Bahnstrecke

Politik stärkt Eisenbahn GmbH

Die Bremen-Thedinghausen-Eisenbahn GmbH (BTE) kostet die Samtgemeinde jedes Jahr Geld. Dennoch: Ein Ausstieg der Samtgemeinde als Gesellschafterin der GmbH wird nicht geprüft.
07.02.2018, 17:09
Lesedauer: 3 Min
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Politik stärkt Eisenbahn GmbH
Von Onno Kutscher
Politik stärkt Eisenbahn GmbH

Auf dem Streckenabschnitte der Bremen-Thedinghausener Eisenbahn GmbH verkehren unter anderem Museumszüge.

FOCKE STRANGMANN

„Zu teuer“, „hoffnungsloses Unterfangen“, „keine Perspektive“. Die Kritiker der Bremen-Thedinghausen-Eisenbahn GmbH (BTE) sind am Dienstagabend während der Samtgemeinderatssitzung deutlich geworden und hielten mir ihren Bedenken, was die Zukunft der BTE angeht, nicht hinter dem Berg. Zur Diskussion stand im Gasthaus Schierloh in Felde nämlich ein Antrag eben dieser Kritiker, zu denen die Unabhängigen Bürgerliste (UBL) und die Gruppe FDP/von Hollen gehört. Die hatten, wie berichtet, einen Antrag gestellt, in dem die Verwaltung beauftragt wird, den Ausstieg der Samtgemeinde Thedinghausen als Gesellschafterin der BTE rechtlich prüfen zu lassen und damit verbundene Kosten aufzuzeigen. Dieser wurde letztlich abgelehnt, im Vorfeld wurde aber ausgiebig diskutiert.

Im Antrag heißt es, dass die BTE seit Jahren Verluste aufweise, damit sei auch in den Folgejahren zu rechnen. "Auch ist damit zu rechnen, dass die Kosten steigen. Letztlich werden Steuergelder ausgegeben. Wir sind den Bürgern schuldig, zu zeigen, was ein Ausstieg kosten würde", sagte Dieter Tank von der FDP, "denn die bisherigen Verluste wurden durch die Gesellschafter ausgeglichen, dies wird auch weiterhin erforderlich sein". Investitionen und Reparaturen würden zudem durch Bürgschaften der Gesellschafter abgesichert, auch hier sei zukünftig mit zu rechnen. "Eine Umkehr der bestehenden Situation ist nicht erkennbar.“ Das untermauerte auch noch Rainer Klukowski (UBL), der aufzeigte, dass man 2010 noch rund 22 000 Euro Verlustausgleich zahlen musste, mittlerweile sei man im sechsstelligen Bereich.

Die BTE wurde 1999 gegründet. Gegenstand des Unternehmens war und ist seitdem der Betrieb von Eisenbahninfrastruktur, der Betrieb von Eisenbahnen für den Güter- und Personenverkehr sowie der Betrieb von Güterverkehr und Spedition, heißt es dazu in einer Vorlage der Verwaltung. Anlass für die Gründung sei gewesen, dass die Aktienmehrheit der damaligen Betreiberin der Bahnstrecke Bremen-Thedinghausen, die Bremisch-Hannoversche-Eisenbahn AG (BHE) mit Sitz in Frankfurt am Main, von der Firma WCM übernommen wurde, die daraufhin den Antrag auf Stilllegung gestellt hatte, schreibt die Verwaltung.

Die Samtgemeinde wollte die Eisenbahnstrecke Bremen-Thedinghausen aber als Verkehrsinfrastruktureinrichtung für den Bereich der Samtgemeinde erhalten. Um dieses Ziel zu erreichen, gründete sie mit den Gemeinden Stuhr und Weyhe sowie der Bremer Vorortbahn GmbH die Firma Bremen-Thedinghausen-Eisenbahn GmbH. Verluste der GmbH werden von den kommunalen Gesellschaftern getragen: Gemeinde Stuhr und Weyhe jeweils 40 Prozent, Samtgemeinde Thedinghausen 20 Prozent.

Einigkeit herrschte am Dienstagabend darüber, dass es kein guter Zustand sei, dass die BTE Jahr um Jahr Verluste erziele. Rückenwind bekam der Antrag der UBL und der Gruppe FDP/von Hollen aber nicht. Samtgemeindebürgermeister Harald Hesse: „Ich sehe keinen Anlass, auszusteigen. So etwas jetzt zu prüfen wäre auch ein falsches Signal an die anderen Gemeinden und völlig unsolidarisch, zumal Weyhe und Stuhr mehr bezahlen als die Samtgemeinde.“

Das betonte auch Dieter Mensen (Grüne Liste), der bei der Gründung seinerzeit selbst auch mitgewirkt hatte. „Klar ist, dass die Museumsbahn und der Güterverkehr, den wir jetzt haben, wirtschaftlich nicht ausreicht. Aber unser Teil der Strecke ist ertüchtigt worden, jetzt auszusteigen oder so etwas prüfen zu lassen wäre völlig falsch“, sagte er. Ähnlich sah es auch Ralph Landwehr (CDU) und forderte, dass „man jemanden in der Gesellschaft braucht, der sich um die Vermarktung der Strecke kümmert“. Rolf Thies (SPD) schlug in die gleiche Bresche: „Die Geschäftsführung muss aktiver werden. Das kostet vielleicht viel Geld, aber ein langer Atem ist hier wichtig.“

Der Antrag, einen Ausstieg der Samtgemeinde als Gesellschafterin der BTE rechtlich prüfen zu lassen und damit verbundene Kosten aufzuzeigen, wurde folglich deutlich abgelehnt.

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