Handball-Oberliga

Plötzlich in der Oberliga

Der junge Torhüter Linus Ruschenbaum kommt erstmals in der ersten Mannschaft der SG Achim/Baden zum Einsatz. Bei seiner Premiere gegen Bremervörde kann er auch durchaus überzeugen.
11.03.2019, 18:30
Lesedauer: 2 Min
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Plötzlich in der Oberliga
Von Florian Cordes

Achim. Viele Höhepunkte hatte das Spiel zwischen der SG Achim/Baden und dem TSV Bremervörde nicht zu bieten. Wie auch? Zu groß war der Leistungsunterschied zwischen den beiden Handball-Oberligisten. Mit 31:8 gewann die SG gegen harmlose Gäste. Sieben Minuten vor dem Abpfiff brandete in der Gymnasiumhalle aber Applaus auf. Selbst Achims Linksaußen Michele Zysk – obwohl er sich mit seinem Team gerade im Angriff aufhielt – klatschte in die Hände. Der Grund: Arne von Seelen hatte im Tor für Linus Ruschenbaum Platz gemacht. Für den jungen Ruschenbaum war es ein ganz besonderer Moment. Denn er kam zum ersten Mal für die SG Achim/Baden in der Oberliga Nordsee zum Einsatz. Und es sollte für den 21-jährigen ein erfolgreicher werden.

Gleich nach seiner ersten Aktion streckte Linus Ruschenbaum die Faust in die Luft, drehte sich in Richtung Bank und setzte ein breites Grinsen auf. Es war ihm gelungen, den ersten Wurf, den er jemals in der Oberliga auf sein Tor bekam, zu halten. Besonders schön sei seine Parade aber nicht gewesen, sagte Ruschenbaum schmunzelnd: „Irgendwie habe ich den Ball so halb mit dem Kopf abgewehrt.“ Eine leichte Rötung auf seiner Stirn war der Beweis dafür. doch Schmerzen habe er nicht empfunden. Dafür war die Freude, Oberliga-Luft schnuppern zu dürfen, bei ihm viel zu groß. Normalerweise läuft der Keeper für die SG Achim/Baden III auf. In der vergangenen Saison schaffte er mit dem Team den Sprung von der Regionsoberliga in die Landesklasse. Dort mischt er mit der dritten Mannschaft der SG in der Spitzengruppe mit.

Linus Ruschenbaum hat an den Erfolgen des Teams großen Anteil. Nicht umsonst wird er von seinem Trainer Ralf Wesemann häufig gelobt. „Dass ich jetzt mal in der ersten Mannschaft ran durfte, ist auch eine Bestätigung für meine Leistungen“, sagte der Torhüter. Tobias Naumann, Coach des SG-Oberligateams, konnte dem nur beipflichten. „Es war einfach mal an der Zeit, dass Linus eine Chance erhält.“

Dass er gegen Bremervörde in den Kader rutschte, lag auch daran, dass mit Olaf Sawicki und Bastian Meinken gleich beide Ersatzkeeper der Ersten Herren aus gesundheitlichen Gründen ausgefallen waren. „Am Freitag bekam ich per Whatsapp die Nachricht, dass zwei Torhüter ausfallen und ich Zeit hätte auszuhelfen“, erklärte Ruschenbaum. „Ich habe dann ein paar Termine verlegt, um auf jeden Fall dabei sein zu können.“ Für den Keeper war auf Anhieb klar – die Chance auf einen Oberliga-Einsatz wollte er sich nicht entgehen lassen. „Wer weiß, ob ich diese Möglichkeit noch ein zweites Mal bekomme.“

Doch so weit wollte er am Sonnabend gar nicht denken. Es galt, das unbekannte Erlebnis aufzusaugen. „Das Gefühl, in der Oberliga zu spielen, ist schwierig zu beschreiben“, meinte Ruschenbaum. „Es war aber unglaublich, vor so einer Kulisse zu spielen.“ Schließlich ist es in der Landesklasse unüblich, dass mehr als 200 Zuschauer auf der Tribüne der Gymnasiumhalle Platz nehmen. Als der Erfolg gegen den TSV Bremervörde längst gesichert war, entschied sich Tobias Naumann schließlich dazu, von Seelen vom Feld zu nehmen und das Warten des spontanen Ersatztorhüters zu beenden. „Und dann war ich froh über jede Sekunde, die ich spielen durfte“, freute sich Ruschenbaum. Während der sieben Minuten, die er auf dem Feld war, kassierte er lediglich ein Gegentor – per Siebenmeter. Abgerundet wurde seine Oberliga-Premiere kurz vor dem Abpfiff: Denn auch den letzten Wurf der Gäste parierte Linus Ruschenbaum. Diesmal musste der Kopf nicht helfen.

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