Reiten Für Ulrike Kubelke geht die Arbeit weiter

Im Jahr 2020 hat die Pandemie den Turnierkalender ausgedünnt. Ulrike Kubelke arbeitet derzeit aber schon an den Planungen für 2021.
09.12.2020, 18:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Angelika Siepmann

Seit Anfang Mai sah es so aus, als sollte Ulrike Kubelke dieser Tage richtig Stress haben. Keineswegs wegen Advent und Weihnachten, sondern wegen der Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde. Für das Sommer-Turnier „Verden International“ notgedrungen gecancelt, war die WM in eine fünftägige Indoor-Veranstaltung umgewandelt worden und wäre jetzt in der Niedersachsenhalle gerade angelaufen. Daraus ist bekanntlich auch nichts geworden. Aber wer meint, die Eventmanagerin der pVerd-event GmbH könnte nun in ihrem Büro eine ruhige Kugel schieben, der irrt gewaltig.

Das endgültige Aus der 2020-er Auslese unter den weltbesten Nachwuchspferden fürs große Viereck hat das aktuelle Arbeitspensum für die Veranstaltungsgesellschaft des Hannoveraner Verbandes und damit auch für die Frontfrau zwar deutlich eingedampft. Doch das Büro im Verbandshaus an der Lindhooper Straße ist deswegen nicht zwangsläufig verwaist. Wo in den vergangenen Monaten mit Hochdruck die zunehmend mit Corona-Auflagen versehene WM organisiert wurde, werden mittlerweile mit nicht weniger Engagement die Weichen für die Verdener Turnierzukunft gestellt.

Das Thema Weltmeisterschaft haben Ulrike Kubelke und Co. dabei trotz Absage Ende November nicht ad acta gelegt. Zum einen, weil die diffizile Vorbereitung bis dahin logischerweise schon sehr weit gediehen war und bei der hohen Zahl an angekündigten Rössern und Reitern aus 23 Nationen einiges an „Rückabwicklungen“ fällig ist, besonders im finanziellen Bereich, etwa Teilnehmergebühren. Zum anderen hegen die bereits vielfach bewährten WM-Gastgeber noch die Hoffnung, vielleicht im kommenden Jahr zum Zuge zu kommen. Laut Kubelke soll beim Weltverband FEI beantragt werden, die ausgefallene WM auf 2021 zu verschieben und dann quasi nachzuholen.

Viele Turniere in Planung

Aber da müssten natürlich auch die Niederländer mitziehen und gegebenenfalls zugunsten der Niedersachsen Verzicht üben. Denn nach dem ursprünglichen Plan wäre mit der Jungpferde-WM wieder Ermelo an der Reihe, und nicht nur nächstes Jahr, sondern vorerst bis 2023. Man müsse halt abwarten, sagt Ulrike Kubelke, und dies gelte auch hinsichtlich einer angepeilten Bewerbung für die Weltmeisterschaft 2024. „Das ist momentan alles noch Zukunftsmusik.“

Aber wo in puncto Turniersport in nicht so weiter Zukunft auf jeden Fall die Musik spielen soll, nämlich in „Pferden“, hat Kubelke längst ganz genau auf dem Schirm. Die gelernte Bilanzbuchhalterin, gebürtig aus Peine, verweist auf das umfangreiche Programm, das die pVerd-event GmbH schon vorausschauend für 2021 auf die Beine gestellt hat – stets unter dem Aspekt, dass die Corona-Pandemie weiterhin Einschränkungen, Schutzmaßnahmen und mehr erfordern dürfte. Ein Blick auf den ehrgeizigen Veranstaltungsplan genügt, um zu wissen, dass Ulrike Kubelke kein Müßiggang bevorsteht.

Zumal sie ihre organisatorischen Qualitäten ja nicht nur seit 2009 ins reiterstädtische Turniergeschehen einbringt, sondern auch in den renommierten, stark frequentierten Ausbildungs- und Dressurstall, den sie mit Ehemann Jörn Kubelke in Oyten betreibt. Nach einigen anderen beruflichen Stationen haben sich der erfolgreiche Dressurreiter (Siege bis Grand Prix Special) und seine Frau vor neun Jahren am Rande des Landkreises nahe Bremen angesiedelt. Der „Laden“ läuft, und dafür sorgen der Pferdewirtschaftsmeister und Ex-Auktionsreiter des hannoverschen Verbandes sowie die versierte Finanzfachfrau und Allround-Managerin in trauter Eintracht.

Dass ihr das „Managen“ liegt, hat Ulrike Kubelke schon früher festgestellt, in anderen beruflichen Branchen und vor allem bei aktiven Teilnahmen an großen Messen. Dieses Talent mit dem ausgeprägten Faible für den Pferdesport verbinden zu können, gefällt ihr am zeitweisen Fulltime-Job in Verden besonders: „Das ist eine tolle Kombination“, hat sie schnell festgestellt, als sie vor über elf Jahren bei der Verdener Turniergesellschaft antrat. Zu dieser Zeit neigte sich Ulrike Kubelkes eigene beachtliche Laufbahn als Dressurreiterin (bis Klasse S) ihrem Ende entgegen, 2010 hat sie einen Schlussstrich gezogen. Sie habe die Reiterei als Hobby, reinen Amateursport betrieben, betont sie. Dass sie sich aber auch im Profibereich bestens auskennt, versteht sich von selbst.

Berufs- wie auch Freizeitreitern in Verden ein professionelles und vielfältiges Feld zu bereiten, gehört zu den vorrangigen Aufgaben der rührigen Eventmanagerin. Und was da für 2021 alles geplant ist, lässt auf reichlich Beschäftigung schließen; Ausschreibungen sind schon in fieberhafter Arbeit. Bis weit in den Sommer hinein sind bislang allein sieben unterschiedlichste Turnierveranstaltungen vorgesehen. Dabei wird nicht zuletzt auf den Erfahrungen aufgebaut, die in diesem Jahr zwangsläufig durch die coronabedingten Verschiebungen und Umstrukturierungen erforderlich waren.

„Grüne Saison“ soll im Mai starten

Stichwort unter anderem „last entry“. Ein weiteres solches Turnier für Kurzentschlossene, auf die Disziplin Dressur beschränkt, soll zum Jahresauftakt im März in der Niedersachsenhalle stattfinden. Für Anfang Mai steht zur Eröffnung der „grünen Saison“ ein Spring- und Dressurturnier bis Klasse S auf dem Programm; es wird auf den entsprechenden Plätzen des aufgemöbelten Rennbahngeländes laufen. „Last entry“ gilt auch bei den beiden Turnieren im Juni und Juli, in die auch die Hannoveraner Championate integriert werden – im Hinblick auf die Bundeschampionate der Nachwuchspferde, die bereits im August in Warendorf aufgetragen werden sollen.

Und überhaupt der August: „Verden International“, bislang auf die erste Woche des Monats konzentriert, wird gesplittet und kommt im Doppelpack daher. Vom 6. bis 8. August wird die reine Springschiene gefahren, und vom 27. bis 29. sind die Dressurexperten an der Reihe; beide Male ist „international“ wörtlich zu nehmen. Noch davor wird noch eine weitere Mammutaufgabe zu bewältigen sein: In diesem Jahr ebenfalls flachgefallen, sollen vom 23. bis 25. Juli die 58. deutschen Meisterschaften im Voltigieren über die Bühne gehen.

Verden wird also reitsportlich breit aufgestellt sein. Und auf die erfahrene Eventmanagerin Ulrike Kubelke wartet wieder eine Menge Arbeit. Aber sie ist – wie immer – ausgesprochen zuversichtlich, mit der Verbandsequipe alles „wuppen“ zu können. Mit der Frage nach eventuellem altersbedingten Rückzug muss man Kubelke erfreulicherweise nicht kommen. Die 64-Jährige denkt nicht daran, was ja naheliegend wäre, mit 65 in Rente zu gehen. „Warum auch? So lange es mir Spaß macht und ich mich fit fühle, mache ich sehr gerne weiter“.

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