Jugendarbeit in Achim

Ohne Raum, aber mit vielen Ideen

Einen Raum hat der Verein SoFa für die Jugendarbeit an den Achimer Schulen noch nicht, starten soll das Angebot aber bereits nach den Osterferien. Aber Not macht bekanntlich eben auch erfinderisch.
04.04.2019, 16:13
Lesedauer: 3 Min
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Ohne Raum, aber mit vielen Ideen
Von Elina Hoepken
Ohne Raum, aber mit vielen Ideen

Mit Sprühdosen und alten Schallplatten ließen Mohammad (links) und Fabien (vorne rechts) kleine Kunstwerke entstehen

Björn Hake

Stimmengewirr und hektisches Fußgetrappel sind in den Pausenzeiten keine ungewöhnlichen Geräusche an der Achimer Realschule. Was sich am Donnerstagvormittag unter diese Geräuschkulisse mischte, ist dann aber doch sonst eher selten zu hören. Aus den Boxen eines Ghettoblasters drang Hip-Hop-Musik, einige Meter weiter tobten sich einige Schüler an Tamburin, Trommeln und Co. aus. In diesem Gewusel ging das beständige Zischen schon fast unter, das die Spraydosen von sich gaben, mit denen einige Schüler alte Schallplatten verzierten.

Der Andrang der Schüler war durchaus groß beim „Campus Labor“, das der Verein SoFa am Mittwoch und Donnerstag an der Achimer Realschule veranstaltete. „Wir sind mit dem Angebot jetzt bereits an der fünften Schule“, erklärte Jan-Henning Göttsche, Jugendsozialarbeiter bei SoFa. Neben der IGS sei man bereits an der Erich-Kästner-Schule, dem Cato-Gymnasium und der Hauptschule gewesen. Nach den Osterferien erfolge dann noch ein Besuch am Gymnasium am Markt. All das ist im Grunde, wie der Name schon sagt, ein Versuchsballon, um zu sehen, welche Angebote bei den Jugendlichen gut ankommen und was ihnen auch zukünftig gefallen könnte. Denn SoFa soll nach einer Vereinbarung mit der Stadt Achim zukünftig 14 Stunden pro Woche Jugendarbeit direkt an den Schulen anbieten. Einen entsprechenden Raum gibt es dafür, wie berichtet, bisher allerdings noch nicht. Also müssen die Verantwortlichen kreativ werden.

Ein Versuchslabor

Dass sie mit ihrem Versuchslabor den Nerv der Jugendlichen durchaus getroffen haben, zeigten die zufriedenen Gesichter der Schüler. Einer von ihnen war Fabien. Der Zwölfjährige geht an der Realschule in die siebte Klasse und hatte sich in seiner Pause kurzerhand hinter einen der beiden Plattenspieler gestellt, die an diesem Vormittag zu Kunstutensilien umfunktioniert wurden. Kräftig drehte er an der Platte, während sein Klassenkamerad Mohammad vorsichtig mit der Spraydose Farbe auf der Schallplatte verteilte. Durch die Rotation entstanden richtige kleine Kunstwerke, die die Schüler im Anschluss mit nach Hause nehmen konnten.

„Ich finde, das ist ein sehr cooles Angebot“, sagte Fabien. Jugendarbeit direkt in der Schule könne er sich auch für die Zukunft sehr gut vorstellen. „Dann sitzen wir alle nicht nur zu Hause vor dem Fernseher, sondern machen auch in Gemeinschaft etwas. Das ist doch toll“, sagte er. Doch das Projekt von SoFa soll nicht nur dazu dienen, dass die Jugendlichen in den Pausen und ihrer Freizeit etwas Abwechslung bekommen. Das Campus-Team, zu denen neben Jan-Henning Göttsche auch die SoFa-Mitarbeiter Sebastian Jolov, Laura Lindenberg, Franziska Windeler, Kerstin Elfers und der Praktikant David Tobaben gehören, erhofft sich von den Schülern auch konkrete Anregungen, wie die Jugendarbeit an den Schulen zukünftig aussehen soll.

Ein Wünsche-Plakat

Daher konnten die Schüler auf einem großen Plakat auch ihre Wünsche verewigen, was sie gerne für Angebote hätten und wie sie selbst am liebsten ihre freie Zeit verbringen. „Wir haben durch die Besuche der Schulen bestimmt schon 100 unterschiedliche Ideen der Achimer Schüler zusammengetragen “, sagte Göttsche. Nun gelte es, diese auszuwerten und zu überlegen, wie man die Jugendarbeit an den Schulen zukünftig organisiert. Denn ohne einen entsprechenden Raum müsse man natürlich speziell in den Wintermonaten erfinderisch sein. „Es macht in unserer Situation aber keinen Sinn, nur die Probleme zu sehen, sondern wir müssen Lösungen finden“, brachte es der Jugendsozialarbeiter auf den Punkt. Schließlich könne es für ein solches Konzept der Jugendarbeit auch sinnvoll sein, wenn man nicht auf einen Raum festgelegt sei.

Auch die Schulen selbst hätten ein Interesse daran, die Jugendarbeit vor Ort mit Leben zu füllen und hätten schon einige positive Angebote gemacht. „Für uns geht es nun darum, zu schauen, welches Angebot wo möglich ist“, sagte Göttsche. Nach den Osterferien soll die Campus-Arbeit dann konkret starten. Als Erstes ist geplant, ein eigenes Campus-Logo zu entwerfen und dieses dann auf T-Shirts zu drucken. „Im Grunde ist es jetzt auch ein kleiner Wettbewerb unter den Schulen“, erklärte Jolov. „Die Frage ist, welche Schule zusammen mit uns das coolste Projekt anschieben möchte.“ Geplant sei in diesem Jahr auch wieder ein Campus-Open-Air. „Allerdings vermutlich über einen längeren Zeitraum und dafür aber nur ein- bis zweimal in der Woche“, kündigte Göttsche an.

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