Kita Achimer Himmelsstürmer

Aufs richtige Pony gesetzt

Einmal in der Woche bekommen die Kinder in der Kita Achimer Himmelsstürmer ganz besonderen Besuch. Immer freitags kommt nämlich ein Pony vorbei, um das sich die Kinder dann gemeinsam kümmern können.
10.05.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Aufs richtige Pony gesetzt
Von Elina Hoepken
Aufs richtige Pony gesetzt

Katharina Tesch (rechts) ist Integrationsfachkraft in der Kita und Besitzerin des Ponys. Erzieherin Lisa Wiedwald und ihre Gruppenkinder freuen sich jede Woche über den tierischen Besuch.

Björn Hake

Achim. Ein bisschen Harmonie wünscht sich vermutlich jeder für sein alltägliches Miteinander. Die Kinder in der Kita Achimer Himmelsstürmer bekommen einmal in der Woche allerdings für gut zwei Stunden ganz viel davon - und zwar in Form eines tierischen Besuchers. Immer freitags ist in der Einrichtung nämlich ein Pony zu Gast und das trägt den Namen „Harmonie“. Das Tier gehört der Integrationsfachkraft Katharina Tesch und ist bei den Kindern mittlerweile schon der absolute Höhepunkt der Woche geworden. Auch wenn bei den wöchentlichen Besuchen nicht nur das Reiten und Streicheln, sondern eben auch die Pflege des Tieres von den Kindern erledigt werden muss.

„Wenn das Pony angekommen ist, beginnen die Kinder erst einmal mit dem Striegeln und Hufe auskratzen“, beschreibt Kita-Leiterin Ulrike Buhrdorf den Ablauf. Jede der drei Kindergartengruppen darf sich einen Monat lang um Harmonie kümmern. Aktuell ist die Mond-Gruppe an der Reihe. Vorsichtig fahren die Kinder mit dem Striegel durch das Fell des Tieres. Harmonie lässt all das gelassen über sich ergehen. „Sie ist ein ausgebildetes Therapiepony und kennt sich daher schon gut mit Kindern aus“, weiß Buhrdorf über das 21 Jahre alte Pony.

Soziales Miteinander gestärkt

Für viele der Kinder ist der Umgang mit einem solch großen Tier allerdings völlig neu. „In unserer Kita haben 90 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund und die kennen es häufig gar nicht, ein Haustier zu haben - geschweige denn ein so großes Pony.“ Dass man ruhig und vorsichtig mit dem Tier umgehen muss, hätten alle aber dennoch sehr schnell gelernt. „Es ist toll, zu sehen, wie der Umgang mit dem Pony auch das soziale Miteinander unter den Kindern stärkt“, berichtet Buhrdorf. „Die Kinder werden auf einmal sehr empathisch.“ Der wöchentliche Tierbesuch sei daher schon jetzt sehr wertvoll. Tiere in der Kindertagesstätte leisteten einen Beitrag zur Entfaltung der Persönlichkeit der Kinder. In Studien von Psychologen, Biologen und Ethnologen wurde laut Ulrike Buhrdorf nachgewiesen, dass Kinder, die mit Tieren aufwachsen durften, ein insgesamt besser strukturiertes und sozial wirksameres Verhaltensrepertoire aufwiesen als jene Kinder ohne Tiere.

Bereits in den vergangenen Jahren hatte Katharina Tesch daher ein- oder zweimal im Jahr ihr Pony mit in den Kindergarten gebracht. Irgendwann habe man sich dann gemeinsam überlegt, das Ganze regelmäßiger zu machen. „Wir haben die Pony-Erlebnistage jetzt erst einmal als ein dreimonatiges Projekt angelegt“, berichtet die Kita-Leiterin. „Danach wollen wir das Ganze evaluieren und schauen, ob wir es auch dauerhaft für die Kinder anbieten können.“ Die Kosten hielten sich derzeit glücklicherweise noch in Grenzen. „Wir haben Striegelzeug gekauft und die Eltern bringen Äpfel und Möhren für das Pony mit“, zählt Buhrdorf auf. Darüber hinaus müsse man noch für den Transport des Tieres bezahlen.

Pause auf der Weide

Die Zeit vor und nach seinem Einsatz im Kindergarten darf Harmonie übrigens auf der Wiese von Bürgermeister Rainer Ditzfeld verbringen. Dort kann sie weiden und warten, bis ihre Besitzerin mit der Arbeit fertig ist. Bis es an diesem Freitagvormittag soweit ist, hat Harmonie allerdings noch einige Streicheleinheiten und Reitrunden vor sich, die sie alle ruhig und gelassen absolviert. Nach und nach dürfen die Kinder auf ihrem Rücken sitzen und auf dem Pony langsam über den Hinterhof der Kita schreiten. Katharina Tesch ist dabei immer an der Seite von Pony und Kindern.

„Es gibt natürlich auch Kinder, die noch ein bisschen Respekt vor einem so großen Tier haben und es sich lieber aus der Ferne angucken“, sagt Buhrdorf. Häufig würden aber auch die nach einiger Zeit auftauen und Harmonie zumindest streicheln. Zusätzlich zu der praktischen Arbeit mit dem Tier kommt beim Projekt auch ein bisschen Theorie hinzu. So lernen die Kinder beispielsweise, was Ponys fressen, warum sie Hufe haben und wie die einzelnen Körperteile heißen.

„Harmonie ist bei den Kindern schon jetzt der absolute Star“, weiß die Kita-Leiterin. Bereits Anfang April habe man mit den Pony-Erlebnistagen angefangen. Wegen der zwischenzeitlichen Notbetreuung, musste das Projekt jedoch einige Zeit pausieren. Umso mehr freut es alle Beteiligten, dass der wöchentliche Besuch mittlerweile wieder realisiert werden kann. „Wegen Notbetreuung und Quarantäne konnten wir den Kinder zuletzt leider wenig anbieten“, bedauert Buhrdorf. Doch das ist jetzt glücklicherweise wieder anders. Immer freitags ist nun neben Kinderlärm endlich auch wieder Hufgetrappel in der Kita zu hören.

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