Schwimmen Jörn Frerichs: Mit Talent und Fleiß in die 2. Liga

Der Achimer Jörn Frerichs hat es mit Talent und Training nach oben geschafft. Mit seinem Schwimmverein, dem SV Waiblingen, ist er kürzlich in die 2. Bundesliga aufgestiegen.
08.07.2020, 14:04
Lesedauer: 4 Min
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Jörn Frerichs: Mit Talent und Fleiß in die 2. Liga
Von Maurice Reding

In jungen Jahren in einen Schwimmverein zu gehen, ist heutzutage etwas ganz Normales. Je früher die Karriere beginnt, desto besser. Der ehemalige Schwimmstar Michael Phelps aus den USA ist das perfekte Beispiel. Phelps begann früh mit dem Leistungsschwimmen, um im Jahr 2000 mit 15 Jahren an den Olympischen Spielen in Sydney teilzunehmen. Dass Phelps es nicht geschadet hat, früh anzufangen, zeigen seine Erfolge: Der 35-Jährige ist mit 28 olympischen Medaillen der bisher erfolgreichste Olympionike. Eine schier unfassbare Bilanz. Dass die Schwimmkarriere aber auch erfolgreich sein kann, wenn man erst spät in einen Verein geht, zeigt der Achimer Jörn Frerichs. Als 13-Jähriger angefangen, ist der 25-Jährige heute Leistungsschwimmer beim SV Waiblingen in der 2. Bundesliga.

Frerichs ist sozusagen ein Spätberufener. „Ich habe spät angefangen. Anfangs habe ich nicht viel trainiert, dreimal die Woche vielleicht. Dann habe ich das Training täglich gesteigert“, erzählt der Schwimmer, dessen Karriere beim TSV Achim begann. Bereits das dreimal wöchentliche Training zahlte sich im Becken aus. „Ich war schon mit wenig Training gut“, merkt Frerichs früh sein Talent. Dieses wurde ihm zweifelsohne von seinem Vater Kai Frerichs in die Wiege gelegt, der lange Zeit ebenfalls für den TSV Achim schwamm. Doch zurück zum Filius. „Als ich mehr trainiert habe, war ich direkt besser“, macht sich das Training beim jungen Schwimmer positiv bemerkbar.

Insgesamt sieben Jahre schwimmt Frerichs für den TSV Achim und feiert Erfolg um Erfolg. Dann wagt er den Schritt in die USA. „Ich habe dort ein College-Stipendium bekommen. Man hatte dort ganz andere Möglichkeiten als in Deutschland“, erzählt er. Wenn Frerichs trainieren wollte, durfte er das jederzeit tun. „Der Pool gehörte zur Uni, deshalb konnten wir trainieren, wann wir wollten. Es war alles nah beieinander“, zählt der Schwimmer die Vorzüge auf, die er genoss. Deutschland und die USA seien, was das angeht, weit voneinander entfernt. „Um in Deutschland Krafttraining zu machen, muss man sich ein Fitnessstudio suchen. In den USA war der Kraftraum neben dem Pool. Eine Cafeteria und die Uni waren direkt in der Nähe“, sagt Frerichs. Als Student sei die Uni auf einen zugeschnitten gewesen. „Wenn man Wettkämpfe hatte, musste man Klausuren nicht schreiben“, erzählt der Achimer.

Durch das Abenteuer USA hat Frerichs wertvolle Erfahrungen gesammelt. In Deutschland wieder angekommen, begann der 25-Jährige ein duales Informatik-Studium in Stuttgart. Deshalb war Frerichs auf der Suche nach einem Schwimmverein in der baden-württembergischen Landeshauptstadt. In Stuttgart selbst fand Frerichs keinen Verein. Doch außerhalb von Stuttgart fielen zwei Vereine in die engere Wahl – der VfL Sindelfingen und der SV Waiblingen. Die Wahl fiel auf Waiblingen. „Ich habe dort ein Probetraining absolviert, das gut gelaufen ist. Es hat alles gepasst“, fiel Frerichs die Wahl leicht.

Beim SV Waiblingen, wo Frerichs seit zwei Jahren schwimmt, traf der Achimer auf viele Schwimmer, die bereits im Baden-Württemberg-Kader waren. Hinzu kam mit Reiner Tylinski ein Trainer, der bereits olympische Medaillen gewonnen hat und Kadertrainer von Kuwait war. Von solch einem Erfahrungsschatz profitierte Frerichs, dessen Paradedisziplin die 100-Meter-Schmetterling-Distanz ist. Neben Schmetterling schwimmt Frerichs auch Kraul. „Ab und zu schwimme ich auch Rücken. Am ehesten schwimme ich die 100-Meter-Distanz, manchmal auch 50 Meter“, erzählt er. Mit Waiblingen hatte Frerichs schon großen Erfolg. Bei den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften in diesem Jahr belegte er mit seinem Team in der Oberliga den ersten Platz. Das bedeutete den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Auch die erste Frauen-Mannschaft belegte bei den DM Platz eins und machte damit den Doppel-Aufstieg perfekt. „Wir wollen bei den Männern die Klasse halten und bei den Frauen weiter oben mitmischen“, gibt Frerichs die Marschroute für die kommenden Mannschaftsmeisterschaften vor.

Von der Bundesliga will der Achimer noch nicht reden. „Das ist ein ganzer Batzen Punkte, den man für den Aufstieg braucht. Wir hatten jetzt knapp 20 000, für den Aufstieg in die Bundesliga bräuchte man 23 000 bis 24 000“, weiß Frerichs, dass ein erneuter Aufstieg schwer werden würde. „Trotzdem gucken wir mal, wie gut die Leute drauf sind“, sagt der Schwimmer, der in einem Studentenwohnheim knapp eine Stunde vom Waiblinger Schwimmbad entfernt wohnt. Wann die nächsten großen Wettkämpfe stattfinden, steht noch nicht fest. „Die Tendenz geht in Richtung Oktober“, sagt Frerichs. Seit knapp vier Wochen findet wieder Schwimmtraining statt – wenn auch etwas anders wegen Corona. „Es dürfen nicht so viele beim Training dabei sein. Man muss sich vorher anmelden“, erzählt der Schwimmer, der trotzdem froh ist, dass er wieder trainieren kann.

Wenn die Wettkämpfe wieder regulär stattfinden, will Frerichs weiter hoch hinaus. „Ich will in die Top acht in Deutschland bei einem Wettkampf. Im Moment sind die gut ein bis anderthalb Sekunden von meiner Topzeit weg. Dafür werde ich viel trainieren“, setzt sich der Schwimmer ein ehrgeiziges Ziel. Bei den letzten Deutschen Meisterschaften verpasste er den Einzug in das Finale. Doch mit viel Training ist einiges möglich. Wenn das einer weiß, dann Jörn Frerichs.

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