Lesung Öko-Humor mit fadem Beigeschmack

Thedinghausen. Eine Öko-Lesung mit fadem Beigeschmack: Wie hat sich Andreas Hoppe alias Tatort-Kommissar Mario Kopper alleine unter Gurken geschlagen? Das wollten gut 300 Gäste wissen und waren zur Lesung auf den Eißeler Böse-Hartje-Hof gekommen. Der zäh vorgetragene Inhalt sorgte in der ersten Dreiviertelstunde kaum für Begeisterung. Dafür gab es in Durchgang Nummer zwei bessere Unterhaltung.
18.07.2010, 15:50
Lesedauer: 2 Min
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Von Alexander Klay

Thedinghausen. Eine Öko-Lesung mit fadem Beigeschmack: Wie hat sich Andreas Hoppe alias Tatort-Kommissar Mario Kopper alleine unter Gurken geschlagen? Das wollten gut 300 Gäste wissen und waren zur Lesung auf den Eißeler Böse-Hartje-Hof gekommen. Der zäh vorgetragene Inhalt sorgte in der ersten Dreiviertelstunde kaum für Begeisterung. Dafür gab es in Durchgang Nummer zwei bessere Unterhaltung.

Ein Erdbeerjoghurt hat im Schnitt gut 3500 Kilometer hinter sich, bis er in unseren Mägen landet. Ganz schön weit, das kann ja eigentlich nicht gut fürs Klima sein: 'Wie weit hatte ich mich schon von einer natürlichen Ernährung entfernt?', philosophierte Andreas Hoppe zu Beginn der Lesung auf dem Biohof - und das fragte sich auch so manch Zuschauer, doch eine Antwort sollte erst einmal nicht folgen. Stattdessen schweifte der Tatort-Ermittler in detaillierte Kindheitserinnerungen an das geteilte Berlin ab. Die mögen zwar ein Buch füllen, sind jedoch im knappen Programm einer Lesung eher fehl am Platz. Die Quintessenz: 'Die gesamte Kindheit habe ich mich mit Sachen aus dem eigenen Garten ernährt, der Weg war nicht weiter als 25 Meter', erklärte der Schauspieler.

Mehr Applaus für den Musiker

Mit hochtrabenden Worten schilderte Hoppe seinen Aufbruch zu seinem neuen Öko-Ego: 'Warum hatte ich nur all das aus meiner Kindheit verlernt?', fragte er und redete zum Abschied in die Pause platt daher: 'Mir war klar, dass ich diesen Fall nicht an einem Sonntagabend in 90 Minuten lösen kann.' Bezeichnend war dann auch, dass der Saxophonist nach seinen Einlagen in der Unterbrechung einen herzlicheren Applaus vom Publikum bekam, als die beiden Buchautoren auf der mit Gurken dekorierten Anhänger-Bühne.

Aber das Autoren-Duo - Hoppe trat mit Co-Autorin Jacqueline Roussety auf - konnte doch noch die Wende kriegen: Auf die schwache erste Hälfte folgte immerhin ein unterhaltsamer zweiter Teil - denn nun ging es endlich ans Eingemachte, Tatort-Kommissar Kopper beschrieb lebhaft seine ersten Versuche, dem eigenen Beet Früchte zu entlocken. Mit Cordhose und Strohhut gekleidet zog Hoppe auf seinen jüngst erworbenen Acker und startete die ersten Versuche mit Möhrensamen - musste aber schnell lernen, dass er von den richtigen Anbaumethoden nicht wirklich Ahnung hatte, wie er mit einem Schmunzeln eingestand.

Die Einkaufstour seiner Muse brachte auch keine erquicklicheren Genüsse zu Tage: Als sie ihm eine grünkohlähnliche Pampe auf dem Teller präsentierte, dachte er nur: 'Was hätte ich in diesem Moment für das Catering des SWR getan?' Zwar sollte bis zur ersten Gemüseernte noch einige Zeit vergehen, doch die Apfelbäume waren bereits prallvoll mit Früchten. Der Speiseplan für die nächsten Tage: Apfelmus, Apfelkuchen und zur Abwechslung: Äpfel. 'An apple a day keeps the doctor away', heißt ein bewährtes Sprichwort. Aber Hoppe meinte dazu nur trocken: 'An apple a day does not keep schlechte Laune away.'

Natürliche Würmer

Bei der langsam einsetzenden Apfelschwemme gab es für den Kommissar nur eine Lösung: Die Ernte an Freunde verschenken. Freunde, die üblicherweise großen Wert auf Bio und Co legen, wie er erzählte. Doch als plötzlich die Natur in Form von Würmern zu Tage getreten sei, habe es mehr versteinerte Blicke gegeben - 'trotz Ökologie und so', flachste Andreas Hoppe und stellte belehrend fest: 'Es ist sehr leicht, in der Stadt zu sitzen und zu sagen, dass einfach alles nur noch Bio sein dürfte.' So nahm die Lesung mit dem gelungeneren zweiten Teil dann doch noch ein unterhaltsames Ende.

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