Germany’s Next Topmodel-Siegerin zu Gast bei Dodenhof Sara Nuru: „Ich bin selbstbewusster geworden“

Posthausen. Dodenhof im Ausnahmezustand: Hunderte Teenies drängelten sich am Sonnabend im neuen Modehaus um Germany’s Next Topmodel-Siegerin Sara Nuru. Zwischendurch fand sie dann doch noch Zeit, um über ihre Blitzkarriere zu plaudern.
20.03.2010, 22:46
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Thomas Joppig

Posthausen. Ausnahmezustand bei Dodenhof: Hunderte Teenies drängelten sich am Sonnabend im neu eröffneten Modehaus um Germany’s Next Topmodel-Siegerin Sara Nuru, um ein Autogramm oder Erinnerungsfoto zu ergattern. Dazwischen fand sie dann doch noch Zeit, um über ihre Blitzkarriere zu plaudern. Thomas Joppig hat sie getroffen.

Sara, dein Sieg bei Germany’s Next Topmodel ist jetzt knapp ein Jahr her. Wie hat sich dein Leben seitdem verändert?

Sara Nuru:Ich glaube, so ganz habe ich es noch immer nicht begriffen, was mit meinem Leben passiert ist. Für mich ist es immer noch unglaublich, dass plötzlich so viele Leute zuhören, wenn ich etwas sage, dass ich auf der Straße erkannt werde, und dass ich Teenies plötzlich mit einer bloßen Unterschrift glücklich machen kann.

Hast du dich auch selbst verändert?

Normalerweise riskiere ich nur in meiner Familie eine große Klappe und reiße auch mal Witze. Aber inzwischen kann ich das auch vor Fremden machen. Meine Geschwister sagen, ich sei selbstbewusster geworden. Die beobachten mich genau und achten darauf, dass ich nicht abhebe. Zuhause bin ich noch immer die Alte und versuche, mich nicht so wichtig zu nehmen.

Dein Freund hat dich damals unter einem Vorwand zum Casting für Germany's Next Topmodel gelotst. Wie kommt er jetzt damit klar, so eine begehrte Freundin zu haben?

Ich durfte am Freitag den Radio Regenbogen Award an Tokio Hotel überreichen, da war er dabei. Der war natürlich ganz perplex über die ganzen kreischenden Mädels. Obwohl die natürlich nicht wegen mir gekreischt haben, sondern wegen Tokio Hotel. Aber er hätte mich nicht zum Casting geschickt, wenn er nicht an mich geglaubt hätte. Wir sind ja immer noch zusammen, nach dreieinhalb Jahren .Ich denke, er kommt gut damit klar.

Nun hat eine neue Staffel von Germany’s Next Topmodel begonnen. Mit welchen Gefühlen verfolgst du die neuen Folgen?

Ich schaue die Sendung jetzt natürlich mit ganz anderen Augen und frage mich, wer meinen Platz einnehmen wird. Sobald die letzten drei dran sind, fange ich mit dem Zittern an (lacht). Spaß beiseite, die Mädels, die vor mir dran waren, haben mich mit offenen Armen empfangen. Warum sollte ich das nicht auch machen?

Hast du vielleicht sogar irgendwelche Tipps für die neuen Kandidatinnen parat?

Das fällt mir schwer. Ich bin nun mal einfach so wie ich bin. Ich finde, die Mädels sollten diese Zeit genießen und das Ganze nicht zu verbissen angehen. Ich glaube, mit Natürlichkeit kommt man am weitesten. Ich beneide die neuen Kandidatinnen richtig, sie haben diese tolle Zeit noch vor sich.

Gab es unter den Teilnehmerinnen nicht auch mal Zickenkrieg?

Wo gibt’s den nicht? Es wird ja immer ein bisschen aufgebauscht. Man darf nicht vergessen: Es ist eine Fernsehsendung. „We love to entertain you“ - so heißt es ja. Zehn Mädels waren da, vielleicht haben sich drei nicht gut miteinander verstanden, aber der Rest ist gut miteinander klar gekommen.

Hast du auf dem Laufsteg eigentlich das Gefühl, du selbst zu sein – oder spielst du eine Rolle in einer Inszenierung, die der Designer vorgibt?

Sobald ich rauslaufe, denke ich eigentlich gar nichts. Ich bin dann so euphorisch und fixiert auf das Geschehen. Das ist ein ganz komischer Kosmos, den ich nicht beschreiben kann. Mittlerweile ebbt die Aufregung vor den Auftritten allerdings etwas ab, und das macht mir Sorgen. Denn ich bin gern nervös. Schließlich stehe ich unter besonderer Beobachtung. Wenn ich was falsch mache, heißt es „Die hat ja nix gelernt bei Germany’s Next Topmodel“.

Wie erlebst du es denn, auf den großen Laufstegen in New York und Mailand zu laufen?

Die Atmosphäre ist ganz anders als bei Modenschauen in Deutschland. Die Models kommen von überall her. Aus Israel, aus Frankreich sowieso, ganz viele aus dem Osten... Alle Kulturen treffen aufeinander. Da trifft man auf Leute, die man nicht unbedingt in der Münchner Fußgängerzone kennenlernt. Auch die Designer sind ganz anders, viel ausgeflippter, viel hektischer und extremer.

Welche Trends siehst du denn in nächster Zeit auf die Modewelt zukommen?

Wenn ich die ganzen Zeitschriften lese und mir anschaue, was all die Style-Blogger schreiben, denke ich ehrlich gesagt, es wird alles ein bisschen überbewertet. Man sollte einfach anziehen, was man möchte, und nicht zwingend einem Trend hinterher rennen. Na ja, das sagt die Richtige... (lacht). Aber eines ist doch klar: Es wiederholt sich alles – sei es die Mode aus den 60ern, 70ern oder 80ern. Deshalb sollte man in jedem Fall nichts wegschmeißen.

Was sind in deinen Augen die Vor- und Nachteile des Modelberufs?

Ich darf den Traum vieler Mädels ausleben – und auch meinen eigenen. Zu den Nachteilen gehört allerdings, dass man oft alleine ist. Zum Glück bin ich ein Mensch, der mit anderen Menschen umgehen kann. Wäre ich eine introvertierte Person, hätte ich es schwerer, denn man ist oft mit fremden Menschen unterwegs. Außerdem kann das Modelbusiness auch sehr streng und oberflächlich sein. Wenn man nicht dem Typ entspricht, den die Designer suchen, sagen die einfach „Nö, wir möchten dich nicht." Deshalb braucht man ein gewisses Selbstbewusstsein, um da überhaupt Stand zu halten.

Du läufst einerseits bei großen Modenschauen und engagierst dich andererseits für „Menschen für Menschen“, eine Hilfsorganisation, die in Äthiopien, dem Herkunftsland deiner Eltern, aktiv ist. Vor einigen Monaten warst du selbst vor Ort. Wie kommst du mit dem Kontrast zwischen Glamour und Armut klar?

Das ist schwierig. Aber meine Eltern haben mir schon früh klar gemacht, dass es Menschen in anderen Teilen der Welt schlecht geht. Ich weiß, dass ich privilegiert aufgewachsen bin und jetzt erst recht ein privilegiertes Lebern führe. Gerade wenn man, wie ich, in der Öffentlichkeit steht, sollte man Gutes tun und auf Notlagen aufmerksam machen – und auch ein Vorbild für Jugendliche sein. Denn auch wir Jugendlichen können helfen, nicht unbedingt mit Geld, aber in jedem Fall mit Engagement.

Wo sieht man dich denn als Nächstes?

Es gibt ein ganz tolles Projekt, über das ich aber noch nicht sprechen darf, ansonsten habe ich viele Shootings. Zum Glück ist die Nachfrage ja da (klopft auf Holz). Und wenn die neue Topmodel-Gewinnerin kommt, werde ich mich im Ausland ausprobieren, und da mal ganz normal auf Castings gehen. Da kennt mich keiner, und ich muss mich durchbeißen. Mal schauen, wie ich das hinbekomme.

 

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+