„Seltene Momente“

Glück – was ist das und was gehört dazu, um glücklich zu sein? Wir haben den „Tag des Glücks“ zum Anlass für eine kleine Umfrage unter Passanten im Landkreis Verden genommen. „Glücklich bin ich generell eher dann, wenn die Situation von dem Normalen abweicht“, lautet Surab Shekanis Antwort. „Wenn ich beispielsweise im Urlaub bin, den Stress der Arbeitswelt hinter mir gelassen habe und mal so richtig entspannen kann.
19.03.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Andrea Kreutzer
„Seltene Momente“

Madlen Bracke.

FR

Glück – was ist das und was gehört dazu, um glücklich zu sein? Wir haben den „Tag des Glücks“ zum Anlass für eine kleine Umfrage unter Passanten im Landkreis Verden genommen.

„Glücklich bin ich generell eher dann, wenn die Situation von dem Normalen abweicht“, lautet Surab Shekanis Antwort. „Wenn ich beispielsweise im Urlaub bin, den Stress der Arbeitswelt hinter mir gelassen habe und mal so richtig entspannen kann.“ Auf der jüngsten Reise durch Ägypten habe er des Öfteren gedacht, dass er glücklich sei. „Es sind eher kleinere Momente statt größere Zeiträume, in denen ich das denke. Irgendwann flaut das Gefühl wieder ab und man fühlt sich wieder wie immer.“

Sascha Köhler sagt: „Gesundheit ist für mich ein entscheidender Faktor zum Glücklichsein – das merkt man insbesondere dann, wenn man krank ist.“ Materielle Dinge spielten nur eine sehr untergeordnete Rolle, „allerdings hilft es wohl, wenn man sich keine Sorgen um das Notwendigste machen muss. Trotzdem können auch sehr arme Menschen glücklich sein, da es wohl die innere Einstellung ist, die zählt.“ Ähnlich sieht es Madlen Bracke: „Eine gesicherte Basis kann dabei helfen, sich glücklich zu fühlen. Für mich persönlich gehört zum Glücklichsein das Wissen dazu, den richtigen Partner gefunden zu haben.“

„Wirklich glücklich“ sei er erst gewesen, als er sich von einigem „unnötigen materiellen Ballast“ befreit habe, meint Erich Hohlbein aus Verden. Zum Ende seines Arbeitslebens hin habe er irgendwann festgestellt, dass er viele Dinge überhaupt nicht brauchte. „Das waren Statussymbole wie ein zweites Auto, ein Ferienhaus, das ich schon seit Jahren nicht mehr genutzt hatte und sehr viele Kleidungsstücke, die ich für meinen Beruf häufig gebraucht habe, die mir dann aber nur noch im Weg waren und die ich als unnötigen Ballast empfunden habe.“ Das Auto sowie das Ferienhaus habe er daraufhin verkauft, die Anzüge verschenkt und „das Haus von Grund auf aufgeräumt.“ Das Gefühl, das sich daraufhin eingestellt habe, die Gewissheit, sich von allen überflüssigen Dingen befreit zu haben, „ist meinem Verständnis von Glück recht nahe gekommen“.

Um wirklich glücklich sein zu können, benötige es aber mehr: „Ich denke nicht, dass irgendwelche Gegenstände – oder auch das Nichtvorhandensein unnötiger Dinge – einen langfristig glücklich oder unglücklich machen können.“ Der Mensch sei ein soziales Wesen und benötige daher „andere Menschen, an denen er sich spiegeln“ könne. Er selbst habe diesen Menschen in seiner Frau gefunden. „Und ich kann, mit wenigen Phasen, in denen ich das nicht dachte, von unsere Ehe behaupten, dass sie glücklich ist.“

Dass der Begriff Glück „viel zu inflationär“ benutzt werde, findet indes Rebecca van Strate. „Meistens meinen wir, dass wir zufrieden sind, wenn wir davon sprechen, glücklich zu sein. Wirkliches Glück ist etwas sehr Seltenes, davon bin ich überzeugt.“ Und eben weil es so selten ist, sei es auch so kostbar: „Es müssen alle Bausteine passen, viele verschiedene Faktoren müssen zusammenkommen. Erst wenn das gegeben ist, kann man theoretisch davon sprechen, glücklich zu sein.“ Doch auch dann könne es in der Praxis passieren, dass man nicht in der Lage sei, das Glück zu erkennen. „Manchmal merkt man leider erst zu spät, dass man glücklich war.“

Wenn sie als Pastorin darüber nachdenke, was für sie Glück bedeutet, dann falle ihr besonders ein Bibelvers ein, meint Merle Oswich von der Evangelisch-lutherischen St. Petri-Kirchengemeinde in Kirchlinteln. „Ein Vers aus Psalm 73 lautet ,Gott nahe zu sein ist mein Glück‘.“ Nach christlicher Auffassung spiele das Gefühl, Gott nahe zu sein, eine wichtige Rolle. „Glück wird dementsprechend auch nicht als etwas Zufälliges angesehen, sondern als Geschenk Gottes betrachtet.“ Greifbar würde Glück in einzelnen Momenten, oft auch gemeinsam mit anderen Menschen, beispielsweise mit der Familie und Freunden.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+