Achimer Kulturausschuss

Nachfolgeregelung fürs Stadtarchiv wird später geklärt

Zwei Senioren kümmern sich in Achim derzeit ehrenamtlich ums Stadtarchiv. Dem Vorschlag der Verwaltung, eine halbe hauptamtliche Stelle dafür einzurichten, wollten die Fraktionen noch nicht folgen.
26.09.2018, 17:13
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Nachfolgeregelung fürs Stadtarchiv wird später geklärt
Von Kai Purschke
Nachfolgeregelung fürs Stadtarchiv wird später geklärt

Akten aus dem Keller des Rathauses sollen nun digitalisiert werden.

Sebi Berens

Achim. Das wollten sich Günter Schnakenberg und Helmut Köhler, die sich beide mit Unterstützung ihrer Ehefrauen und von Edith Bielefeld ehrenamtlich ums Achimer Stadtarchiv kümmern, nicht entgehen lassen. Und so waren sie am Dienstagabend im Ratssaal dabei, als der Ausschuss für Kultur und Sport darüber entscheiden sollte, ob er neben dem Verbleib des Stadtarchivs in Achim auch der Digitalisierung von Dokumenten und der Einrichtung einer halben hauptamtlichen Stelle fürs Stadtarchiv zustimmt. Diese drei Vorschläge stammen – wie berichtet – von der Stadtverwaltung, die sich um die Zukunft ihrer Schätze sorgt. Denn zum einen sind die räumlichen Kapazitäten arg begrenzt, zum anderen sind Schnakenberg und Köhler bereits jenseits der 70. „Wo bleibt ihr ganzes Wissen, wenn sie die Aufgabe nicht mehr erfüllen können?“, fasste der für Kultur zuständige Verwaltungsmann Stephan Leenen die alles entscheidende Frage zusammen.

Zuvor hatten die beiden passionierten Archivare ausgeführt, dass eine Nachfolge nicht geregelt ist. Schon gar nicht sei es so, dass jüngere Menschen bereitstünden, die angelernt werden und sich später um den Erhalt der Achimer Regionalgeschichte kümmern könnten. „Die Jugend interessiert sich wenig dafür, da kommt nichts nach“, sagte Schnakenberg. Doch davon ließen sich die Ausschussmitglieder nicht beeindrucken. Allen voran Herfried Meyer (SPD) führte aus, dass man sich zwar über das Thema „nicht so unterhalten“ hätte, er aber mit der halben Stelle, die als Nachfolgeregelung im Haushalt geschaffen werden soll, „ein großes Problem“ habe. Diese dauerhaften Personalkosten seien nicht der richtige Schritt, andere Lösungen müssten her. Deshalb beantragte Meyer, die Debatte über die halbe Stelle zu vertagen, die anderen Punkte aber zu beschließen.

So war der Ausschuss einstimmig dafür, das Stadtarchiv in Achim zu behalten und es nicht etwa an den Landkreis Verden abzutreten sowie in den nächsten beiden Jahren die Digitalisierung der Grundsteuer- und Gewerbeakten für insgesamt 20 000 Euro anzuschieben. Und einzig Rüdiger Dürr (CDU) votierte dagegen, zu einem späteren Zeitpunkt über die halbe Stelle zu entscheiden. Er dürfte im Sinne von Helmut Köhler und Günter Schnakenberg gehandelt haben, die vor der Eröffnung der Sitzung noch die Hoffnung formuliert hatten, dass sie hauptamtliche Unterstützung bei ihrer Arbeit erhalten und einen Nachfolger darauf vorbereiten könnten. „Da ist noch Arbeit satt, das reicht für ein Berufsleben“, sagte Schnakenberg. Seit 23 Jahren kümmert er sich um die Archivalien und weiß daher, dass jede Hilfe willkommen ist.

Aus ihrer Arbeit mit den Jugendlichen wissen die beiden Senioren, dass es entscheidend ist, auf welche Weise jungen Leuten Zugang zu Geschichte vermittelt wird. „Da muss man die Erfolgsmethode finden“, sagte Köhler. Das hat er beispielsweise während der Arbeit der Geschichtswerkstatt mit Achimer Gymnasiasten an dem Band „70 Jahre Stadt Achim“ erlebt. „Wie bitte, die soll ich alle lesen?“, habe eine Schülerin ihn mit Blick auf ein paar Bücher völlig entgeistert gefragt.

Um daher die Jugendlichen auf digitalen Wegen zu begeistern, möchte Leenen in der Stadtbücherei eine interaktive Karte auf einem Bildschirm präsentieren, der auf Berührungen reagieren und die Achimer Stadtgeschichte auf diese Weise erlebbar machen soll. Dafür hat der Ausschuss nun insgesamt 10 000 Euro für die nächsten beiden Jahre bewilligt, der weitaus größere Kostenanteil für das sogenannte interaktive Modul soll mit Förderungen gestemmt werden. Wie genau dieses Modul funktionieren soll und was Leenen im Detail vorhat, damit hielt er hinterm Berg. „Ich würde gerne, aber ich darf es Ihnen nicht genauer erzählen. Ich habe nämlich Angst, dass mir die Idee geklaut wird – das ist schon mal passiert“, erklärte er den Fraktionsvertretern. Erst wenn die Jury die Förderanträge beschieden habe, wolle er alle Einzelheiten zu dem Projekt preisgeben.

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