Meyer-Verden-Gebäude

Neues Stockwerk und Zwischendecken

Wenn alles wie geplant läuft, könnte die Verdener Staatsanwaltschaft bereits 2021 ihr neues Domizil mit Aller-Blick beziehen. Auf 3000 Quadratmetern sollen dort 100 Beschäftigte Platz finden.
04.03.2020, 17:22
Lesedauer: 2 Min
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Von Marie Lührs

Eines der schönsten und modernsten Justizgebäude soll in den kommenden Monaten an der Aller entstehen. So zumindest lobt Verdens Bürgermeister Lutz Brockmann das Vorhaben. Da das dringend sanierungsbedürftige Justizgebäude am Johanniswall ohnehin schon aus allen Nähten platzte, suchte das Land 2018 nach einem Ausweichquartier. Gefunden wurde es im ehemaligen Meyer-Verden-Gebäude. Der Mietvertrag ist bereits unterschrieben. Er sieht eine Dauer von 30 Jahre vor. Eine Verlängerung ist möglich.

Der Backsteinbau aus dem Jahr 1949 war ein „Beifang“, wie Brockmann es nennt. Die Stadt hatte ihn vor zehn Jahren ohne konkretes Vorhaben erworben. Damals stand im Raum, durch einen Abriss die Parkpalette erweitern zu können. Schnell wurde jedoch deutlich, dass ein Abriss das Budget sprengen würde, und so blieb der Bau zunächst ungenutzt. Umso größer ist nun die Freude im Rathaus, mit dem Land Niedersachsen einen solventen Mieter gefunden zu haben. 100 Mitarbeitende der Staatsanwaltschaft sollen dort bereits 2021 ihre Büros beziehen können.

„Die Ausschreibungen laufen schon europaweit“, erklärt Hochbauleiter Wolfgang Tobias. Wenn sich zeitnah passende Firmen fänden, könnten die Bauarbeiten bereits im Mai beginnen. Etwa ein Jahr soll es dauern, das Gebäude für seinen neuen Zweck herzurichten. Der zur Aller zeigende Flügel werde um ein Stockwerk ergänzt, um zusätzlichen Platz zu schaffen, erklärt Tobias. Dafür ist eine leichte Konstruktion aus Holz und Glas geplant. Außerdem müssen in dem Gebäudeteil Decken eingezogen werden. Denn die ehemalige Kesselhalle ist aktuell zwei Stockwerke hoch. Auf der anderen Gebäudeseite wird das oberste Stockwerk mit Gauben versehen, um helle Arbeitsplätze zu ermöglichen. 3000 Quadratmeter benötigt die Staatsanwaltschaft und dafür hat das zuständige Architektenbüro aus Oldenburg die Möglichkeiten ausgereizt. „Es gibt keine großzügigen Konferenzräume“, nennt Tobias ein Beispiel dafür.

Ein gutes Gefühl hatte Kämmerer Andreas Schreiber schon, als er das Gebäude gemeinsam mit Mitarbeitern der Justiz im vergangenen Jahr besichtigte. „Wir trauen uns zu, es auf den neuesten Stand der Technik zu bringen“, zeigt er sich weiter zuversichtlich. Wie schnell das nun geht, hänge von der Auslastung der Baufirmen ab.

Dass das Land Immobilien für die Justiz anmiete, sei eine Seltenheit, erzählt Brockmann. Das Gebäude musste nicht nur für den Zweck geeignet sein, die Sanierung durfte auch nicht zu aufwendig sein. 14 Millionen Euro hat die Stadt dafür zunächst veranschlagt. Wie teuer die Arbeiten tatsächlich werden, werden die Ausschreibungsergebnisse zeigen. Wie viel Miete dafür in den kommenden Jahren in den Stadtsäckel fließt, verrät der Bürgermeister nicht. „Das Land darf nicht mehr zahlen als es wert ist, und wir dürfen nicht weniger verlangen als wir brauchen.“

„Alle Beteiligten sind sehr zufrieden“, fasst Angelika Gresel-Appelbaum, die leitende Oberstaatsanwältin, zusammen und bezieht sich dabei keineswegs nur auf die Finanzen. Denn die Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft freuen sich schon sehr auf ihre neuen Arbeitsplätze. Bevor diese bezogen werden, stehen allerdings auch der Staatsanwaltschaft noch einige Arbeiten bevor. Denn das neue Domizil bietet lediglich für 100 Mitarbeiter Platz – rund 40 bleiben am alten Standort. Die Arbeit müsse also neu organisiert werden, erklärt Marcus Röske, Pressesprecher und Oberstaatsanwalt. „Wir müssen uns fragen, wie wir uns neu aufstellen.“ Zudem wird sich die Arbeitsweise in den kommenden Jahren durch die Digitalisierung verändern, was sich wiederum auch auf den Platzbedarf auswirken kann. „Das ist eine ganz große Aufgabe.“ Wenn der Großteil der Staatsanwaltschaft umgezogen ist, soll die Sanierung am Johanniswall beginnen. Sind die Arbeiten erledigt, können Amts- und Landgericht sich über mehr Platz freuen.

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