Update 13.35 Uhr: Familienclan im Visier

Razzien in Achim

Die Polizei hat am Donnerstagmorgen mit einem Großaufgebot Wohnungen und Geschäftshäuser vor allem in Achim durchsucht. Die Razzien richten sich gegen 19 Mitglieder einer türkisch-libanesischen Großfamilie.
14.01.2021, 11:32
Lesedauer: 3 Min
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Razzien in Achim
Von Kai Purschke

Polizeibeamte haben am Donnerstagmorgen Wohnungen und Geschäftsräume in Achim durchsucht – parallel fanden nach Angaben der Polizei auch Durchsuchungen in Bremen und Nordrhein-Westfalen statt. Knapp 20 Beschlüsse haben die Beamten allein in Achim vollstreckt. „Achim bildet den Schwerpunkt der Ermittlungen“, sagte Imke Burhop von der Polizeidirektion Oldenburg. Die Ermittlungen führte die Sonderkommission „Clan“ der Polizeidirektion, die von weiteren Polizisten unterstützt wurde. Die Verdächtigen sollen sich des Handels mit Betäubungsmitteln, der Hehlerei, der Geldwäsche und des Sozialbetrugs schuldig gemacht haben. Bei den Durchsuchungen kamen auch Diensthunde zum Einsatz.

Mitglieder des Miri-Clans

„Die Ermittlungen richten sich gegen Teile einer Großfamilie mit türkisch-libanesischen Familienhintergrund“, erklärte Imke Burhop, sagte auf Nachfrage aber nicht, um welche Großfamilie es sich handelt. Dem Vernehmen nach ist es der berühmt-berüchtigte Miri-Clan, zu dem die 19 Personen im Alter zwischen 22 und 48 Jahren gehören, gegen die sich die Verfahren und die Razzien richten. Insgesamt waren rund 300 Polizisten im Einsatz.

Nach ersten bei den Razzien gewonnenen Erkenntnissen wurde laut Polizei spontan eine weitere Wohnung aufgesucht und in die weitere Durchsuchung einbezogen. Die 19 Personen stehen im Verdacht, ein Netzwerk für den Betäubungsmittelhandel mit Kokain und Marihuana im Kilogrammbereich aufgebaut zu haben. Die gewonnenen Einnahmen wurden teilweise durch Investitionen (beispielsweise dem Kauf eines Fahrzeuges) verschleiert, sodass der Verdacht der Geldwäsche begründet werde. „Die beteiligten Personen sollen durch die illegalen Einnahmen zum Teil ihren Lebensunterhalt finanziert haben“, heißt es von der Polizei.

„Illegale Geschäftsstruktur“

Aus diesem Grund haben die Beamten gegen die Sozialleistungsempfänger zusätzlich Strafverfahren wegen Sozialleistungsbetruges eingeleitet. Die Ermittlungen weisen zudem auf den Verkauf von Diebesgut aus Einbrüchen und unterschlagener Waren hin. „Diese Geschäfte wurden unter anderem über Internetplattformen abgewickelt“. Ziel der groß angelegten Durchsuchungen war das Auffinden von Betäubungsmitteln und Beweismitteln, die das Handeltreiben und das Zusammenwirken der Beschuldigten sowie die weiteren vorgeworfenen Straftatbestände belegen. Polizeipräsident Johann Kühme sagte am Donnerstag: „Mit diesem Verfahren erhellen wir erneut die illegale Geschäftsstruktur eines Clans. Es geht um die Eindämmung des Macht- und Wirkungsbereiches dieses Netzwerkes.“

Das Amtsgericht Verden hatte vorab gegen drei Beschuldigte Vermögensarreste erlassen, um rechtswidrig erlangte Vermögenswerte sicherzustellen. So wurden unter anderem zwei hochwertige Fahrzeuge, Goldschmuck und Bargeld im mittleren fünfstelligen Bereich beschlagnahmt.

Hehlerware und Glücksspielautomaten

Bei den Durchsuchungen stellten die Einsatzkräfte außerdem Betäubungsmittel im unteren Kilobereich (unter anderem Marihuana, Kokain, Amphetamine), eine scharfe Schusswaffe mit Munition, eine Schreckschusswaffe sowie zwei Glücksspielautomaten sicher. In einem Kellerraum wurde außerdem in größerem Umfang mutmaßliche Hehlerware aufgefunden. Darunter originalverpackte und neuwertige Spielkonsolen, Parfum sowie Spielwaren, die den Verdacht der Hehlerei erhärten und als Beweismittel sichergestellt wurden.

„Rechtswidrig erlangte Vermögenswerte dürfen nicht im Besitz der Clanmitglieder bleiben. Deshalb gehört die Überprüfung der Herkunft hochwertiger Sachgüter und Geldbeträge mit zu den Aufgaben der Sonderkommission Clan“, betonte Polizeipräsident Kühme. Die Polizeirazzien wurden von einzelnen Clanangehörigen gestört, was durch polizeiliche Maßnahmen - „wie dem Aussprechen von Platzverweisen sowie einer Ingewahrsamnahme“ - habe unterbunden werden müssen. Die Auswertung der Durchsuchungsergebnisse und die Fortführung der Ermittlungen werden in den nächsten Wochen erfolgen.

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