Bund prüft Ausbau der Güterzugstrecken im Kreis Verden / Bürgermeister der Region fordern Schallschutzwände Neue Trasse, mehr Züge, starker Lärm

Das Schienennetz im Landkreis Verden soll für die erwartete Steigerung des Güterverkehrs erweitert oder zumindest umgebaut werden. Die Bahn AG hat Alternativen zur umstrittenen Y-Trasse präsentiert. Welche genauen Auswirkungen der Streckenbau hat, steht noch nicht fest.
16.05.2013, 05:00
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Neue Trasse, mehr Züge, starker Lärm
Von Michael Kerzel

Das Schienennetz im Landkreis Verden soll für die erwartete Steigerung des Güterverkehrs erweitert oder zumindest umgebaut werden. Die Bahn AG hat Alternativen zur umstrittenen Y-Trasse präsentiert. Welche genauen Auswirkungen der Streckenbau hat, steht noch nicht fest.

Landkreis Verden. Steigt die Lärmbelastung durch Züge im Landkreis Verden? Das befürchten die Bürgermeister in Kirchlinteln, Wolfgang Rodewald (CDU), und in Achim, Uwe Kellner (SPD). Die Bahn AG und der Bund erwarten in den kommenden Jahren einen erhöhten Güterverkehr. Und dieser soll auf die Schiene gebracht werden. "Der Güterverkehr wird stark zunehmen und damit auch die Lärmbelastung für die Achimer. Wir sind die Betroffenen", sagt Kellner. Dabei spiele es keine Rolle, ob die sogenannte Y-Trasse oder die X-Alternative gebaut werde.

Die Option Y-Bahntrasse – sie verbindet Bremen, Hamburg und Hannover und sieht daher von oben aus wie ein Y – wird seit 1992 diskutiert. Die Bahn AG hat der niedersächsischen Landesregierung nun drei Alternativen dazu vorgestellt, von der nur die X-Version den Landkreis Verden direkt betrifft. Sie sieht vor, eine bestehende Linie, die Stendal in Sachsen-Anhalt über Langwedel und Achim mit Bremen verbindet, von Uelzen bis Langwedel auszubauen. Im Gespräch sind dabei eine Elektrifizierung der Strecke sowie der Bau eines zweiten Gleises. Dadurch könnten mehr Züge auf dieser Strecke, die an Kirchlinteln vorbeiführt, fahren, wodurch eine höhere Lärmbelastung entstünde.

Lärmschutzwände bei Ausbau

Genaue Daten dazu existieren noch nicht: "Wir ermitteln zur Zeit, welche Variante welche Auswirkungen hat", sagt der parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Enak Ferlemann (CDU). Bei der Berechnung werden sowohl die Kapazitäten für Zugverkehr als auch Umwelt- und Lärmauswirkungen einbezogen. Bis Ende dieses Jahres sollen die Alternativen durchgerechnet und gegenübergestellt werden, so dass im kommenden Jahr der Bürgerdialog im Mittelpunkte stehen könne. "Wir können den Bürgern dann transparent erklären, welche Alternative geeignet ist und warum sie den anderen vorgezogen wird", meint Ferlemann. Welche Variante die beste sei, stehe noch nicht fest. Geplant sei seitens der Politik gewesen, die verschiedenen Optionen zu analysieren und sie dann der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Bahn habe die Alternativen jedoch publik gemacht, so dass die Diskussion um die Auswirkungen nun anlaufe, ohne dass Fakten bereitstünden.

"Ob und wenn ja um wie viel höher die Lärmbelastung durch zusätzlichen Güterverkehr ausfällt, wissen wir noch nicht. Das ist hypothetisch, solange noch keine Daten vorliegen", sagt Kellner. Jedoch schaue die Stadt Achim sehr genau auf die Lärmbelastung und werde entsprechend reagieren. "Der Verursacher des Lärms ist auch für den Schutz der Betroffenen verantwortlich", stellt der Bürgermeister fest.

Kirchlintelns Bürgermeister Wolfgang Rodewald (CDU) erwartet eine "leicht höhere" Belastung durch den vermehrten Güterverkehr, da einige Häuser "nur einen Steinwurf von der Zugstrecke" entfernt lägen. "Momentan ist es erträglich, da nur wenige Güterzüge Kirchlinteln passieren", konstatiert er. Ein Lärmschutz existiert nicht in Kirchlinteln, würde bei einem Bau der Y-Trasse oder der X-Version jedoch installiert. "Der Ausbau der Strecke im Landkreis Verden würde wie ein Neubau behandelt. Dadurch haben die Anwohner Recht auf vollen Lärmschutz", sagt Ferlemann. Erhöhter Güterverkehr auf einer Strecke mit Lärmschutzwänden sei eine "totale Verbesserung" im Vergleich zu einer Strecke ohne Lärmschutzwand, auf der nur wenige Züge fahren. "Der Unterschied durch die Schallschutzwände ist gravierend", erklärt Ferlemann. Die Anwohner in Kirchlinteln würden so durch einen Ausbau der Strecke profitieren, sagt der Parlamentarische Staatssekretär.

Andreas Brand (SPD), Bürgermeister in Langwedel, sieht den möglichen Neu- oder Ausbau der Zugstrecken für seine Gemeinde gelassen. "Wir in Langwedel haben aktuell schon eine hohe Belastung, die Belastungen würden sich nur wenig erhöhen." Wichtig sei eine Diskussion mit den Bürgern. "Die Frage ist, was akzeptieren die Anwohner und welcher Bau ist sinnvoll? Und es ist wichtig, dass die Güterzüge lärmgedämmt werden", sagt Brandt.

Abwartend verhält sich die Bürgerinitiative BFU (Bürger für Umwelt). "Die Pressemitteilungen einzelner Politiker, dass die Y-Trasse aus dem Rennen sei, irritiert uns", erklärt Jürgen Hambrock von der BFU. Der Bürgerinitiative sei zugesichert worden, dass eine transparente Bewertung der Alternativen unter Einbeziehung der Initiativen erfolge.

"Im Moment gibt es viele verschiedene Aussagen. Alle Beteiligten wurden aus den Löchern gejagt und viel Chaos verbreitet", stellt Hambrock fest. Grundsätzlich begrüße er, dass nun Alternativen existieren. "Wir haben immer gesagt, dass wir eine objektive, offene Diskussion unter Beachtung der Faktoren Menschen, Technik, Kosten und Umwelt wollen."

Fest steht bisher lediglich, dass verschiedene Varianten geprüft werden, da der Güterverkehr auf der Schiene ansteigen wird. Die Auswirkungen sind noch unbekannt, die Diskussion läuft jedoch bereits.

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