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Reiten Richtung Normalität

Die Verdener Championate in der Niedersachsenhalle fanden coronabedingt zwar nur vor kleinem Publikum, aber eben auch nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt – ein Hoffnungsschimmer.
09.08.2020, 16:47
Lesedauer: 3 Min
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Von Angelika Siepmann
Reiten Richtung Normalität

Nicht zu bezwingen: In der Burgpokal-Prüfung war für Hubertus Schmidt zwar nichts zu holen, dafür dominierte er auf Beryll aber die Finalqualifikation zum Lousidor-Preis, der Serie für acht- bis zehnjährige Dressurpferde.

Björn Hake

Zwei verdienstvolle Dressur-Damen haben am Sonntag in der Niedersachsenhalle immer wieder buchstäblich den Ton angegeben. Ihr Wort hat in der Szene Gewicht, erst recht das von Bundestrainerin Monica Theodorescu. Die Team-Olympiasiegerin von 1988 kommentierte jeden Ritt in der Finalqualifikation zum Louisdor-Preis, der letzten Prüfung im Rahmen der „Verdener Championate“. Zuvor hatte Heike Kemmer, die 2004 und 2008 mit der Mannschaft Olympiagold gewonnen hatte, die Auftritte der zwölf Starterpaare in der Ausscheidung zum Nürnberger Burgpokal anschaulich analysiert.

Und Heike Kemmer weiß allemal, wovon sie spricht, wenn es um den Burgpokal geht. Die 1992 ins Leben gerufene Turnierserie gilt weltweit als bedeutendste ihrer Art für sieben- bis neunjährige Dressurpferde und hat sich schon als Sprungbrett für zahlreiche Karrieren im großen Viereck erwiesen. So auch für Kemmers Olympia-Helden, den Hannoveraner Fuchswallach Bonaparte. Der Burgpokal markierte 2001 einen ersten Meilenstein in der langen Laufbahn.

Isabel Freese (39) kennt das besondere Flair beim Finale in der Frankfurter Festhalle sogar besonders gut. Die gebürtige Norwegerin, die für den RV Oldenburger Münsterland startet, gewann den Pokal 2016 mit Vitalis und im Dezember 2019 mit Total Hope. Mitte Juni schaffte sie schon beim Turnier auf dem Gestüt Sprehe (Essen-Herbergen) mit dem Hannoveraner Fürsten-Look die erneute Qualifikation. In Verden sorgte Isabel Freese nun mit einem weiteren Hengst aus dem Bestand des Mühler Pferde-Multis Paul Schockemöhle dafür, dass sie in diesem Jahr gleich Fahrkarten für das Frankfurter Finale hat. Mit dem achtjährigen Oldenburger Rappen Top Gear, ein Sprössling des berühmten Totilas, holte sie unangefochten den Sieg in der stark besetzten St. Georg Special. 1585 Punkte (77,317 Prozent) ließen die fünf Richter insgesamt springen. Damit überflügelte das siebte das erste und bis dato führende Paar, die finnische Olympiareiterin Emma Kanerva (Nordd. U. Flottbeker RV) auf dem Oldenburger Wallach Mist of Titanium (1546/ 75, 415). Auf Rang drei sah sie Jury Marcus Hermnes (Appelhülsen) mit dem „fliegenden Holländer“ Hugo FR (1531/74, 683).

Einen hervorragenden fünften Platz im Feld der ein Dutzend besten Paare aus der Einlaufprüfung erreichte Nadine Husenbeth (Sottrum) mit ihrer bewährten hannoverschen Stute Faviola (1502,5/ 73, 341). „Ich bin sehr zufrieden und glücklich über die Leistung“, sagte die 27-jährige Doktorandin. „Faviola hat zwei tolle Prüfungen absolviert und sich zuletzt noch gesteigert“.

Es habe auch Spaß gemacht, sich endlich wieder einem, wenn auch coronabedingt kleinen Publikum zu präsentieren. Dass Reitsport vor Zuschauern überhaupt wieder möglich ist, empfindet sie nach einer Phase von Turnieren, die quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfanden, als Hoffnungsschimmer – „es geht wieder ein bisschen in Richtung Normalität“.

Für Hubertus Schmidt war in der Burgpokal-Prüfung nichts zu holen. Mit dem siebenjährigen Hannoveraner Fuchshengst Vainqueur langte es nicht einmal in die – geldwerte – Platzierung. Der 60-Jährige aus dem westfälischen Borken durfte sich indes über die Erfolge seiner früheren Schülerin Emma Kanerva freuen, die nicht nur Rang belegte, sondern mit Feldrose auch den achten. Und für Reitmeister Schmidt sollte die Stunde ja auch noch schlagen: in der anschließenden Finalqualifikation zum Louisdor-Preis, der Serie für acht- bis –zehnjährige Dressurpferde.

Der Hannoveraner Beryll v. Benetton Dream, 2013 auf der Verdener Elite-Auktion entdeckt, hielt im zweiten Durchgang nach Maß, was er am Freitag im ersten Wettbewerb der insgesamt 17 Qualifikanten versprochen hatte. Dort, wo er einst meistbietend versteigert worden war, bewies Byrell eindrucksvoll seine Klasse. Dass die Vorstellung nur Rang eins bedeuten konnte, stand außer Frage. Nicht zuletzt für Monica Theodorescu, die seit mehr als acht Jahren als Bundestrainerin fungiert. Nach dem Tode des Verdeners Holger Schmezer im April 2012 war kurze Zeit Johnny Hilberath eingesprungen. Dann kam Theodorescu, die etliche ihrer vielen Erfolge in der Reiterstadt erzielt hat.

In „Pferden“ hat auch Holga Finken lange gewirkt, und zwar als Auktionsreiter des Hannoveraner Verbandes und als Turnierreiter für Aller-Weser. Unvergessen sein Sieg 2003 bei der WM der jungen Dressurpferde mit dem Westfalen Fürst Heinrich. Inzwischen für den RSC Osnabrücker Land reitend, versuchte Finken jetzt sein Glück im Louisdor-Wettbewerb mit dem polnischen Schimmel Werbel. 1489 Punkte brachten immerhin noch Rang acht ein. Zum Vergleich: Für Schmidt/Byrell standen 1604 Zähler zu Buche, für das zweitplatzierte Paar, Katharina Hemmer (Altenautal) mit Signorina, 1568.

Ein neu angelegter Platz auf dem generalüberholten Verdener Rennbahngelände steht an diesem Montag und Dienstag im Blickpunkt. Die veranstaltende pVerd-event GmbH setzt ihr Programm mit den Hannoveraner Springpferde-Championaten für vier- bis sechsjährige Parcourshoffnungen fort.

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