Fußball-Landesliga

„Nicht erwartet, dass ich weitermache“

Frank Neubarth, ehemaliger Bundesligaprofi und derzeitiger Coach des FC Verden 04, spricht im Interview über seine Zeit in Verden, seinen Bekanntheitsgrad bei seinen Spielern und seine Zukunftspläne.
16.10.2019, 18:02
Lesedauer: 6 Min
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„Nicht erwartet, dass ich weitermache“
Von Patrick Hilmes
„Nicht erwartet, dass ich weitermache“

Hat den FC Verden 04 zum Klassenerhalt geführt und steht mit ihm in der neuen Saison auf Rang vier: Trainer Frank Neubarth.

Björn Hake
Herr Neubarth, Sie haben sich nach Ihrer Zeit als Sportlicher Leiter beim VfB Oldenburg vom Fußball zurückgezogen. Das war 2013. Hat diese fußballfreie Zeit gutgetan?

Frank Neubarth: Ich hatte in der Tat nicht mehr das ganz große Verlangen, irgendwo anzufangen. Dann hat sich die Zeit so dahingezogen und eigentlich hatte ich auch nichts vermisst. Es gab mal ein paar Gespräche mit Vereinen in der fünften Liga, aber es hatte nicht ganz gepasst. Dann kam die Anfrage aus Verden. Ich überlegte mir das und sagte dann: Okay, ich mache diese sieben Spiele und schaue dann weiter.

Der Kontakt kam über Dieter Burdenski zustande. Hatten Sie ihm erzählt, dass Sie sich wieder einen Trainerjob vorstellen könnten?

Nein. Wir sind immer in Kontakt, spielen in Werders Traditionself zusammen oder treffen uns auf anderen Veranstaltungen. Er hat einfach geguckt, wer könnte Lust und Zeit haben. Er rief mich dann an und sagte: Ich soll’s ruhig noch mal probieren (lacht).

Was hat dann beim FC Verden 04 gepasst, was bei anderen Vereinen nicht gepasst hat?

Die Zeit. Die sieben Spiele, die waren der Reiz. Ein kurzes Projekt, in das man alles reinwirft, alles probiert. Da hat man ja nichts zu verlieren. Die Situation war total verfahren – mehr oder weniger war man abgestiegen. Das war spannend. Zudem hatte ich gute Gespräche mit Andreas Höttler und Henning Breves. Es waren kurze Gespräche, denn ich merkte schnell, dass wir auf einer Wellenlänge liegen. Aber ich hatte selbst nicht erwartet, dass ich hier weitermache.

Was hat Sie dennoch dazu bewegt?

Es hat einfach Spaß gemacht. Und das sind nette Jungs, das war die Grundvoraussetzung. Dass man merkt, dass in der Mannschaft keine Typen sind, mit denen man nicht klarkommt oder Gruppen, die nicht miteinander können. Die Jungs machen nach dem Spiel mal ein Bier auf, quatschen und freuen sich. Das hat dann so einen Retro-Aspekt für mich – wie ich damals selbst angefangen habe. Da gab es auch viel Kameradschaft, wir saßen zusammen und tranken ein Bierchen.

In dieser Saison ist nun alles anders: Der Abstieg wurde vermieden und nun ist das Team auf Platz vier zu finden. Was machen Sie anders als Ihr Vorgänger Sascha Lindhorst?

Das kann ich nicht vergleichen, ich weiß nicht, wie mein Vorgänger trainiert hat. Ich kann nur sagen, was wir machen. Wir haben vorwiegend im technischen und taktischen Bereich trainiert. Wir versuchen, die Dinge fußballerisch umzusetzen. Kämpferisch ist so ein Punkt, in dem die Mannschaft noch Luft nach oben hat. Unsere Leistungen sind nach wie vor schwankend. Wir haben gegen die Mannschaften, die unten stehen, einfach zu viele Punkte liegen lassen. Daran sieht man, dass wir noch nicht ganz so weit sind. Jetzt kommt auch der ein oder andere Gegner, der stärker einzuschätzen ist. Da müssen wir erst mal schauen, ob wir uns behaupten können. Zudem haben wir immer zu viele Ausfälle. Mal heiratet einer, mal ist einer Urlaub, andere sind verletzt. Das sind auch Dinge, an denen man drehen muss. In vielen Bereichen muss einfach mehr Kontinuität rein.

Wohin wird die Reise des FCV in dieser Saison gehen?

Wir wollen ganz klar nicht unten reinrutschen – nicht mehr und nicht weniger. Man muss sehen, dass wir sechs A-Jugendliche neu dabei haben, der Sprung ist heftig. Hätten wir gegen die unteren Mannschaften wie zuletzt gegen Gellersen souverän 2:1, 3:1 oder 4:1 gewonnen, dann hätte ich gesagt: Okay, wir sind weiter. Aber das sind wir nicht. Wir haben es nicht geschafft, unsere Chancen und Feldüberlegenheit in einen Sieg umzumünzen. Daher richtet sich mein Blick erst mal nach unten, damit wir nicht wieder in Schwierigkeiten geraten.

Einer der auffälligsten Spieler dieser Saison ist einer, dem in der vergangenen Saison teils die Landesliga-Tauglichkeit abgesprochen wurde: Nick Zander, der nun mit sechs Treffern der beste FCV-Stürmer ist. Ist das ein Resultat vieler Einzelgespräche?

Ich setze mich nicht mit jedem einzelnen Spieler zusammen, versuche aber im Training Hinweise zu geben, was er besser machen kann. Darum geht es ja. Wir haben ihm Laufwege aufgezeigt und er wird gut durch seine Mitspieler bedient. Zudem ist Nick unheimlich laufstark und hat ein Stück weit ein Näschen vor dem Tor. Aber er könnte noch viel besser sein, wenn er ein bisschen konzentrierter wäre. Bei den Chancen, die er hatte, müsste er eigentlich Minimum das Doppelte an Toren haben. Aber Chancenverwertung ist bei uns ja eh eines der großen Probleme. Wenn man die Spiele gegen Gellersen oder Emmendorf sieht – das ist brutal ärgerlich, das sind Schmerzen, das tut echt weh.

Welcher Typ Trainer sind Sie?

Ich sehe mich hier nicht als Motivator. Die Spieler kommen nicht her, weil sie das große Geld wegschleppen. Die kommen, weil sie Spaß am Fußball haben und besser werden wollen. Ich springe hier nicht im Achteck und mache sonst was. Das passt auch nicht zur Liga. Viel wichtiger ist, dass man sich fußballerisch verbessert. Sicher gibt es Teams, die leben über ihre Motivation, Kampf und Laufbereitschaft. Aber so sehe ich uns nicht. Ich bin eher analytisch, arbeite die Spiele auf und danach richtet sich auch der Großteil des Trainings. Ich sehe mich als Entwickler der einzelnen Spieler und der Mannschaft.

Stichwort Mannschaft: Ausschließlich junge Spieler aus der eigenen A-Jugend sind im Sommer zum Team gestoßen, keiner von extern. Ist es ein Problem, dass Sie so lange aus dem Geschäft raus waren und heute nicht mehr die Kontakte haben wie andere Trainer?

Nein, eher im Gegenteil. Ich sehe das als Vorteil, da die Spieler mal was anderes kennenlernen. Spieler von außen zu holen, ist eh nicht meine Aufgabe. Ich beschäftige mich mit denen, die da sind. Und so, wie es gehandhabt wird mit den jungen Spielern aus der Region, finde ich es gut. Mit irgendwelchen Altstars zu trainieren, darauf hätte ich gar keine Lust. Ich freue mich, die jungen Spieler entwickeln zu können. Das ist viel interessanter.

Was vermissen Sie aus dem Profibereich?

Das Vormittags- und Nachmittagstraining (lacht).

Sie können es ja versuchen, in Verden einzuführen.

Dann stehe ich aber wahrscheinlich alleine da (lacht). Aber klar, dann hat man mehr Einheiten, mehr Möglichkeiten, eine größere Anzahl an Spielern. Jetzt im Amateurbereich steht man da mit 15, 16 Leuten, manche taktischen Dinge kann man eben nicht trainieren, wie man es sich vorstellt.

In welchem Punkt ist der Amateurfußball besser als der Profifußball?

Es ist alles entspannter. Hinterher trinkt man zusammen ein Bierchen, die Jungs haben einen guten Draht untereinander. Es ist einfach ein netter Kreis, eine schöne Atmosphäre.

Hat einer Ihrer Spieler mal nach einem Autogramm gefragt?

Nein, einige der jungen Spieler müssten ja erst mal googeln, wer das denn ist (schmunzelt). Ich erzähle mal die ein oder andere Anekdote, wie es damals ablief. Die freuen sich dann, aber ich erzähle jetzt nicht immer nur alte Geschichten.

Machen Sie sich mittlerweile genauso viele Gedanken nach und vor den Spielen wie damals in der Bundesliga?

In der Tat, das war auch von Anfang an so. Ich habe gesagt: Wenn ich es mache, dann mache ich es richtig. In solch einer Situation will man ja alle Möglichkeiten ausschöpfen, um den Abstieg zu vermeiden. Das ist dann ja auch eine coole Geschichte wie damals bei Jena (FC Carl Zeiss Jena, 2. Bundesliga, Saison 2006/2007, Anm. d. Red.), als wir sechs Spiele hatten, um den Abstieg zu vermeiden. Jetzt ist das genauso. Was aber anders ist: Ich bin deutlich entspannter. Viele denken ja immer: Der ist so ruhig. Aber als junger Trainer bin ich manchmal abgegangen, habe einige Platzverweise bekommen und bin auch ein paar mal ausgerastet vor der Mannschaft. Das passiert mir heute so nicht mehr. Das bringt auch nichts, das ist mit Spielern wie bei Kindern: Das geht da rein und da wieder raus. Und die denken sich: Der Alte spinnt schon wieder (lacht).

Ist Verden für Sie nur der Startpunkt für die Rückkehr ins Profigeschäft?

Nein, absolut nicht. Ich habe nicht vor, nach oben durchzustarten. In dem Alter ist das sowieso nicht mehr angesagt (schmunzelt). Es gibt nur ganz wenige Vereine in der sechsten Liga, bei denen ich mir vorstellen könnte zu trainieren. Es muss halt alles stimmen.

Wird Verdens Trainer auch in der kommenden Saison Frank Neubarth sein?

Das kann ich noch nicht sagen. Aber ich bin da ganz entspannt und sehe relaxt in die Zukunft. Es wäre schön, wenn es weitergeht. Aber es muss Spaß machen und wir wollen eine Entwicklung sehen.

Das Interview führte Patrick Hilmes.

Info

Zur Person

Frank Neubarth (57)

übernahm Ende der vergangenen Saison als Trainer den Fußball-Landesligsten FC Verden 04. Von 1982 bis 1996 spielte er 317 Mal für Werder Bremen in der Bundesliga und erzielte dabei 97 Tore. Nach seiner aktiven Karriere war er unter anderem auch Trainer des FC Schalke 04.

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