Einleitung von Kali-Lauge: Der Lösungs-Prozess stockt / Belastung im Kreis Verden hat sich aber stark verringert Noch zu viel Salz in der Weser

In den vergangenen Jahren hat es laut Gerd Schröder in der Weser im Kreis Verden keine Fischkrankheiten mehr gegeben. Der Vorsitzende der Aller-Weser Fischereigenossenschaft verfolgt das Problem der Fluss-Versalzung seit den 80ern.
14.02.2015, 00:00
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Von Elisabeth Hintze

In den vergangenen Jahren hat es laut Gerd Schröder in der Weser im Kreis Verden keine Fischkrankheiten mehr gegeben. Der Vorsitzende der Aller-Weser Fischereigenossenschaft verfolgt das Problem der Fluss-Versalzung seit den 80ern.

Ein Thema, das seit Jahrzehnten für Zündstoff sorgt, sagt Gerd Schröder. Vieles sei darüber geschrieben worden, als Vorsitzender der Aller-Weser Fischereigenossenschaft habe er haufenweise Akten mit Dokumenten daheim. Eine Ewigkeitslast, so nennt es auch Josef Voss. Der Referent für Umwelt, Landwirtschaft und Verbraucherschutz der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen begleitet den Prozess auf der politischen Schiene. Den Prozess der andauernden Versalzung von Werra und Weser durch die Kali-Industrie K + S AG.

Jährlich leitet das Bergbauunternehmen mit Sitz in Kassel, das sich auf die Kali- und Salzförderung spezialisiert hat, Millionen Kubikmeter Salzlauge, die bei der Salzgewinnung entstehen, durch Verpressung ins Erdreich. Durch das Grundwasser gelangt die Salzlauge in die Werra. Umweltschützer befürchten seit jeher massive Auswirkungen auf das Ökosystem in und an der Werra. Auch die Weser, die bei Hannoversch Münden aus dem Zusammenfluss von Werra und Fulda entsteht, ist betroffen.

„Das Problem wird auch in den kommenden Jahrzehnten bestehen bleiben“, ist sich Gerd Schröder sicher. Die Salzbelastung sei in der Werra zwar am höchsten, aber die Auswirkungen auf die Weser seien vorhanden. Zwar halte sich die Belastung im Landkreis Verden in Grenzen und habe sich seit 1990 um gut 70 bis 80 Prozent verringert – positive Faktoren seien die hinzufließende Aller, die für eine größere Vermischung sorge, sowie die „vernünftig arbeitenden“ Klärwerke in der Region. Doch die Werte der Salzbelastung in der Weser schwankten, sagt Schröder. Das habe Auswirkungen auf die Lebewesen und die Pflanzenwelt. Der Zustand der Weser habe sich seit der Wiedervereinigung erheblich verbesser: Damals schlossen mehrere DDR-Bergwerke. Dennoch zählen Werra und Weser zu den salzhaltigsten Flüssen Deutschlands. „Das ist ein Zustand, der nicht zu tolerieren ist.“

Immerhin: Der Vorsitzende hat in der Region in den vergangenen 20 Jahren keine nennenswerten Fischkrankheiten dokumentieren können. „Die Fänge sind ausreichend, die Fische wachsen und entwickeln sich gut.“ Die Wasserqualität habe sich soweit verbessert, dass man „heute in der Weser wieder ohne Probleme“ baden könne.

Derzeit fallen aus der Kaliproduktion jährlich 13,5 Millionen Kubikmeter Abwasser an, die zum Teil in den Untergrund verpresst und größtenteils über Werra und Weser in die Nordsee eingeleitet werden, erklärt Referent Josef Voss. Die laufende Verpressungsgenehmigung laufe Ende 2015 aus, die Einleitungsgenehmigung Ende 2020. Bis dahin muss K + S nach bisherigem Genehmigungsstand die Abwasser auf 8 Millionen Kubikmeter pro Jahr senken.

Der Runde Tisch „Gewässerschutz Werra/Weser und Kaliproduktion“, 2007 von den Ländern Thüringen und Hessen gemeinsam mit der K + S AG ins Leben gerufen, hat drei Lösungsvarianten diskutiert: den Bau einer Pipeline zur Oberweser und Einleitung in die Oberweser bei Bad Karlshafen. Diese Variante wurde vom Runden Tisch nicht präferiert, da sie das Problem lediglich verlagere. Auch eine technische Lösung vor Ort sei derzeit nicht umsetzbar. Der Runde Tisch sprach sich hingegen für den Bau einer Pipeline zur Nordsee aus. Doch sowohl K + S als auch das Land Niedersachsen lehnen dieses Vorhaben ab. Diskutiert wird zudem ein Vier-Phasen-Plan, der im vergangenen Jahr vorgestellt wurde. Ziel: die Süßwasserqualität in Werra und Oberweser wiederherzustellen.

„Es ist ein Hin und Her. Doch die Zeit drängt“, betont Voss. Denn: 2012 hat die Europäische Union (EU) ein Vertragsverletzungsverfahren wegen Verstoßes gegen die Wasserrahmenrichtlinien eingeleitet. Bis Ende dieses Jahres soll Deutschland, konkret die Flussgebietsgemeinschaft Weser (die Weser-Anrainer-Länder), einen Plan vorlegen, wie das Problem der Salzeinleitung zu lösen sei.

„Die Weser ist so salzig wie die Nordsee“, erklärt Voss noch einmal das Problem. Sollte bis Ende 2015 kein Plan vorliegen, könnte die EU-Kommission vor dem Europäischen Gerichtshof gegen ihr Mitgliedsland Deutschland klagen und ein Bußgeld verhängen, und das würde laut Voss „äußerst empfindlich“ ausfallen. Wie eine dauerhafte Lösung zu finden sei und welcher Schritt der nächste sei – der Referent wagt keine Prognose.

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