Bienen-AG in Achim

Schulunterricht im Schutzanzug

Die gemeinsame Bienen-AG der beiden Achimer Gymnasien bietet den Schülern Biologiewissen aus erster Hand, während der Lehrplan in Biologie die Biene gar nicht mehr behandelt.
31.10.2019, 17:08
Lesedauer: 2 Min
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Schulunterricht im Schutzanzug
Von Kai Purschke
Schulunterricht im Schutzanzug

20 Plätze für Nachwuchsimker gibt es in der Bienen-AG, die die beiden Achimer Gymnasien gemeinsam anbieten.

Björn Hake

Der eine Schulleiter sagt: „Du, wir möchten eine Imker-AG starten, haben aber keinen Platz dafür.“ Der andere Rektor entgegnet: „Kein Problem. Dann machen wir das bei uns im Garten, aber die Hälfte der Schüler kommt von uns.“ So sehen kurze Wege aus, wie sie zwischen dem Gymnasium am Markt (GamMa) und dem Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasium zu einer gemeinsamen Bienen-AG geführt haben. GamMa-Schulleiter Dirk Stelling hatte die Entstehungsgeschichte nun bei einer Projektvorstellung im schuleigenen Garten des Cato erzählt, wo Cato-Rektor Stefan Krolle ihm beipflichten konnte. „Wir waren sofort von der Idee angetan“, sagte Krolle, der Steingärten als Unsitte bezeichnete und sich freut, dass die Schüler alles rund um Bienen und Honig nun aus erster Hand lernen können, zumal die Tierchen im Lehrplan nicht mehr vorkommen.

Dass sie trotzdem – und gerade in Zeiten der verstärkt geführten Klimaschutzdebatte – für bis zu 20 Schüler im Mittelpunkt stehen, dafür hat Mirjam Hory gesorgt. Sie unterrichtet am GamMa eigentlich die Fächer Deutsch und Spanisch, hatte aber die Initiative für die Gründung der Bienen-AG als Herzensprojekt ergriffen und rannte damit, wie eingangs beschrieben, offene Türen ein. Auch die Bio-AG des GamMa und deren Kinder, die von Lehrer Jan Drewes geleitet wird, arbeitet mit den Nachwuchsimkern zusammen. Und die freuen sich umso mehr über den etwas anderen Schulunterricht. „Ja, es gibt auch Honig“, sagt beispielsweise Jungimker Eric, „und es macht Spaß mit den Bienen zu arbeiten. Ich finde Insekten generell interessant“. Ruben dagegen kann sich über die Baukunst der Bienen begeistern, wie er erzählte. Das alles gibt es, ebenso wenig wie die Bienen, die Styroporkästen, die Schutzanzüge und die Honigschleuder nicht zum Nulltarif. „Ich schätze, so an die 4000 Euro hat die Erstausstattung gekostet“, sagte Mirjam Hory. Möglich wurde die Realisierung durch die Schulvereine und die Willi-Heinz-Steffen-Stiftung, für die Kuratoriumsmitglied Katja Schwede erklärte: „Wir legen Wert auf zwei Themen: Umweltschutz und Bildung für Kinder. Beide passen bei diesem Projekt sehr gut zusammen.“ Aber nicht nur finanzielle Hilfe ist gefragt, denn die derzeit 15 AG-Teilnehmer aus den fünften bis siebten Klassen sind als Gruppe Mitglied des Imkervereins Achim geworden, der ihnen mit Rat und Tat zur Seite steht. „Da ist unbedingt Ulrike Rahn zu nennen, die uns Tag und Nacht unentgeltlich zur Seite steht“, hob Mirjam Hory hervor.

Sie erzählte außerdem, dass der erste Produktionssommer nicht ganz so gut war – wie bei den meisten Imkern. „Dafür wiederum waren die 60 Kilo Honig gar nicht so schlecht“, findet sie und erzählte, dass der Honig bereits unter den Lehrern heiß begehrt ist. „Wir werden uns angesichts von zwei Schulen niemals sorgen um Abnehmer machen müssen“, weiß sie. Glück habe die Bienen-AG gehabt, als in Achim im Sommer die Bienenseuche ausgebrochen war. Das hätte den Projektstart nämlich zunichte gemacht. Aber: „Unsere Völker waren da gerade noch bei einer Betreuerin in Thedinghausen.“

Mit drei kleinen Völkern war die Bienen-AG gestartet, inzwischen sind es sogar vier Völker, von denen eines auch jetzt ganz rege sei, wie die AG-Leiterin sagte. Und so konnten die Kinder auch während der jüngsten 7. und 8. Stunde am Mittwoch einiges aus nächster Nähe sehen und miterleben – mit anpacken inklusive.

Was Biolehrer Jan Drewes nur unterstützen kann: „Sie sind draußen und lernen direkt etwas für Biologie. Viel Wissen ist verloren gegangen, viele Schüler können bestimmte Bäume oder Insekten gar nicht mehr benennen.“ Der Grund dafür sei, dass in den Lehrplänen mehr Wert auf abstrakte Molekularbiologie gelegt werden.

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