Jugendliche proben auf dem Schulschiff Deutschland Bewerbungen und kommen in Kontakt mit Arbeitgebern Schüler nehmen Kurs auf den Berufsstart

Vegesack/Achim. Das Schulschiff Deutschland rührt sich kaum. Es ist nicht auf großer Fahrt, sondern liegt sicher im Vegesacker Hafen.
12.08.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Tina Hayessen

Vegesack/Achim. Das Schulschiff Deutschland rührt sich kaum. Es ist nicht auf großer Fahrt, sondern liegt sicher im Vegesacker Hafen. Doch auf dem Schiff bewegt sich so einiges. Schüler der Liesel-Anspacher-Schule aus Achim sind schwer beschäftigt. Wieder einmal ist es ein Teil der Erlöse der Rotary-Stadttombola, die den Jugendlichen diese Tage auf dem Schiff ermöglicht. Tage, die sie auf engem Raum in der Gruppe verbringen – und in denen sie rundum fit für den Bewerbungsstart werden sollen.

Gerade ist es die Bundeswehr, die bei den Schülern Werbung in eigener Sache macht. Es sprechen noch etliche andere Arbeitgeber der Region auf dem Schulschiff: Dodenhof, Aller-Weser-Klinik, Autofirmen, Pflegedienste, Hol ab, Desma, Airbus und mehrere Handwerksbetriebe. Bereits das zehnte Mal machen die Rotarier das Schulschiff zum Interims-Klassenzimmer für Achimer Jugendliche. Jedes Jahr sei es leichter, Unternehmen davon zu überzeugen, dass sich die Reise ihrer Vertreter nach Vegesack lohnt, versichert Max Kausche vom Achimer Rotary-Club: „Sie haben gute Erfahrungen gemacht und kommen immer wieder.“

Die Arbeitgeber kennenzulernen ist aber nur eines von mehreren Zielen des Schulschiff-Projekts. In kleinen, aber überzeugend inszenierten Bewerbungsgesprächen übt jeder einzelne Schüler, was bald auf ihn zukommt. Rotarier und ihre Freunde mimen die Personalchefs, stellen die kritischen Fragen, lassen die Schüler Aufregung spüren – und bewältigen.

„Man stellt sich das so schlimm vor, aber es geht dann“, berichtet Laura Nauenburg, die ihr Bewerbungsgespräch schon hinter sich hat. Die 15-Jährige hat besonders aufmerksam dem Vortrag eines Unternehmens für Altenpflege gelauscht, wie sie sagt. Doch das Meiste habe sie ohnehin gewusst: kein Wunder, nach zwei Praktika in diesem Bereich. Sie möchte auf jeden Fall Altenpflegerin werden, die Hilfestellungen auf dem Schulschiff wisse sie zu schätzen, betont die 15-Jährige. „Ich finde es super hier, das ist etwas ganz Neues für uns, etwas in der Art hatten wir noch nie.“

Pläne für die Zukunft hat auch Julia Schmidt. Sogar ziemlich präzise. Die 16-Jährige interessiert sich für eine Ausbildung in einem Bestattungsinstitut. Zwei Praktika, eines davon rein freiwillig, hat sie dort bereits absolviert, auch das Krematorium in Verden hat sie aus diesem Grund näher angeschaut. Doch die Ausbildung in dem doch eher ungewöhnlichen Beruf ist nur eine von zwei Möglichkeiten für die Jugendliche, wie sie auf dem Schulschiff selbstbewusst verrät. „Vielleicht mache ich auch mein Abi und studiere – dann Medizin, Bereich Chirurgie/Pathologie.“

Kausche hat keinen Grund, an den Zielen der jungen Schulschiff-Gäste zu zweifeln. Er verrät, dass er höchst positiv überrascht ist von den Jugendlichen. „Sie sind diszipliniert, freundlich, offen“, lobt der Rotarier. Da gebe schließlich ein weiteres, gewichtiges Thema auf dem Schulschiff. „Es geht alles um Respekt“, hält Kausche fest. Und zwar in beide Richtungen. Er sieze die jungen Leute konsequent, um das auch nach außen zu unterstreichen. Man solle sich gegenseitig ernst nehmen – dazu gehöre auch Sorgfalt und Pünktlichkeit. Ebenso das Miteinander. „Einer muss für den anderen da sein“, erklärt Kausche. Das werde auf einem Schiff, mit wenig Platz und viel zu tun, besonders deutlich.

Zur konkreten Zukunft des Schulschiff-Projekts könne er nicht viel sagen, gibt Kausche zu verstehen. In einem Jahr soll die Liesel-Anspacher-Schule mit der Realschule zusammengelegt werden. Dann wird es deutlich mehr Schüler eines Jahrgangs geben, ob man alle mit auf das Schulschiff nehmen kann, sei noch nicht geklärt.

Doch prinzipiell fortgeführt werden solle das Projekt zu Wasser – schon deshalb, weil die Reaktionen des Umfelds deutlich machten, wie gut es ist: „Wir halten Vorträge über dieses Projekt, alle wollen dazu etwas wissen. Es kommt enorm gut an bei allen Seiten.“

„Sie sind diszipliniert, freundlich, offen.“ Rotarier Max Kausche über die Teilnehmer
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