Silke Gutzeit als weibliche Hälfte des Duos Rozy Daze im Bergwerk

Musterbeispiel für Präsenz

Fischerhude. Sonnabend in Quelkhorn. Was tun? Diejenigen, die ausgehen wollen, etwas essen vielleicht und dazu noch handgemachte Musik genießen möchten, können sich den Weg nach Bremen sparen. Denn die Reihe "Songs and Whispers" der Musikkneipe Bergwerk bietet Möglichkeiten für beides. Und wenn dann noch lediglich der Hut herum gereicht wird, um den einen oder anderen Obolus für die Musiker aufzunehmen, ist es auch nicht allzu tragisch, wenn nicht alles so kommt, wie es kommen sollte.
09.04.2013, 05:00
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Von Hans–dieter Mahlstedt
Musterbeispiel für Präsenz

Silke Gutzeit im Bergwerk.

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Fischerhude. Sonnabend in Quelkhorn. Was tun? Diejenigen, die ausgehen wollen, etwas essen vielleicht und dazu noch handgemachte Musik genießen möchten, können sich den Weg nach Bremen sparen. Denn die Reihe "Songs and Whispers" der Musikkneipe Bergwerk bietet Möglichkeiten für beides. Und wenn dann noch lediglich der Hut herum gereicht wird, um den einen oder anderen Obolus für die Musiker aufzunehmen, ist es auch nicht allzu tragisch, wenn nicht alles so kommt, wie es kommen sollte.

Rosy Daze jedenfalls, angekündigt als harmoniesicheres Duo, sowohl auf der Bühne als auch im wirklichen Leben, kann an diesem Abend seine Arbeit als singendes Ehepaar nicht wie gewohnt aufnehmen. Lediglich Silke Gutzeit, die weibliche Hälfte des Ensembles, steht als musikalische Strohwitwe auf der kleinen Bergwerk-Bühne. "Mein Mann muss unsere Zwillinge hüten, wir konnten das einfach nicht anders hinkriegen", erklärt Silke Gutzeit mit ungekünstelter und schlichter Offenheit. Und als sie wenig später erzählt, dass sie die Liedbegleitung eines Songs nicht wie üblich auf ihrer Gitarre zupfen könnte, weil sie sich beim Brotschneiden ein Stück einer Fingerkuppe abgeschnitten hätte, menschelt es doch gewaltig im Bergwerk. Silke Gutzeit in ihrer Natürlichkeit und unbekümmerten Authentizität ist ein Musterbeispiel für eine Bühnenpräsenz, die aus nichts als der eigenen Persönlichkeit und ohne jede aufgesetzte Attitüde eine geradezu intime Beziehung zum Publikum herzustellen vermag. Man möchte Sie geradezu trösten, wenn sie wiederholt von der ihr ansonsten völlig fremden Nervosität spricht, die sie an diesem Bergwerk-Abend einfach nicht loslassen will.

Wie dem auch sei, Silke Gutzeit hätte an am Sonnabend auch ein Drei-Lieder-Programm in Endlosschleife darbieten können – so richtig übel genommen hätte ihr das vermutlich niemand. Ihre selbst geschriebenen, anrührenden und überzeugenden Lieder zwischen Folk, Pop und Country begleitet sie schlicht auf ihrer voluminösen Westerngitarre, die sie wohl nicht nur wegen der gekappten Fingerkuppe vornehmlich als Akkord-Geber einsetzt. Silke Gutzeit hat eine schöne Stimme, mit der sie auch den einzigen Cover-Song hingebungsvoll darbietet.

Irgendwie passt es zu ihr, dass sie ihre besondere Liebe zu einem der Stücke ausführlich beschreibt, ohne dann wenigstens den Titel und den ursprünglichen Interpreten zu nennen. Macht aber letztlich auch nichts.

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