußen aufhält. Bei der Gartenarbeit ist aber die Kraft begrenzt, wie Brigitte Bode feststellen musste. Die Erkrankung hat sie als Teil ihrer Lebensphase aber angenommen und pflegt eine positive Lebenseinstellung.

Info

Zur Sache

Multiple Sklerose (MS)

Laut der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) ist die Krankheit eine Entzündung des Zentralen Nervensystems, die das Gehirn und das Rückenmark umfasst und meist im frühen Erwachsenenalter beginnt. Zu den Symptomen können motorische Störungen, etwa Lähmungen (auch mit einem Steifigkeitsgefühl) und Sehstörungen mit Verschwommen- oder Nebelsehen, Gefühlsstörungen der Haut sowie Blasenstörungen, Unsicherheit beim Gehen oder beim Greifen, Doppelbilder und „verwaschenes“ Sprechen gehören. Weitere Beschwerden können eine abnorme, vorzeitige Erschöpfbarkeit, kognitive Störungen, Einschränkungen bei Aufmerksamkeit, Merkfähigkeit und Konzentration, depressive Verstimmungen und Depressionen, Schmerzen, Schwindel sowie sexuelle Funktionsstörungen sein. MS ist nicht ansteckend, nicht zwangsläufig tödlich, kein Muskelschwund und keine psychische Erkrankung. Die DMSG schätzt, dass weltweit etwa 2,5 Millionen an MS erkrankt sind, in Deutschland seien es mehr als 250.000.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+