Ruhestörungen in Achim

Krach im Magdeburger Viertel

Es herrscht mal wieder Alarmstimmung rund ums Magdeburger Viertel: Nach der Müllproblematik geht es nun um Lärm und Ruhestörung. Und um eine Trauerfeier mit mehreren Hundert Menschen in Corona-Zeiten.
19.06.2020, 22:04
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Krach im Magdeburger Viertel
Von Kai Purschke
Krach im Magdeburger Viertel

Im Magdeburger Viertel kommt es regelmäßig zu Ruhestörungen und zu Verstößen gegen die Corona-Verordnung.

Focke Strangmann

Nachdem sich in der Stadtteilkonferenz im Magdeburger Viertel Anfang des vergangenen Jahres Nachbarn aus der Umgebung über die Vermüllung des Quartiers und den Umgang bestimmter Mehrfamilienhausbewohner mit dem Unrat beschwert hatten, wäre es auf der jüngsten Stadtteilkonferenz sicherlich ums Thema Lärm und Ruhestörung gegangen. Wegen der Corona-Pandemie hat die Sitzung bisher aber nicht stattgefunden und dennoch ist das Problem nicht von der Hand zu weisen: Regelmäßig abends treffen sich am Wendehammer neben dem Bürgerzentrum bis zu 20 junge Menschen, die sich laut unterhalten und zudem laute Musik aus ihren Autos hören. Mehr noch: Vermehrt ist es zu Verstößen gegen die Corona-Verfügung gekommen – erst am jüngsten Wochenende.

Es hat nämlich, wie Polizeisprecherin Sarah Humbach auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte, „eine Trauerfeier nach muslimischen Ritual“ gegeben. „Aufgrund der Vorbereitungen dazu kamen am Samstag spontan Angehörige zusammen. Hierbei kam es im Bereich der Moscheegemeinde an der Karlstraße zu einer größeren Ansammlung von Menschen“, schilderte die Sprecherin.

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Die Polizei habe daraufhin Kontakt mit der Moscheegemeinde sowie den Angehörigen aufgenommen und auf die Einhaltung der Corona-Abstandsbestimmungen sowie der Straßenverkehrsordnung hingewiesen. Was die Sprecherin nicht mitgeteilt hat: So ganz überraschend kam die Ansammlung wohl nicht zustande und es waren mehrere Hundert Menschen, die dem Vernehmen nach den Tod eines Mitglieds eines Familienclans betrauert haben. Dementsprechend viele Autos waren auch vor Ort.

Im Vorfeld der Haupttrauerfeierlichkeiten am Sonntag sei in Kooperation zwischen dem Landkreis Verden, der Stadt Achim und der Polizei zudem ein Hygienekonzept erarbeitet und dem Imam bekanntgegeben worden. Außerdem wurden laut Polizei der Moscheegemeinde Merkblätter mit Hygiene-Verhaltensregeln in deutscher, türkischer und arabischer Sprache zur Weitergabe an die Teilnehmenden der Trauerfeier ausgehändigt.

Verfahren werden eingeleitet

Aber: „Trotz regelmäßiger, polizeilicher Hinweise auf die Einhaltung der Abstände wurden diese zum Teil nicht eingehalten.“ Nach dem – mitunter offenbar sehr lauten – Totengebet habe sich die Ansammlung am Sonntagnachmittag dann rasch aufgelöst. Dennoch bleibt sie nicht folgenlos: „Die Einleitung von entsprechenden Verfahren wird derzeit vorbereitet.“

Die Polizei appelliert in diesem Zusammenhang an die Bevölkerung, sich auch in solch hochemotionalen Situationen an die bestehenden Hygiene- und Abstandsregelungen zu halten. Was im Magdeburger Viertel bisher nicht so richtig funktioniert. „Wir haben dort seit Beginn der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie im März 13 Hinweise auf mögliche Verstöße gegen die Corona-Regelungen registriert, die sich vor Ort jedoch nicht immer bestätigt haben“, sagte Polizeisprecherin Sarah Humbach.

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Bürgerzentrum (Büz)-Leiter Eric Stellmacher verwies auf Nachfrage an den Verwaltungsvorstand der Stadt Achim, Bürgermeister Rainer Ditzfeld sagte dazu, dass die Gespräche zwischen Stadt, Polizei und Bewohnern des Quartiers und Nachbarn bereits liefen und es weitere geben werde. „Man muss dann mal sehen, welche Regelungen getroffen werden können, um eine bessere Handhabe zu haben“, sagte er, wolle Entscheidungen aber nicht vorgreifen. Vorstellbar seien entsprechende Schilder wie im Rathauspark, die den Aufenthalt auf öffentlicher Fläche ab einer bestimmten Uhrzeit verbieten.

Auch Bürgermeister Ditzfeld selbst habe sich die Situation vor Ort angeschaut. Zu dem Vorwurf eines Nachbarn, der auch von illegalen abendlichen Autorennen spricht, sagte der Rathauschef: „Nicht ohne Grund haben wir die Leipziger Straße zur Tempo-30-Zone gemacht“.

Anwohner beklagt Zustände

Die Polizei hat bisher in diesem Jahr drei Fälle von Ruhestörung im Freien registriert. „Bereits in der Vergangenheit kam es in unregelmäßigen Abständen zu Beschwerden von einzelnen Anwohnern des Wohnviertels rund um die Magdeburger Straße“, erklärte Sarah Humbach. Wie ein Augenzeuge unserer Redaktion sagte, treten Ruhestörungen und Menschenansammlungen insbesondere dann auf, wenn die vor Ort ansässigen Sozialarbeiter das Büz abends verlassen haben. Der Nachbar erzählte auch, dass es kaum auszuhalten sei und einige Anwohner – Reihenhausbewohner etwa – aus dem Umkreis des Quartiers „schon überlegen, wegzuziehen, weil sie dort nicht mehr leben können“.

Wie Sarah Humbach ausführte, stehe das Polizeikommissariat Achim mit der Stadt Achim bezüglich der Beschwerden von Nachbarn „in einem engen Austausch“. Im Rahmen einer aufsuchenden Polizeiarbeit wurden demnach bereits Anwohner besucht, um ihnen die Möglichkeit zu geben, die Situation aus ihrer Sicht persönlich schildern zu können. „In den nächsten Tagen werden weitere Anwohnergespräche folgen“, kündigte die Sprecherin an. Auch beziehe die Polizei das Wohnviertel in ihre reguläre Streifentätigkeit regelmäßig mit ein.

Wie sie recherchiert hat, seien aus dem Bereich des Magdeburger Viertels jährlich jeweils vier bis sechs Ruhestörungen von der Polizei registriert worden. „Natürlich gibt es statistisch leichte Schwankungen, aber es ist bislang nicht so, dass die Störungen in diesem Jahr vermehrt auftreten“, erklärte Sarah Humbach. Die Hinweise, die zur Polizei gelangten, würden auch vor Ort überprüft.

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