Schulausschuss

Ringen um einen Kompromiss

Die Fronten sind verhärtet im Streit um die Frage, ob und wie eine Kitagruppe im Hortraum der Grundschule Uphusen untergebracht werden soll. Das machte nicht zuletzt die Sitzung des Schulausschusses deutlich.
07.05.2019, 16:50
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Ringen um einen Kompromiss
Von Elina Hoepken
Ringen um einen Kompromiss

Damit die Eltern nicht immer am Schuleingang klingeln müssen, soll ein separater Eingang für die Kitagruppe geschaffen werden.

Kako

Es gab Redebedarf. Viel Redebedarf. Und es blieb in der gemeinsamen Sitzung des Schul- und Sozialausschusses am Montagabend auch nicht aus, dass der ein oder andere Redner etwa lauter und ungehaltener wurde. Denn das Thema, um das es ging, bot durchaus Konfliktpotenzial. Es stand nämlich die Frage im Raum, ob und vor allem wie zum Sommer dieses Jahres eine Kitagruppe im zweiten Hortraum der Grundschule Uphusen untergebracht werden soll. Bürgermeister Rainer Ditzfeld hatte wohl zu Beginn der Sitzung schon geahnt, dass es nicht allzu harmonisch zugehen würde, als er alle Anwesenden darum bat, die Emotionen bei dem Thema nicht allzu sehr hochkochen zu lassen. So ganz gelang das aber nicht.

„Wir sind als Schule sehr traurig darüber, dass wir in den Entscheidungsprozess nicht mit involviert wurden“, sagte die Leiterin der Grundschule Uphusen, Bärbel Haverkamp. Die Stadt habe Fakten geschaffen und nun müsse die Schule damit leben. Die sieht jedoch ihren Schulfrieden durch die Pläne erheblich beeinträchtigt. Immerhin würde das Foyer der Schule auch von den Kitakindern mit genutzt und die Eltern müssten beim Bringen und Abholen der Kinder stets die Klingel am Haupteingang nutzen. „Ich habe als Schulleitung aber dafür zu sorgen, dass bei uns ungestört die Bildung der Kinder stattfinden kann“, monierte Haverkamp. Und das Foyer sei nicht das einzige Problem.

Awo-Räume brauchen Grundsanierung

Die Stadt hat, wie berichtet, auch geplant, einen Teil der Bibliothek der Grundschule zu Sanitäranlagen umzurüsten. Alternativ wurde geprüft, ob eine Toilettenanlage in einem Container an das Haus hinter der Küche angegliedert werden kann. Dabei würden aber laut Verwaltung im Winter hohe Kosten für den Betrieb der elektrischen Heizung entstehen. Eine weitere Variante, die geprüft wurde, war die Nutzung der Räume der ebenfalls im Schulgebäude ansässigen Awo. „Die Räume sind allerdings sehr alt und bedürfen einer Grundsanierung“, machte Fachbereichsleiterin Wiltrud Ysker klar. „Darüber hinaus ist die Awo seit vielen Jahren Nutzer und es ist eine der ganz wenigen Räumlichkeiten, die für soziale Zusammenkünfte in Uphusen zur Verfügung stehen.“

Aus Sicht der Schule ist diese Alternative dennoch sinnvoller. Die Awo sieht das – wenig überraschend – natürlich anders. „Wir bieten dort eine ganze Menge Angebote an und das seit 40 Jahren“, sagte der Vorsitzende Dietmar Rüster. „Es ist nicht in Ordnung, eine Gruppe gegen die andere auszuspielen.“ Auch Senioren hätten das Recht, sich in entsprechenden Räumen zu treffen. „So wie im Moment dürfen wir nicht miteinander umgehen“, mahnte er.

Wie verzwickt die Situation ist, war bereits zu diesem Zeitpunkt klar, obwohl sich bis dahin noch keine der politischen Fraktionen zu Wort gemeldet hatte. „Es ist für alle derzeit sicherlich eine unbefriedigende Situation“, machte dann Petra Geisler (SPD) den Anfang. „Aber wir sind uns vermutlich einig, dass wir eine Lösung für alle hinbekommen müssen.“ Ein Vorschlag, den Ingo Müller (FDP) dazu ins Gespräch brachte, betrifft die Möglichkeit, die Container-Lösung auszuweiten. Mit einem Durchbruch an der entsprechende Gebäudeseite könne man mit einem Container eventuell auch gleichzeitig einen zusätzlichen Eingang schaffen.

Wenig überzeugend

„Der Container müsste natürlich entsprechend größer werden. Kostentechnisch wären wir dafür dann bestimmt bei mindestens 60 000 Euro“, sagte Marco Schaubitzer, Leiter des Liegenschaftsmanagements. Darüber hinaus müsse man bei dieser Variante die Substanz des Neubaus wieder zerstören. Eine Idee, die offenbar auch Isabel Gottschewsky (CDU) nicht wirklich überzeugen konnte. „Für mich sind das im Grunde alles Lösungen, die unbefriedigend sind“, brachte sie es auf den Punkt. „Meine Fraktion will sich daher heute Abend gar nicht entscheiden, sondern an die Verwaltung den Auftrag zurückgeben, sich mit allen Beteiligten an einen Tisch zu setzen und gemeinsam ein Konzept zu entwickeln, das für alle tragbar ist. Wenn man das schon vorher gemacht hätte, hätte man das Problem nicht gehabt, dass wir uns heute alle anschreien.“

Anders sah das jedoch die SPD. Man dürfe nicht weiter zögern, nur weil man von der idealen Lösung träume, sagte Paul Brandt. „Wir haben Handlungsnotstand“, unterstützte ihn auch sein Parteikollege Herfried Meyer. Aus seiner Sicht sei der Hortraum prinzipiell für eine Kitagruppe geeignet, „aber es muss einen separaten Zugang von Außen geben“. Auch über eine Alternative zur WC-Anlage in der Bibliothek müsse in diesem Zuge noch einmal nachgedacht werden. Die bisher präferierte Lösung der Verwaltung habe eindeutige Nachteile, weil sie den Schulbetrieb erheblich störe.

Die SPD beantragte daher, den aktuell freien Hortraum zwar für eine Kitagruppe zu nutzen, allerdings eine Lösung zu erarbeiten, wie der Raum von Außen erreicht werden kann und darüber hinaus eine bautechnische und genehmigungsfähige WC-Anlage zu planen. All das solle bis zum Beginn des Kitajahres 2019/2020 geschehen, damit die 25 zusätzlichen Plätze bereits ab diesem Sommer genutzt werden können. Auch wenn die Mitarbeiter der Verwaltung in der Sitzung durchaus ihre Bedenken äußerten, dass diese Vorgaben tatsächlich in der kurzen Zeit umgesetzt werden können, stimmten die Ausschussmitglieder mehrheitlich für diesen Antrag der SPD.

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