Oyten Nicht einschüchtern lassen

Mein Heim ist mein Schloss – my home is my castle – so heißt es im englischen Sprachraum über die eigenen vier Wände. Woher das Sprichwort kommt, erklärt sich auf den ersten Blick.
15.10.2016, 00:00
Lesedauer: 1 Min
Zur Merkliste
Von Tina Hayessen

Mein Heim ist mein Schloss – my home is my castle – so heißt es im englischen Sprachraum über die eigenen vier Wände. Woher das Sprichwort kommt, erklärt sich auf den ersten Blick. Wenn ich zu Hause bin, will ich auch der Herr über diesen Platz sein, egal, ob er nun eher von bescheidener Größe ist oder tatsächlich fast Palastausmaße erreicht.

Das Heim ist deshalb auch besonders geschützt. Selbst, wenn man nur zur Miete wohnt, hat man ein verbrieftes Recht darauf, in der eigenen Wohnung bestimmen zu können – vor allem darüber, wer sich in ihr aufhalten darf. Entsprechend ist es verständlich, dass so einige Badener überhaupt nicht begeistert davon waren, dass sie kürzlich ungebetenen Besuch bekamen. Bettler standen vor den Türen der Badener, klingelten, wollten Geld und – so berichten Betroffene – gingen auch ungerührt um das ganze Gebäude herum, kundschafteten das Terrain aus. Sich in einer solchen Situation unwohl zu fühlen, ist wohl normal.

Und doch macht ein Bettler erst einmal nichts falsch, wenn er eine fremde Türklingel betätigt. Es ist zum Glück nicht verboten, ohne ausdrückliche Einladung an ein Haus heranzutreten. Was würde das für den Nachbarn bedeuten, der sich ein halbes Pfund Butter leihen möchte? Fragen geht also immer. Am besten ist es wohl, wenn man nichts geben möchte, man ignoriert die Nachfrage oder traut sich sogar zu, ganz deutlich und klar zu sagen: „Ich gebe nichts, bitte gehen Sie.“ Sollten die Besucher sich als hartnäckig erweisen, lohnt der Anruf bei der Polizei. Denn um das Gebäude herumzugehen, hat nicht mehr viel mit Betteln zu tun. Gleiches gilt für etwas, wovon einige Badener ebenfalls berichten: Das Mitnehmen eines Kindes auf die Betteltour. Da lohnt sich neben dem Anruf bei der Polizei auch gleich der beim Jugendamt.

Besonders frech wirkt das von Augenzeugen berichtete Verhalten, nachdem man die Bettler wegschicken wollte: Das ging demnach bis zum entblößten Hinterteil, das wütend in den Badener Herbstwind gehalten wurde. Ob das strafbar ist? Nun ja, es ist auf jeden Fall kalt. In so einer Situation wäre es natürlich am schönsten, man hätte tatsächlich ein Schloss oder gar eine Burg als Eigenheim. Da ließe sich immerhin die Zugbrücke hochziehen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+