Heimatverein Achim

Schwierige Spurensuche

In Embsen erinnert nur noch der Mühlengraben daran, dass in der Ortschaft einmal eine Wassermühle gestanden hat. Ulrich Budler vom Heimatverein hat die Geschichte der Anlage recherchiert und aufgeschrieben.
19.08.2019, 16:06
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Schwierige Spurensuche
Von Elina Hoepken
Schwierige Spurensuche

Rund ein Jahr lang hat Ulrich Budler an der Broschüre über die Wassermühle in Embsen gearbeitet. Das fertige Werk hat 94 Seiten.

Jonas Kako

Fotos gibt es keine, die Aufzeichnungen in den Archiven sind mau und sogar in Embsen selbst gibt es kaum noch jemanden, der von der Existenz der Wassermühle in der Ortschaft weiß. Einziger Zeuge der Wassermühle ist der Mühlengraben, der heute noch in Embsen existiert. Nicht gerade die besten Voraussetzungen, um ein Buch über die Geschichte dieser historischen Anlage zu schreiben. Ulrich Budler vom Achimer Heimatverein hat sich von all diesen schlechten Vorzeichen allerdings nicht abschrecken lassen. Und seine Hartnäckigkeit wurde letztlich auch belohnt.

94 Seiten umfasst die Broschüre, in der er alles zusammengetragen hat, was er zur Geschichte der Wassermühle in Embsen finden konnte. „Die älteste Aufzeichnung stammt aus dem Jahr 1634“, berichtet Budler. „Der damalige Müller Remmert Harries wollte die Mühle damals nicht an seinen Sohn übergeben.“ Stattdessen habe dieser eine Abstandszahlung erhalten. Gefunden hat Budler diese Informationen im Kirchenarchiv. Dort fand er dann beispielsweise auch noch einen Ehevertrag des Sohnes. „Insgesamt waren die Informationen, die ich finden konnte, allerdings nur sehr bruchstückhaft.“

Schritt für Schritt

Schritt für Schritt entwickelte sich dann aber doch eine Geschichte – zumindest von der ersten Erwähnung 1634 bis hin zum Abriss der Mühle 1922. Und diese Geschichte ist durchaus lebhaft. Denn im Jahr 1694 brannte bei einem Großfeuer in Embsen auch die Mühle vollständig ab. Zu dieser Zeit gehörte die Mühle schon zum Rittergut Embsen. „Das war aber noch nicht das Ende der Wassermühle“, weiß Budler. „Sie wurde vollständig wieder aufgebaut und noch weiter betrieben.“

Und das über viele Jahrzehnte, letztlich allerdings offenbar nur noch mit mäßigem Erfolg. „Im Jahr 1801 stellte der Müller einen Antrag auf den Bau einer Windmühle, weil einfach zu wenig Wasser im Mühlenbach floss, mit dessen Hilfe die Anlage betrieben wurde“, sagt Budler. Der Antrag wurde jedoch abgelehnt – zu groß war die Sorge der anderen Müller vor der Konkurrenz. Mehr schlecht als recht wurde die Wassermühle dann noch weiter betrieben. Bis zum Jahr 1922. Dann entschloss sich der letzte Müller, Johann Fahrenholz, das Mühlengeschäft aufzugeben und sich im Uesermoor niederzulassen.

Einige Herausforderungen

So schlüssig diese Historie nun auch klingt, Ulrich Budler hat einige Zeit gebraucht, bis er all diese Eckpunkte beisammen hatte. „Insgesamt habe ich etwa ein Jahr an der Broschüre gearbeitet“, erzählt er. Denn das Forschen in Archiven stellte ihn durchaus vor die eine oder andere Herausforderung. „Ich habe im Kirchenarchiv, aber zum Beispiel auch im Staatsarchiv Stade und Hannover geforscht“, erzählt der 72-Jährige. So entwickelte sich Schritt für Schritt ein erstes Gerüst. „Wenn man Akten zu dem Thema gefunden hat, muss man diese allerdings auch erst einmal in lesbare Schrift übersetzen.“ Und das ist manchmal gar nicht so einfach und erfordert ein geschultes Auge. „Wenn dann auch noch alles auf Latein geschrieben ist, stoße auch ich an meine Grenzen“, gibt Budler zu.

Ein geschultes Auge hat sich der Achimer allerdings in der Vergangenheit in jedem Fall angeeignet. Immerhin ist das Buch über die Wassermühle in Embsen nicht das erste, in dem er sich mit der Ortschaft beschäftigt. Im Jahr 2014 hat er bereits ein Buch mit dem Titeln „Die Bauleute und Köthner im alten Dorf Embsen“ herausgebracht. Und es wird auch nicht das Letzte sein. Derzeit arbeitet er nämlich bereits an einem neuen Werk über das Rittergut Embsen. „Alles, was mit alten Häusern und Begebenheiten zu tun hat, interessiert mich einfach“, begründet Budler seine Leidenschaft für die Historie Achims. „Die Geschichte Achims und vieler Gebäude hier bietet einfach so viel Interessantes. Da wäre es doch schade, wenn das irgendwann verloren geht.“ Ein Exemplar der Broschüre wird daher – ähnlich wie die zahlreichen anderen Veröffentlichungen des Heimatvereins auch wieder dem Stadtarchiv zur Verfügung gestellt.

Die Broschüre „Die Wassermühle in Embsen“ gibt es darüber hinaus für 16 Euro beim Heimatverein zu kaufen. Bestellungen sind telefonisch unter 0 42 02 / 6 17 85 möglich.

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